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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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447
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D. Volks-, Dynasten-, Fürstengeschichten 447

Vieles von seinem Dargestellten wird Wilhelm selbst erlebt haben, wozuer natürlich mündliche Quellen aller Art benutzte, die er aber nur ganz seltennennt. 1 Auch schriftliche Quellen nennt er nur einmal, wobei er auf Dudo

2 28 anzuspielen scheint. 2 Doch hat Jean Marx den Nachweis geführt, daßsich Wilhelm von Poitiers an die Normannengeschichte des Wilhelm vonJumieges angelehnt und sie benutzt hat. Aber sehr auffällig ist die ganzeForm seiner Darstellung. Zunächst spricht er häufig von einem allgemeinenStandpunkt aus und sucht den Leser dadurch zu gewinnen, daß er nichtbloß die dürren Tatsachen mitteilt, sondern die Geschichte etwas philoso-phisch zu begreifen sucht. Insofern steht seine Geschichtschreibung dochetwas höher, mindestens spricht sie den Leser mehr an als die der Zeitgenos-sen. Und zweitens tritt bei ihm eine Antikisierung ein, die man sonst auchvergeblich sucht. Unausgesetzt bringt er zur Illustrierung der GegenwartBeispiele aus der alten Geschichte 3 und sucht seinem Werke einen römischenTon zu verleihen. Außerdem hat er durch oft gesuchte, kurze und prägnanteAusdrucksweise und durch geistreich schillernde Gedanken den Eindruckerzeugen wollen, als sei seine Feder die eines altrömischen Historikers; oftgenug fallen Ähnlichkeiten mit Sallust auf, 4 der ja seit dem 10. Jahrhundertdas vielbewunderte Vorbild geworden war. Und stellenweise gesättigt hatWilhelm seine Schrift mit Caesar und seinen Taten; geht er doch darauf aus,den König in jeder Beziehung höher zu stellen als diesen größten römischenFeldherrn, der ja auch einst Britannien angegriffen hatte. Freilich besitztsein Stil etwas zuviel von aufgebauschtem und phrasenhaftem Wesen, alsdaß man ihn natürlich nennen könnte. Übrigens werden außer einem großenExkurs über Wilhelms Kirchenpolitik 5 geistliche Dinge so gut wie nichtbehandelt, wohl aber geht aus der ausführlichen Darstellung kriegerischerEreignisse die alte Lust des Verfassers am Waffenhandwerk hervor.

Zeugnisse. Ordericus Vitalis sagt in seiner Hist. eccl. 4,11 (Migne 188, 330) 6 Hucus-queGuillelmus Pictavinus historiam suam texuit, in quo Guillelmi gesta Crispi Saluslii stilumimitatus... enucleavit. Hie genere Normannus de vico Pratellensi fuit ibique sororem . . .kabuit. 1 Pictavinus autem dictus est quia Pictavis fönte philosophico ubertim imbutus est.Reversus ad suos . . . Lexovienses episcopos Hugonem et Gislebertum archidiaconatus officioinecclesiasticis rebus adiuvit. In rebus bellicis ante clericatum asper extitit et militaribus armisprotectus terreno prineipi militavit. . . In senectute sua taciturnitati et orationi studuit et plusm dietando et versiflcando quam sermocinando valuit. Subtiles et concinnos versus atque adrecitandum habiles frequenter edidit studioque iuniorum quibus ipsi emendarentur sine invidiaerogarit. Ferner 3, 21 col. 302 A 8 De cuius probitate . . . Guilelmus Pictavinus Lexoviensisarehidiaconus affluenter traetavit et librum polito sermone et magni sensus profunditate prae-ckrum edidit. Ipse siquidem praedicti regis capellanus longo tempore extitit et ea, quae oculissuis viderit et quibus interfuerit, longo relatu vel copioso indubitanter enucleare studuit, quam-cis librum usque ad finem regis adversis casibus impeditus perducere nequiverit und 3, 12col. 261 B 9 Qui singulos conflictus . . . diligenter voluerit perscrutari, legat libros . . . et Wil-lernü Pictavensis Lexoviensis ecclesiae archidiaconi. Zur unehelichen Geburt Wilhelms vgl.Körting p. 13. Zum Zweck der Schrift vgl. Migne 149, 1233 D quem tarn futuris quampraesentibus in nullo displicere imo eunetis placere optamus, Cenomannico prineipatu quem-

1 Vgl. Migne 149,1237 Et sicut veracis- 5 Migne 149,1240Bff.

smi multaque honestate praeclarissimi ho- 6 Duchesne, Hist. Norm. SS. antiqui

Tm- reatavere > ?"' tunc adfuere festes. p. 521C.

Migne 149,1238B Annalium paginae ' Nämlich als Äbtissin eines Nonnen-

attestantur. klosters.

3 Vgl. hierzu Körting a.a.O. S.17. 8 Duchesne p.503.JJas weiß S og ar scri0n Ordericus Vitalis 9 Duchesne p.478B.

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