454 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
L'ystoire de li Normant et la chronique de Robert Viscart par Aime ... Paris 1835- besserist O. Delarc, Ystoire de li Normant par Aime . . . Rouen 1892. Vgl. Wattenbach 2238; Schipa im Archivio stör, per le prov. Napoletane 13, 484. Giesebrecht, Gesch d'deutsch. Kaiserzeit 2, 571 f.
5. BENZO VON ALBAVon dem Leben dieses sonderbaren Schriftstellers ist nichts weiter be-kannt, als was sich aus seinem Werke selbst ergibt, denn die Zeitgenossenaußer Bonizo und dem Verfasser des Lebens Nicolaus IL erwähnen ihnnicht. Früher stand man diesem anscheinend wahllos und ohne Chrono-logie verfaßten Werke fast ratlos gegenüber, bis H. Lehmgrübner etwasLicht hierein brachte. 1 Daß er Bischof von Alba (am Tanaro) war, hat erselbst oft erwähnt, und er trat eifrig für den Papst Cadalus und die deutschePartei in Rom ein. Er wurde aber später vertrieben, und da er währendder ganzen Zeit seiner kirchlichen Stellung schriftstellerisch tätig gewesenwar, so faßte er schließlich den Plan, alle seine kleinen Niederschriftendie es sämtlich mit mehr oder minder geschichtlichen und kirchenpolitischenDingen zu tun hatten, zu sammeln und Heinrich IV., dessen Partei er rück-sichtslos vertrat, zu widmen. Dieser Plan ist erst nach Gregors VII. Todein ihm lebendig geworden und die Sammlung und Abschrift hat zwischen1086 und 1090 stattgefunden.
Ad Heinricum IV. Die in der Abschrift hergestellte Reihenfolge seinerAufsätze und Gedichte ist freilich merkwürdig genug, aber da er ein ge-bildeter und in der klassischen Literatur wohl erfahrener Mann war, soist es unmöglich zu glauben, daß er alles das in derselben Folge auch an-fänglich niedergeschrieben haben sollte. Die Vorrede ist erst nach Abschlußdes Ganzen vorangestellt. Sie richtet sich an den Kaiser und wurde des-wegen nötig, um diesem den Zweck des Werkes anzuzeigen; sie ist aber inZwischenräumen geschrieben. Aus ihr — an den Anfang hat Benzo bezeich-nenderweise die Worte des Persius 1,1 gestellt—erfahren wir, daß der Bischofdem Kaiser empfahl, mit seinen Bischöfen und Kaplänen in seinem Werkezu lesen und daraus zu lernen; der Kaiser aber möge es seinen Nachkommenals Erbe hinterlassen. Und in einem sich anschließenden rhythmischenGedicht von 80 Fünfzehnsilbern 2 rühmt er des Kaisers Taten und meint,daß die größten Schriftsteller des Altertums sich kaum an deren Darstellunggewagt haben würden; er führt diese auf und neben den gewohnten Schul-dichtern nehmen sich Demosthenes, Grillius und Quintilian sonderbar genugaus. 3 Das erste Buch besteht aus einer Reihe kleiner Abhandlungen mitstaatswissenschaftlichen Gedanken, praktischen Ratschlägen und einer si-byllinischen Weissagung. Es ist erst 1085 verfaßt und soll den Kaiser auf-fordern, nach Italien zu kommen, die kirchlichen Verhältnisse zu ordnenund die Pataria zu beseitigen; Kap. 29 bis 36 enthalten lauter Bitten anHeinrich, Benzo zu beschenken, und 9 bis 12 schildern das Ritual bei derKaiserkrönung. Die Form ist -meist die Prosa, doch sind Rhythmen ein-
x Benzo von Alba (Hist. Untersuch. Hrsg. pam his iungentes.
von J.Jastrow. 6) Berlin 1887. 3 Im folgenden Epigramm (MG. SS. 11,
2 Mit Hiatus, vgl. Vs.llf. und mit Zer- 600,19) Dicit tibi Cato: Mulla legas faato,
dehnung von Diphthongen, vgl. 8 Heuro- perlectis perlege multa= Cat. Dist.3,18,1.