C. Kreuzzugsgeschichte 437
Das 23. und letzte Buch erhält nun wieder eine Vorrede. Der Verfasser sagthier daß er eigentlich jetzt ein Ende machen wollte, da die Widerwärtig-keiten für das Königreich zu groß geworden seien. Aber er wolle auf diehören die ihn bäten, Livius zum Muster zu nehmen, der ja auch nicht nurdas Glück der Römer, sondern auch ihr Unglück dargestellt habe. Außer-dem mache das Lesen von Unglücksfällen in der eigenen Geschichte dieMenschen etwas vorsichtiger, und so wolle er denn fortfahren. Weit ist erfreilich nicht gekommen, denn nach der kurzen Vorrede findet sich nur eineinziges Kapitel, in dem von den Zwistigkeiten erzählt wird, die zwischenGuy de Lusignan und dem Könige ausgebrochen waren. So endet das großeWerk ohne eigentlichen Schluß, Wilhelm hat sein Versprechen, es fortzu-setzen, nicht erfüllen wollen oder können. 1
Den bis zum Schluß des 15. Buches reichenden unselbständigen Teilhat Wilhelm meist aus uns bekannten Quellen genommen, nämlich aus Albertvon Aachen, Balderich von Bourgueil, Fulcher von Chartres, Raimund vonAgiles und dem Bericht des Kanzlers Gauthier. Freilich ist es nicht seineGewohnheit, die benutzten Quellen zu nennen, und nur selten deckt erden Ursprung seiner Nachrichten auf; geschieht dies aber, so kann man sichersein, daß es sich um eine wirklich authentische Quelle handelt. 2 Und diesehat er dann mit kritischem Urteil benutzt. Seine Umsicht und seine Ge-nauigkeit läßt sich bei solchen zweifelhaften Fällen gut nachprüfen, denner legt dann dem Leser die abweichenden Berichte vor. Und stets ist erzur Kritik bereit, wenn sich Schwierigkeiten für die Berichterstattung er-geben. Allerdings mußte ihm die Prüfung meist nicht schwer fallen, da erganz aus seiner Umwelt heraus schreibt. Ohne Zweifel steht er mit seinemgereiften Geiste und mit seinem sachlichen, ruhigen Urteil in jener Zeitals der Meister der Geschichtschreibung da. Das zeigt sich nicht zum wenig-sten darin, daß er den Leser, bevor er an die hauptsächlichen Ereignisseherangeht, stets erst in mehr oder minder ausführlichen Abschnitten überLage, Bedeutung und Geschichte der Landschaften oder Städte aufklärt,in denen sich die Ereignisse vollzogen, sowie, daß er öfters von seiner Kennt-nis des Arabischen Gebrauch macht, 3 um den abendländischen Lesergenau zu unterrichten. So lehnt sich seine Darstellung der Kreuzzüge stetsan geographische Exkursionen und vielfach an sprachliche Erläuterungenan, und die Forschungen, die er dabei anstellt, gehen oft bis ins Altertumzurück, wie sich an der starken Benutzung des Solin und des Josephusdeutlich zeigt. Und er behält hierbei auch weit abliegende Dinge im Auge,wie er Tod und Nachfolge im östlichen und westlichen Kaisertum wie imPapsttum stets bucht. Und endlich ist seine Darstellung vortrefflich wegender richtigen Verknüpfung des geschichtlichen Fadens, er sucht stetsden logischen Zusammenhang und die geschichtliche Verbindung zu
1 Prutz, Neues Archiv 8, 118f. sucht zu 19, 24 col. 772 A. 20, 20 col. 798D. 21, 23
erweisen, daß Buch 23 bis auf das erste col. 837B. Kenntnis des Griechischen z.B.
Kapitel auf Betreiben des Guy de Lusignan 13, 2 col. 550A potamos enim Graece Laune
"?*' wurde. fluvius dicitur. Prutz schreibt ihm auch
tu n 8 erzu 11 ' 9 co1 - 494B. 19, 4. col. Kenntnis des Persischen und Hebräi-mu 19, i7. col. 763G 20> 20 coL 789A _ schen zu
Vgl. 5, 11 col. 337 B. 14, 22 col. 602 A.