C. Kreuzzugsgeschichte 435
Marcolf ausgesprochen wird. 1 Nach einer Beschreibung Syriens und der an-grenzenden Länder werden die Bestürmungen von Tyrus an der Hand vonJosephus vorgebracht und dann die Stadt selbst geschildert und daraufkommt die Belagerung der Stadt und ihre Einnahme durch die Verbündeten.Man sieht aber hieraus, daß Wilhelm durchaus vom universalhistorischenStandpunkt aus Geschichte schreibt, wofür auch weiter die Erwähnung desdeutschen Thronwechsels von 1125 in Betracht kommt. Das Buch schließtmit der Erhebung von Tyrus zum Bistum, einigen Bullen Honorius ILfür die neue Stiftung und mit dem Tode Balduins II (1131). Im 14. Buchetreten die Verhältnisse in Antiochia nach dem Tode Boemunds IL zeitweisein den Vordergrund, allerdings wird Tyrus durch die Erwähnung der Privi-legien Innocenz IL (Kap. 11 ff.) im Auge behalten; 2 am Schluß erzähltWihelm die Geschichte Askalons und Antiochias. Das nächste Buch setztdie Geschichte des Königreichs fort, ferner die von Edessa und Antiochia,bringt die Tragödie im Patriarchat und greift auch in die griechische Ge-schichte der Gegenwart hinüber.
Wilhelm sagt dann in der eigenen Vorrede, die das 16. Buch erhalten hat,er werde nun entweder aus eigener Kenntnis oder nach dem treuen Berichtvon Augenzeugen schreiben, nachdem er sich für die ganze vorhergehendeErzählung auf den schriftlichen Bericht von Vorgängern habe stützen müs-sen. Diesen Wechsel bemerkt der Leser sofort, denn Wilhelm beginnt mitder eingehenden Schilderung des neuen Königs Balduinlll. seine äußerstwertvollen Charakteristiken fürstlicher Personen. Wichtiger allerdings istdie Erzählung des zweiten Kreuzzugs mit seinem üblen Ausgange 3 und demRückzuge der Fürsten. Das nächste Buch beginnt mit einer ausführlichenÜbersicht über die Teilnehmer an der Fürstenversammlung zu Ptolemais.Da man hier Damaskus anzugreifen beschloß, gibt Wilhelm erst eine Be-schreibung dieser Stadt und erzählt dann die Kämpfe um Damaskus, wobeieine ähnliche Heldentat Konrads III. — er wird hier stets Kaiser genannt —17,4 col. 677 B erzählt wird 4 wie 5, 6 von Gottfried von Bouillon. Daraufberichtet Wilhelm von der Bückkehr der Fürsten nach Europa und demschweren Zerwürfnis zwischen Balduin III. und seiner Mutter, von der Tei-lung des Reiches zwischen beiden und dem plötzlichen Türkenangriff aufJerusalem. Es folgt die Beschreibung Askalons und die Belagerung und Ein-nahme der Stadt. Das achtzehnte Buch wird mit der Krönung KaiserFriedrichs I. eröffnet. Ein Streit zwischen dem Patriarchen und den Hospi-talitem veranlaßt den Verfasser auf die Gründung und den Ursprung diesesOrdens einzugehen. Der Patriarch geht mit seinen Bischöfen nach Rom,erlangt aber keine Gerechtigkeit beim Papste. Bis zum Schlüsse des Buchesfolgen dann die weiteren wichtigen Ereignisse der vorderasiatischen Ge-schichte bis zum Tode des Königs Balduin III. (1162). Bei Beginn des 19.Buches wird der Thronwechsel erzählt und damit im Zusammenhang eine
1 Col. 549B et hie fortasse est, quem fabu- 18, 84. 14, 14 col. 593D Hör. Ep. 1, 2, 14.
lose popularium narrationes Marcolfum vo- 14, 21 eine Stelle aus Josephus.canl, de quo dicitur, quod Salomonis sol- 3 16, 24 col. 666D steht Ovid. Ep. 7, lf.ceto aenigmata, aequipollenter iterum sol- 4 Sie hat wohl zu Uhlands „ Schwäbischer
"endaproponens. Kunde" Veranlassung gegeben.
stiert wird 14, 6 col. 584B Hör. Ep. 1,28«