436 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
ausführliche Charakteristik König Amalrichs gegeben, die sich stark anEinharts Vita Karoli anlehnt; auch vergißt Wilhelm nicht, sein eignes engeresVerhältnis zum König zu berühren. 1 Die sehr eingehende Darstellung vonAmalrichs ägyptischer Politik gibt ihm dann Veranlassung sich überörtliche Verhältnisse Ägyptens an der Hand verschiedener Quellen zuäußern. Zunächst handelt er über die Gründung von Kairo, nennt Hugovon Caesarea als seinen Berichterstatter, 2 spricht über die Berechtigung desTitels Kalif, über die Gründe der Feindschaft der Kalifen von Bagdad(Baldac) und von Ägypten, dann über das Nildelta, 3 wobei er den Unter-schied der heutigen und der antiken Deltabildung zu erklären sucht. Esfolgt eine kurze Geographie Ägyptens mit längerer Anführung aus PiatosTimäus 4 über das Delta und die Stadt Sais. Bei der Beschreibung von Alexan-dria wird das Gründungsjahr aus Solin 32, 41 (p. 147, 4—8) gegeben undbesonders der Handel hervorgehoben. Darauf wird die Belagerung der Stadtdurch den König und ihre Einnahme erzählt. Das Buch reicht bis ins Jahr1167.
Mit dem 20. Buche beginnt das große Trauerspiel für das christliche König-reich Jerusalem mit dem Wiederausbruch des ägyptischen Krieges und derGewinnung Ägyptens durch Saladin, dem übrigens Wilhelm Gerechtig-keit widerfahren läßt. 5 Der nutzlose christliche Angriff auf Damiette sowieSaladins Bestürmung von Darum — 20, 20 col. 798 D Darum quod inter-pretatur domus Graecorum — werden erzählt, doch wird darüber die Er-mordung Thomas Beckets nicht vergessen. Immer schwieriger wurde dieLage des Königreichs, die Einfälle nehmen zu, die Macht der Assassinen 6wächst. Endlich stirbt Nureddin von Mossul, dessen Andenken Wilhelmdenkwürdige Worte widmet, und mit dem Tode König Amalrichs läßtdieser das 20. Buch schließen.
Der neue König Balduin IV. erhält nun im nächsten Buche eine eingehendeCharakteristik. Als Wilhelm dann erzählt hat, daß Saladin Damaskus be-setzt, gestattet er sich,wieder eine Abschweifung, indem er erörtert, warumdie Feinde des Königreichs so große Erfolge haben müssen. Noch einmalkommt eine Verstärkung durch die Ankunft der Grafen Wilhelm von Mont-ferrat und Philipp von Flandern und in der Schlacht bei Askalon wird derletzte Sieg gegen Saladin errungen. Nach den Folgen dieses Sieges erzähltWilhelm den Frieden zu Venedig zwischen Kaiser und Papst 1177. Mitdem zwischen Saladin und dem Königreich geschlossenen Vertrage beginntdas 22. Buch, das nun von den dauernden Verlusten handelt, die Saladindem Königreich beibringt. Die Not wird schließlich so groß, daß eineSteuer im Reiche ausgeschrieben werden muß, deren Verkündigung Wil-helm im Wortlaute mitteilt; er führt seinen Bericht bis in den Herbst 1183.
1 19, 2 Avaritiae tarnen suae excusationem Ovid. Met. 1, 422f. und 15, 753.
praetendens mihi etiam familiarius collo- i Aus Tim. 21E, oder vielmehr ChaJci-
quenti causas nitebatur assignare (col. dius ed. Wrobel p. 13, 7—10, Lesart U.
749D). B Er sagt von ihm 20, 12 col. 789B m
a 19, 18 col. 765 B sicut dominus Hugo acris ingenii armis strenuus et supra mo-
nobis retulit. dum überaus.
3 19, 22 col. 769 A unde miramur pluri- 6 Wilhelm spricht 20, 31 col. 810f. von
mum antiquos Nilum septemfluum dixisse, ihnen, ohne ihren Namen erklären zu
quasi Septem ostiis mare ingrediatur, vgl. können.