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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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446 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

und ist in dieser Stellung lange geblieben, bis er im Bistum Lisieux dasArchidiakonat unter Bischof Hugo erhielt, 1 was für ihn eine angenehmeStellung gewesen zu sein scheint. Denn er gewann Zeit und Möglichkeitdie Taten Wilhelms des Eroberers darzustellen, und er legte sich dann aufdie Poesie, indem er eine Menge zierliche und formgewandte Gedichteschrieb, die er herausgab und auch für die Belehrung der Jugend verwandtedie also wohl in das moralische und didaktische Gebiet gehörten. Von spä-teren Lebensdaten ist nichts bekannt, und wir würden überhaupt persön-liche Züge von ihm gar nicht wissen, wenn nicht Ordericus Vitalis an mehrerenStellen Mitteilungen über ihn gemacht hätte.

Von seinen Schriften haben sich nur die Gesta Guilelmi Conquestoriserhalten, die zweifellos vor dem Tode des Helden abgefaßt sind, wie dieStelle Cuius liberi atque nepotes iusta successione praesidebunt Anglicae terrae"-ganz deutlich ergibt. Körting hat wohl mit Recht vermutet, daß dieSchrift etwa 1071 oder 1072 anzusetzen ist, 3 also ungefähr gleichzeitig mitWidos Gedicht De Hastingae proelio und mit der Normannengeschichtedes Wilhelm von Jumieges. Aber diese drei Werke scheint noch ein gemein-samer Umstand zu verbinden, nämlich daß sie wahrscheinlich auf den Wunschoder gar auf die Bestellung durch Wilhelm I. geschrieben sind, 4 wie ja auchschon Dudo von einem Vorfahren Wilhelms einen ähnlichen Auftrag er-halten hatte. Solche Tendenzschriften, in denen der Nachweis von Wil-helms Recht auf den englischen Thron zu erbringen war, brauchte der Königdurchaus, da er ja nicht einmal legitime Geburt geltend machen konnte.Und so dient denn die Schrift unsres Archidiakons ganz der VerherrlichungWilhelms, wie jene beiden andern Werke; sagt er doch, er wünsche, daßWilhelm weder in Gegenwart noch in Zukunft jemand mißfallen möge. Soträgt die Schrift einen ausgesprochen panegyrischen Charakter. WilhelmsLob wird nach allen Seiten gesungen, und vorsichtig unterdrückt der Ver-fasser jedes Wort des Tadels. Natürlich wird dadurch das Bild des Königsbei ihm unhistorisch, denn wir wissen, daß Wilhelm der Eroberer von Tu-genden nichts an sich gehabt hat. 5 Mit diesem Zwecke der Schrift ist auchdie Nachricht gut zu vereinigen, daß der Archidiakon von Lisieux sein Werkdem Könige überreicht habe. Derselbe Ordericus Vitalis aber, dem wir alleLebensnachrichten über unsern Verfasser verdanken, erzählt, daß Wilhelmdas Leben des Königs nicht bis zum Ende hätte darstellen können, da erdurch widrige Zufälle daran verhindert worden sei. 6 Das scheint mit derWidmung an den König nicht zu stimmen, wenn man nicht annehmen will,daß das Werk gleich anfangs dort endete, wo es heute aufhört, nämlich mitEreignissen des Jahres 1068. Im Beginn stand wohl ursprünglich die Wid-mung und vielleicht ein wohl nicht zu ausgedehnter Bericht über die Kind-heit und Jugend des Königs.

1 Zur Aufeinanderfolge beider Würden 4 Für Wilhelms Werk scheint mir das

vgl. Gust. Körting, Wilhelms von Poi- Körtingbewiesenzuhaben,vgl.S.1215.

tiers Gesta Guilelmi (Dresden 1875) S.5 5 Vgl. seine Charakteristik bei Lappen-

n.2. Auch unter Hugos Nachfolger Gilbert berg, Gesch. Englands 2,60. Körting

hat er noch sein Amt verwaltet. S.llf. ..,

2 Mignel49,1259D. Vgl. auch Körting 6 Hist. eccl. 3, 21 (Migne 188, 302A);

a.a.O. S. 1. 3 A.a.O. S.8f. vgl. unten.