452 Dritt er Abschnitt. Die Geschichtschreibung
schrift der Kapitel zum 4. Buche vor der anderen, die auch den Paulus namhaft machtden Vorzug verdient. Die Ueberlieferung ist übrigens, besonders gegen das Ende hin, hieltenhaft, da nicht wenig Verse ganz oder teilweise fehlen. Außerdem lauten die Ueberschrifteiiin der Zusammenstellung und vor den einzelnen Kapiteln mehrfach recht verschieden wipgleich 1,1 (p. 49) Quando Andreas invento Ihesu ducit Petrum fratrem suum ad eum'undVocatio Petri et Andreae. Zum Exkurs über Rom vgl. 4, 1,14 Que sis, quam prestans, Ckemdictamine narrat, Cui simüis nullus describitur atque secundus. Et Livius Titas, Lucanus inense peritus Egregiusque Maro magnusque poemate Naso Et vir mirificus Varo, quem hmiste Cosinus, Et plures de te scripserunt plura poete, vgl. D ü m m 1 e r, Neues Archiv 4,181 ffwenn es dort Vs. 32 heißt Per dictatores doctrinam (seil, retines) , so ist hier das Wort immittelalterlichen Sinn = Dichter, Schriftsteller zu verstehen. Zur Prosodie vgl. 3 155Precipit optimum gaudens aeeipere natum. 163 Petrus intrans vidit. 273 Gaudet letatur suve-rius et gratificatur. 4, 268 Me mittit inculcans. Ueberlieferung im Bonon. 2843 s. XI (ausS. Salvatore), vgl. Gaudenzi p. 46ff. Ausgabe von A. Gaudenzi, Bullettino dell' Istitutostorico italiano 7,49—95 (1889). Vgl. Wattenbach 2, 238.
b) Historia Normannorum. Da das Werk nicht in der ursprünglichenForm, sondern in französischer Übersetzung erhalten ist und der Über-setzer manche Veränderungen angebracht hat, so ist die Beurteilung derumfänglichen Arbeit sehr verschieden ausgefallen. Der Verfasser richtetzunächst an Abt Desider eine Widmung. Er entschuldigt dann sein Werkmit dem Vorgange des Paulus Diakonus und erwähnt, daß er in Hinsichtauf die Leser seine Arbeit in acht Bücher 1 geteilt und jedem Buche dieKapitel vorangestellt habe. Mit einem längeren Gebet über die AllmachtGottes schließt er sein Vorwort. Das erste Buch beginnt er mit der Herkunftder Normannen, 2 deren Namen er von der Insel Nora und dem deutschenMann ableitet, und mit den auswärtigen Unternehmungen des Volkes rundin Europa bis zur Besitzergreifung der unteritalienischen Landschaften under führt es etwa bis zur Begründung von Aversa. Das zweite Buch erzähltdie Entstehung der Normannenstaaten und gibt deren Geschichte bis zumJahre 1046. Die Darstellung wird dann breiter und mit dem Erscheinender beiden Hauptpersonen Bichard und Bobert gewinnt der Bericht anAusführlichkeit und wird dadurch um so wertvoller, daß er fast alleindie gesamten Verhältnisse erzählt, indem kaum eine andre gleichwertigeQuelle an seine Seite tritt. Und gegenüber der sehr starken Anfeindung derGlaubwürdigkeit des Amatus durch F. Hirsch hat doch G. Bai st die Be-rechtigung dieser Angriffe auf ein sehr bescheidenes Maß zurückgeführt.Derselbe Forscher weist nach, daß das Werk erst im Laufe mehrerer Jahreseinen überlieferten Umfang erhalten hat, 3 sowie daß 5, 3 zwischen 1081und 1085 und 7, 34 nach 1085 geschrieben wurde. Die Arbeit ist, wie sievorliegt, vollständig, denn 8, 34 f. (bis zum Tode Bichards) gibt wenigstenseinen vorläufigen Abschluß. Allerdings war wohl beabsichtigt, sie bis zumTode Boberts weiterzuführen, was Amatus davon abgehalten hat, wissen wirnicht. Bemerkt werden muß hier noch, daß auch in diesem Werke die vor denBüchern zusammengestellten Kapitelinschriften sich weder an Zahl nochan Inhalt mit den Kapiteln des Werkes und deren Inhalt genau decken.Da sich Amatus ganz an die Geschichte hielt, so werden literarische Dingein dem Werke nicht berührt, nirgends findet sich ein Hinweis auf die ältere
1 Ob das gleich von Anfang geschehen ist, den wir weniger eine Uebersetzung als einenläßt G. Baist, Forschungen z. deutschen Bericht über die lateinische Vorlage.Gesch. 24, 337 dahingestellt sein. 3 Forschungen 24, 321. 333.
2 Gleich hier im Anfang des Werkes fin-