C. Kreuzzugsgeschichte 423
seinem Werke vorkommen. Von c. 27 an geht die Darstellung plötzlich inPoesie über und die Abschnitte in gebundener Form setzen sich bis c. 32 fort.Die Hexameter Radulfs sind übrigens gut gebaut und nur wenig gereimt;die Elision wird sehr häufig gebraucht. Radulf scheint die poetische Formgern zu verwenden, wenn es sich um Darstellung heftiger Kämpfe handelt,so auch c. 73—95. 126—134. Noch größere Lebendigkeit gewinnt dieSchilderung in c. 33, wo p. 630A der Verfasser sich sogar persönlich anTankred wendet, um dessen Heldentum möglichst hervorzuheben. Ziemlichabweichend vom Berichte der anderen Historiker ist Radulfs Schilderungvon der Belagerung und Einnahme von Antiochia, wie er auch an die Echt-heit der hl. Lanze nicht glaubt. 1 Ein wichtiges Moment scheint für ihnTankreds erster Anblick von Jerusalem zu sein, den er in einem Gedichtvon 30 Hendekasyllaben behandelt; darin besingt er Christi Erlösungswerkund Leben nach dem Tode sowie das wunderbare Geschick der Maria.Es folgt die Beschreibung Jerusalems, 2 dann die Belagerung der Stadt undihre Einnahme, wobei auch Neues und Abweichendes zum Vorschein kommt.Hierauf der Tod Gottfrids von Bouillon, die Eroberung Laodiceas durchTankred und die Schlacht bei Edessa. Unmittelbar nach der Einnahme vonApamea bricht das Werk ab, das somit unvollendet geblieben ist.
Der Verfasser, der also seinem Helden nahegestanden hat, gab in seinerSchrift eine wichtige Ergänzung zu den anderen Kreuzzugsberichten undsteht bezüglich der Person und der Taten Tankreds auf sicherem Boden,während der andre Teil seiner Erzählung scharfer Kontrolle bedarf. Seinenormannische Abstammung hat ihn darauf gewiesen, die Beteiligung deritalienischen Normannenfürsten und besonders Tankreds am Kreuzzuge inshellste Licht zu stellen und dabei gegen andere Teilnehmer, namentlich Rai-mund von St. Gilles, ungerecht zu werden. 3 Übrigens hat er außer deneigenen Erzählungen Tankreds noch andere Berichterstattungen gehabt,wie er das c. 153 p. 714A ausdrücklich bemerkt, als er über Tankreds Ab-stinenz vom Weine in Zeiten großer Not erzählt. 4
Sehr eigentümlich ist Radulfs Stil. Seine Darstellung ist aus Prosa undPoesie gemischt und außerdem stellt er gern Verse aus den Schuldichtern oderauch eigene Verse in die Prosa hinein. Namentlich werden dazu Stellen ausHoraz und Vergil benutzt, solche aber auch paraphrastisch der Prosa einver-leibt oder auch Versflicken aus der alten Poesie mit Eigenem verbunden. Dazuist die Prosa so stark rhetorisch gehalten wie bei keinem der Zeitgenossen:die Antithese, das Wortspiel, die Häufung von Synonymen, der Wortprunkund die Apostrophe spielen eine große Rolle, so daß der Stil fast überall aneiner gewissen Überladung leidet. Allerdings läßt sich nicht leugnen, daßdie Darstellung dadurch in hohem Grade lebendig wird und einen nachhal-tigen Eindruck auf den Leser macht. Dagegen hat Radulf auf den Prosa-reim meist verzichtet, er hat seine kunstvoll gebauten Perioden ihm wohl
1 Vgl. hierüber c. lOOff. p. 670ff. nicht, wie sich Kap. 61 p. 651 scharf gegen
- Hier c. 115 p. 686 G wird Maria die die Provencalen richtet.
re ?A?. a coe (i genannt, also ein Verhältnis- 4 Habuisse me veredicos memini relatores,
maßig zeitiges Vorkommen dieser Be- qui in ea penuria illum vini abstinuisse
Zeichnung. praedicarent.Uie Südfranzosen mag er überhaupt