C. Kreuzzugsgeschichte 425
Senuc als Entstehungsort. Wenn aber Gilos Gedicht eine Hauptquelle ist,so kann das Werk erst nach 1118 geschrieben sein, wo Abt Robert längstin Senuc lebte. Also die Identität des Abtes mit dem Geschichtschreiberist nach Sybel schwer zu erweisen. Die etwas spätere Untersuchung vonRoberts Werk durch G. Marquardt hat aber abweichende Resultate er-geben. Nämlich Robert scheint mit den Gesta, seiner Hauptquelle, Raimundvon Agiles, Balderich von Dol und Guibert von Nogent verbunden und seineHistoria zwischen 1112 und 1118 geschrieben zu haben. Sonst hat er wenigSchriften benutzt, 1 dagegen hat die Chanson d'Antioche seine Darstellungverwendet und nicht umgekehrt; 2 und ebenso ist Gilo der Benutzer undnicht der Benutzte. Außerdem dürfte es sehr zweifelhaft sein, ob Robert je-mals im hl. Lande war. 3
Zeugnisse. Robert über sich selbst in der Vorrede (Recueil des hist. des croisades;Hist. occid. 3, 722) Si quis affectat scire locum quo haec historia composita juerit, sciat esseclaustrum cuiusdam cellae s. Remigii constitutae in episcopatu Remensi. Si nomen auctorisexintur, qui eam composuit, Robertus appellatur. Die Anwesenheit Roberts zu Jerusalemwurde erschlossen aus p.874 Et ne quis jrivolum esse dicat quod dicturi sumus, a quodamviro, qui haec postea in Jerusalem retulit, habuimus. Sybels Ansicht steht in der „Gesch.d. ersten Kreuzzugs" S. 44—46, die Auffassung Marquardts über die Quellen Roberts indessen „Die Hist. Hieros. des Robertus Monachus (Königsberg 1892) S.4—25 (GestaFranc), S. 31—51 (Kompilatoren der Gesta). Überlieferung. Das Werk hat eine sehrgroße Verbreitung erhalten, die Zahl der Hss. ist größer als neunzig. Und doch erscheintes mit dem Namen des Verfassers in alten Bibliothekskatalogen nur bei Sixtus IV. Dieältesten und wichtigsten Hss. sind Vindob.427 s.XII; Guelferb. Gud.167 s.XII; Com-piegne 41 s.XII; Bruxell. 9823 s.XII; Havn. Kgl. S. 2159 s.XII; Camerac. 710 s.XII;Vatic. 2001 s.XII. Ausgaben bei Bongars, GestaDeiperFrancosl, 30—81 =Mignel55,669; Recueil des hist. des crois. Hist. occ. 3, 717—882. Vgl. außer Sybel und Mar-quardt auch Hagenmeyer, Anonymi Gesta Francorum und Peter der Eremite.
Versifikation. Noch im 12. Jahrhundert ist vielleicht in Deutschlanddie Historia Hierosolymitana in Verse umgegossen worden, denn dieeinzige Handschrift dieses Gedichts liegt in Österreich und gehört dem12. Jahrhundert an. Ohne irgendwelche Zutat zu geben, hat der Verfasserdas Geschichtswerk einfach in leoninische Hexameter umgesetzt. Im Vor-wort von einigen Versen mit der Überschrift Declaratio vel praefatio sub-scripti carminis quid vel unde reserat erklärt er, daß er die Taten von Heldenbesingen wolle und zwar nach der Wirklichkeit und nicht nach poetischerWillkür; er werde keine Sphinx 4 oder Chimäre darstellen, sondern wahr-heitsgetreuen Bericht geben. Er gliedert seinen Stoff in vier Teile — Roberthatte acht Bücher verfaßt — und jeden Teil wieder in Einzelabschnitte.Zuerst erscheint die Gesandtschaft aus dem Orient in Rom, dann dasKonzil von Clermont mit der Rede des Papstes und mit der Annahme desKreuzes, ferner die Übertragung der Leitung auf Bischof Ademar von Puy.Es folgt der Auszug der Heerhaufen in die Fremde und die Einschiffungin Bari, Otranto und Brindisi, Abschnitte über den Eremit Peter und seineAnhänger, 5 über den Kampf Walters von Habenichts und weitere Stücke.Der zweite Teil beginnt mit dem Auszug der Fürsten aus Konstantinopel,
G. Marquardt, Die Hist. Hieros. des Quinque sunt genera simiarum. E quibus
Robertus Monachus, Königsberg 1892, spinge villose sunt simic. significat autem
, , ■ fabulosas rerum deformationes in poetis.
Vgl. Marquardt a.a.O. S. 53—61. Vgl. Isid. Et. 12, 2, 31f.
t Vgl. Marquardt S. 65. 6 Hier heißt esVs. 7 Non sumens panem y
Als Scholion zu spingam findet sich renuens episumine carnem.