498 Dritter Abschnitt. Die "Geschichtschreibung
Im Anhang zu Helmold sind zwei kleinere Schriften kurz zu erwähnendie in Neumünster entstanden und deren eine von der andern abhängig ist'
a) Versus de vita Vicelini. Dies Gedicht von 333 leoninischen Hexa-metern ist kaum vom Propst Sido in Neumünster verfaßt worden wieSchmeidler 1 nach dem Vorgang von C. Schirren 2 erörtert hat, obwohles an jenem Orte entstanden ist. 3 Geschrieben ist es nach der im Jahre1186 erfolgten Einsetzung Theodorichs zum Bischof von Lübeck. Der Ver-fasser geht von Vicelins Herkunft in Hameln aus und berichtet, daß dieser1125 in holsteinische Gebiete gekommen und von Erzbischof Adelberovon Bremen zum Slavenapostel bestimmt worden sei. Zu der nun folgendenganz aktenmäßigen Darstellung, in der außer der Form nichts an Poesieerinnert, benutzte der Verfasser getreulich die Urkunden seines Klostersdie ihm in der Hauptsache seinen Stoff lieferten, den er aber auch ausmündlichen Berichten vielfach ergänzt hat. Helmolds Werk hat er nichtverwendet, obwohl er Vs. 201 ihn als Bosauer Pfarrer nennt. Das Gedichtbietet mannigfache Belehrung, obwohl es auch an Irrtümern nicht fehlt.Benutzt wurde es sehr bald in dem Briefe des Neumünsterer Propstes Sidoan den Haseldorfer Pfarrer Gozwin. 4
Ueberlieferung im Hamburg, arch. Gl. I Lit. O a n. llf. 5—7 s. XIII. Ausgabevon E. Lindenbrog, Hist. archiep. Brem. p. 122; Leibniz, SS. rer. Brunsvic. 1, 774.Staphörst, Hamburg. Kirchengesch. 1,626; Westphalen,Monum.inedita2,l.Lange-bek, SS. rer. Danicarum 4, 446; N. Beek, Quellensammlung d. Ges. f. Schlesw.-Holst.-Lauenb. Gesch. 4,157; Schmeidler, Helmoldi Cronica Slavorum p. 224—235.
b) Sidonisepistola. Sido war Propst zu Neumünster wohl in den Jah-ren 1177 bis 1204. 5 Er erscheint als Zeuge in einer Urkunde von 1197 undrichtete 1199 einen Brief an den Abt Hugold von St. Michael in Hildes-heim. 6 Vorher aber wandte er sich in einem Briefe an Gozwin, Abt vonHaseldorf, um zu verhüten, daß die zu Neumünster gehörige Kirche Bis-horst seinem Kloster entfremdet wurde oder zu Schaden kam. In diesemSchreiben, das 1195 oder 1196 verfaßt ist, kümmerte sich der Propst wenigum die geschichtliche Wahrheit. Er benutzte zwar die Versus de vita Vice-lini, aber sonst erdichtete und erfand er, wie es ihm paßte, und vermiedsogar, die urkundlichen Angaben aus dem Gedichte zu verwenden. Auchaus Helmolds Chronik, die ihm zu Gebote stand, wußte er allerhand Irrtüm-liches auszuziehen.
Ueberlieferung im Cod. Novi monast. S. Trinit. civ. Wiener Neustadt XII D 21f. 179—183a. 1512; Hamburg, arch. Cl. Lit. Oa n. 11 f. 1—5 s. XV. Bruxell. 3520 f.43bis 48. Ausgabe von Lappenberg, Staatsbürgerl. Magazin (1829) 9, 4, von Schirren,Ztschr. d. Ges. f. Schlesw.-Holst.-Lauenbg. Gesch. 8,312. 326; von Schmeidler a. a. 0.p. 236—245.
16. LAMBERT VON ARDRE
Lambert stammte aus priesterlichem Geschlecht und war selbst Pres-byter und später Magister in Ardre bei Calais. Er war verheiratet und hatteSöhne und war in enger Verbindung mit der in Ghisnes und Ardre herr-
1 a.a.O. p. 219f. 4 Die Prosodie ist besonders bezüglich
"Beiträge zur Kritik älterer holstein. der Eigennamen recht fehlerhaft, vgl. Vs.16
Geschichtsquellen S. lff. 28. 44. 62 f. usw.
8 Vgl. Versus 6. 215. 239 (in der Ausgabe 6 Vgl. Schmeidler p. 220.
Schmeidlers p. 225. 232). 6 Schmeidler p. 221.