426 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
der Belagerung von Nicäa, dem Zug nach Romania und dem Kriege mitSoliman, der dritte schildert die Lage von Antiochia, die Belagerung undEinnahme der Stadt und der vierte Teil die weiteren Schicksale der Kreuz-fahrer bis zur Einnahme von Jerusalem. Die poetische Sprache des Werkesvon dem nur kleine Stücke herausgegeben sind, ist nicht sehr lebendig undabwechslungsreich. Die Form bilden leoninische Verse, die auf eine oder zweiSilben gereimt sind 1 oder auch am Ende Reimpaare 2 besitzen.
Zeugnisse. Vorwort Vs. 5 Heroum fortes actus memorabo, 10 et causas referam, neeiura poetica quaeram, Quis aliquant Spingam mendaci crimine fingam, Nee cantabo femmpomposa laude Chimaeram, Quo superextollam res atque modum tibi tollam Ut declamatorsed vera notabo relator. Überlieferung im Admunt. 267 s.XII; daraus Überschriften undFragmente des Textes abgedruckt von W. Wattenbach, Neues Archiv 2, 414—420.
6. ALBERTUS AQUENSISDie ausgedehnteste Darstellung des ersten Kreuzzugs wird in zwei Hand-schriften einem sonst unbekannten Albertus oder Adalbertus Aquensiszugeschrieben. Und es ist nicht einmal sicher, ob dies Albert von Aachenoder von Aix zu deuten ist, obwohl man jetzt mehr zu dem ersteren hin-neigt, da der Verfasser viel weniger mit der südlichenWelt bekannt gewesen zusein scheint und sein Werk sehr bald nach seinem Entstehen sich im nieder-ländischen Kloster Egmond befand. 3 Ebensowenig läßt sich die Zeit ge-nauer feststellen, in der er schrieb. Nämlich die letzten von ihm erzähltenEreignisse gehören ins Jahr 1121 und eine der Handschriften ist 1158 da-tiert, so daß er in der Zwischenzeit geschrieben haben muß. Es ist allerdingskaum glaublich, daß er bald nach 1121 an die Abfassung gegangen ist, denndie Chronologie ist schon stark verwirrt und das 11. Buch ist mit seinen Datenum ein ganzes Jahr zurück. Aber die älteste Spur des Werkes führt in demKatalog von Egmond ins Jahr 1128—1130 4 und danach muß es um dasJahr 1125 fertiggestellt worden sein. Für Albert selbst ergibt sich aus demWerke, daß er am liebsten selbst nach Jerusalem gepilgert wäre, um dortzu beten; da er aber die Reise nicht habe ins Werk setzen können, so habeer wenigstens das über den Kreuzzug aufgeschrieben, was er von Teil-nehmern mündlich und schriftlich in Erfahrung gebracht habe. Albert hatallerdings nur den geringsten Anteil an der Erzählung, wie wir sehen werden,da er fast nur als Redaktor und nicht als Verfasser waltet.
Zeugnisse. Der Name ergibt sich nur aus Darmstad. Palat.41 s.XIII Incipit hist.Hierosolymitane expeditionis edita ab Alberto canonico et custode Aquensis ecelesie und ausJan Gretser, Opera. Mantissa ad tert. tom. p.88 pervenit ad nie Lovanio chronici illiusexemplar, cuius inscriptio ita habet: Ine. hist. Hieros. exped. edita ab Alberto canonico etcustode Aquensis ecclesiae super passagio Godefridi de Bullione et aliorum prineipum, vgl.Recueil des historiens des croisades; Hist. occid.4, XX und 267 n. c. Für Aachen ist Sy-bel, Gesch. d. ersten Kreuzzugs 2 S. 62 f., vgl. auch Recueil 4, XXI. Im Katalog von Eg-mond steht das Werk um 1129 verzeichnet (Arch. voor Nederl. Kerkgeschied. 2,159) Itemhistoria de profectione Iherosolimitana XII libri in uno vol. Die älteste Hss. ist Vatic. reg.509 mit dem Eintrag Libers. Pauli apostoli in Traiectoscriptus anno dominicae incarnalionis
1 Zuweilen Hephthemimeres und nächste 1158 ist niederländischen Ursprungs undSilbe mit den zwei Endsilben. stammt aus Utrecht.
2 Auch der Endreim dreier Verse be- 4 Sub. . . . abbate Ascelino Fredericus mo-gegnet, S. 417 Vs. 25—28 vier gereimte nachus hos libros scribi fecit. .. IstilibnVerse. Vorrede 10—13 vier gleichgereimte circa annum domini MCXXVIII vel XXXLeonini. scripti vel emptisunt, vgl. Gottlieb, Ueber
3 Auch die älteste heutige Hs. vom Jahr mittelalterl. Bibl. S. 261 und n. 4.