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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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D. Volks-, Dynasten-, Fürstengeschichten 501

deutschen, oft aber vom französischen König gesprochen wird, daß sowohldie meisten Orte wie fast alle Personen germanische Namen führen. Undhiermit stimmt es, daß der Graf Philipp von Boulogne, von Geburt wohlVlame, von den Franzosen nie etwas wissen und seine Nichte keinem Fran-zosen zur Frau geben wollte. 1 Mit dem Kap. 94 hat Lambert seine Ge-schichte von Ghisnes (bis 1196) beendet und er geht nun daran, die Geschichtevon Ardre nachzuholen, und zwar nach dem mündlichen Bericht Waltersvon Clusa, jenes unebenbürtigen Sohnes des Grafen Balduin von Ardre.Dieser Bericht muß sehr weitläufig gewesen sein, denn es werden rechtgeringfügige Dinge ausführlich behandelt, wie der Beiname Crangroc desHerredus von Ardre 2 oder wie dessen Abkunft. 3 Die ganze Erzählung wirdhier sehr weitschweifig und die Geschichte der Lande wird für Lambertfast ausschließlich zur Geschichte ihrer Dynastengeschlechter; einige ein-gelegte Urkunden werden aus dem Gedächtnis Walters vorgebracht. 4 Kul-turhistorisch höchst interessant ist die Darstellung von der inneren Einrich-tung eines großen Hauses Arnolds von Ardre, dessen einzelne Räume mitihren Zwecken genau vorgeführt werden. 5 Die bis Kap. 146 reichende Er-zählung Walters endet mit dem Jahre 1146, dann aber eilt der Verfasseräußerst rasch zum Jahre 1190, um mit den Ereignissen von 1203 zu schließen.Das ganze Werk ist als geschichtliches Denkmal für jene Gegenden einzigund daher von großem Werte, dieser wird aber fast übertroffen durch seineBedeutung für die Kultur- und Sittengeschichte, für die es mehrfach breiteBilder in echt vlämischer Art liefert. Viel geschriebene Quellen hat Lam-bert nicht benutzt und konnte es wohl auch nicht. Im Anfang lieferte ihmdie Flandria generosa den Stoff, dann wird er Genealogien der Grafen vonGhisnes und von Boulogne verwertet haben, ferner die Vita s. Bertini undeine verlorene Vita s. Pharonis, 6 dagegen ist Sigeberts Chronik nicht ver-wendet worden. Lamberts Sprache ist meist hochtönend und wortreichund kennzeichnet sich durch Überladung und seine Sätze sind oft vonübergroßer Ausdehnung. Vielfach flicht er Verse in die Darstellung, ofteigene, aber auch solche aus den antiken Dichtern, wie er sich überhauptals Magister in der klassischen Literatur bewandert zeigt; romanische Wörtersind bei ihm nicht selten. 7

Zeugnisse. Zu Homer im Prologe p. 558, 25 Sic et ille, ille quem poetarum eximiuset doctissimus in divina Eneide pedetentim imitatus est ad unguem, Homerus multis annisteste Cornelio Affricano immo Pindaro B et Phrigio Darete* post excidium Troianum natusest. Nee querit ab aliquo Virgilius, ubi tante veritatis fabulam invenerit vel acceperit Ho-merus. Sic et Priscianus noster artigraphus Appollonii et Herodiani se imitatorem essegloriatur, qui tarnen multo tempore ante Priscianum in arte grammatica apud suos in Greciafloruerunt. Zum Verhältnis von Ghisnes und Boulogne vgl. 15 p. 569,16 Ghisnensiumenim terra circumspectis lectis et relectis omnibus tarn Flandrie quam Bolonie chronicis,si qua sunt, autenticis, auditis etiam et intellectis plurimorum narrationibus antiquorumet fabulis nunquam et nusquam Boloniensis terre portio vel appendicium invenitur. VomGrafen Robert erzählt Lambert 25 p. 574, 4 Robertum videlicet qui ut tunc temporis erat

1 94p.605,21. 2 99p.608f. e Ueber andre Quellen vgl. Heller p. 552.

3 101 p. 610. Vgl. auch 124 p. 622 die ' Vgl. Heller p 553 n. 18.

Geschichte von dem Biertrinker, der das 8 Gemeint ist die Ilias latina.

größte Faß austrinkt, dafür aber am Gal- 9 So wird Dares hier in zwei Autoren zer-

gen stirbt. * 116 p.617f. und 137 p. 631. legt; Cornelius Affricanus geht noch über

127 p. 264. die Angaben der Dareshss. hinaus.