428 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
absondern könne; etwa neun Zehntel von Alberts Bericht blieben als glaub-würdig zurück. Außerdem hat Kühn nachgewiesen, daß diese lothringischeChronik nicht gleichzeitig und mit den Ereignissen fortschreitend abgefaßtwurde; für die Abfassungszeit setzt er das dritte Jahrzehnt des 12. Jahr-hunderts an; nach Ausscheidung der sagenhaften Partien sei der Rest alshistorische Überlieferung anzusehen. So ist der Wert von Alberts Werkund dessen Selbständigkeit umstritten genug. Die Darstellung ist aber meistsehr ausführlich und klar und vernünftig geschrieben. Während die Bücher1—6 die Geschichte des eigentlichen Kreuzzugs enthalten, geben Buch7—12 die Geschichte des Königreichs Jerusalem. Benutzt wurde die ersteHälfte von Alberts Werk sehr stark im Buch 1—8 von der Kreuzzugsge-schichte des Wilhelm von Tyrus. Im Vorwort wird die Größe und Ausführ-lichkeit des Unternehmens schon angedeutet, und das Werk beginnt mitder Sage über Peter von Amiens. Die einzelnen Bücher haben keine be-sonderen Vorreden und das letzte endet ohne eigentlichen Schluß, so daßman an Nichtvollendung denken könnte.
Ueberlieferung. Zu der alten Hs. in Egmond vgl. oben. Viele Hss. sind heute be-kannt, vgl. Potthast p.30. Davon sind vier für den Druck im Recueil benutzt, nämlichOxon. Laud. misc. 561 und 563 s. XII (aus Erbach), Vatic. reg. 509 a. 1158 (aus Utrecht),Paris. 5128 s. XII (aus Noyon), Vatic. 1999 s. XIII (Hs. des Reineccius); vonHagenmeyer benutzt ist Darmstad. Pal. 41 s. XIII (aus Lüttich) und eine Hs. ausGladbach s. XII, vgl. Kugler, Eine neue Hs. der Chronik Alberts v. Aachen, Tübingen1893. Ausgaben von R. Reineccius, Chron. Hierosolymitanum, Helmstädt 1584;Bongars, Gesta dei per Francos 1,184—381 = Migne 166, 389—716; Recueil des hist.descroisades; Hist. occid. 4,265—713. — B. Kugler, Albert von Aachen, Stuttgart 1885;Die deutschen Codices Alberts v. A., Tübingen 1894. Fritz Kühn, Neues Archiv 12,545—558. K. Partisch, Ueber das 3. Buch der Hist. Hierosol. des Albert v. A., Wien1908 (Neues Archiv 34, 551).
7. FULCHER VON CHARTRES
Fulcher, im Jahre 1059 geboren, war Kaplan in Chartres, wo er wahr-scheinlich auch seine Jugend verbracht und seine Ausbildung empfangenhatte. Er nahm im Jahre 1095 das Kreuz und schloß sich dem Heere desGrafen Robert von der Normandie und Stephan von Blois an, mit dem erüber Apulien nach Griechenland zog und 1097 vor Nicäa anlangte. Späterist er mit dem Grafen Balduin gegen Edessa gezogen und trat als Kaplanin dieses Fürsten Dienste. Bei der Auffindung der hl. Lanze war er zugegenund die Erstürmung Jerusalems hat er mitgemacht. Dann ging er wiedernach Edessa und begleitete den neuen König Balduin I. nach Jerusalemund blieb in dessen Gefolge. Über alle seine Erlebnisse verfaßte Fulcherein Tagebuch, das er fortlaufend mit den Begebenheiten fortsetzte und indrei Bücher teilte, deren erstes mit dem Tode Gottfrieds von Bouillon, daszweite mit dem Tode Balduinsl. schließt, während das dritte, ohne zu einemrechten Schlüsse zu kommen, mit der Erzählung über eine ungeheure Mäuse-plage in Palästina endet, und den Bericht, freilich in viel kürzerem Maßstabeals früher, bis zum Jahre 1127 führt.
Zeugnisse. Zum Geburtsjahr vgl. Hist. Jherosol. 3, 44 (Recueil des hist. des croisades;Hist. occid. 3, 473 C) Bina decennia bina triennia, praeterierunt, Ex quo natus sum, quoadnunc pervenimus annum. Zu Fulchers Person vgl. Hist. Jherosol. 1, 5 (Recueil Hist.occid. 3, 327) Quod ego Fulcherus Carnotensis cum ceteris iens peregrinis postea sicut oculismeis perspexi, diligenter et sollicite in memoriam posteris collegi; 1,14 p.339 Ego veroFul-