C. Kreuzzugsgeschichte 415
aus seinem Werke deutlich hervor und es gelingt dem Verfasser, Schlach-ten und Belagerungen sachgemäß darzustellen. Charakteristiken von Per-sonen sind dagegen selten und wenig ausgeführt. Sehr einfach und schlichtist die ganz biblisch gehaltene Sprache, die man als lateinisch ungelenkbezeichnen kann, und es hat aus diesem Grunde an späteren Bearbeiternnicht gefehlt, die eine Glättung vorzunehmen suchten.
Zur Einleitung 1,1 (Recueil etc. 3,121) Quum iam appropinquasset ille terminus quem.. .Christus quotidie suis demonstrat fidelibus . . . dicens: Si quis — sequatur nie (Luc. 9 23}iacta est commotio valida per universas Galliarum regiones etc. Zum Wechsel in der Erzäh-lung 1 9 p.124 Tunc exeuntes inde venerunt per nimiam plenitudinem de villa in villa . . .vervenimus Castoriam ibique nativitatem domini solemniter celebravimus. Schluß 4, 55p 163 Hoc bellum factum est pridie idus Augusti. . . . Dicat omnis spiritus: Amen.
Ueberlieferung. Wahrscheinlich befand sich das Werk um 1200 inCorbie, vgl. Bek-ker 136,187 Gesta Francorum Iherosolimis. Hss. sind selten, nämlich im Vatic. reg. 572s XII. Cantabr. Corp. Christi Coli. 281 s. XIV. Ausgaben: Bongars, Gesta dei per Fran-cis (Hanau 1611) 1,1—30; Le Bas, Recueil des historiens des croisades; Hist. occid. 3,121—163; 1 H. Hagenmeyer, Anonymi Gesta Francorum et al. Hieros. (Heidelberg1890) S. 101—502. Vgl. Gurewitsch, Forsch, z. deutsch. Gesch. 14, 155 ff.; Thurot,Rev.histor. l,67ff.; Sybel, Gesch. des ersten Kreuzzugs 2 (Leipzig 1881) S. 22—31; LeBas a.a.O. p.X— XII und Hagenmeyer a.a.O. S. 1—98.
2. RAIMUND VON AGILES
Raimund von Agiles (Aguilers) war Kanonikus von Puy und Kaplandes Grafen Raimund von Toulouse, in dessen Gefolge er den erstenKreuzzug mitmachte. Auf dem Zuge wurde er, da er noch Diakon war,,zum Priester geweiht, und er war zugegen, als die hl. Lanze aufgefundenwurde, die er dann in der Schlacht auch trug. Befreundet war er mit demRittersmann Pontius von Baladun, einem Normannen, der gleichfalls,mit Graf Raimund in engen Beziehungen stand. 2 Auf Pontius' besonde-ren Wunsch schrieb er die Geschichte des Kreuzzugs und widmete sie demBischof Leodegar von Viviers. Er verfaßte das Werk, um falschen Nach-richten vorzubeugen, und begnügte sich mit der Darstellung der Taten desHeereszuges, der von Graf Raimund geführt worden war, denn er meint,da eine Abteilung durch Sclavonien, eine andere durch Ungarn, eine drittedurch Longobardien ging und andere übers Meer fuhren, so sei die Gesamt-behandlung dieser Züge zu weitläufig und er beschränke sich auf den Zugdes Grafen — für ihn ist und bleibt er „der Graf" überhaupt — und desBischofs (Ademar) von Puy. Pontius aber ist schon auf dem Zuge vor demKastell Arkos durch einen geschleuderten Stein getötet worden.
Zeugnisse. Hist. Franc, c.10 (Recueil des hist. des croisades; Hist. occid. 3, 255 F)comes vero illico credidit et illum qui hoc dixerat capellano suo Raimundo custodiendumtradida; c. 11 p.257B Fuit autem in Ulis duodecim viris episcopus Aurasicensis et Rai-mundi comitis capellanus, qui haec scripsit, et ipse comes; c. 18 p.284H Post haec convo-cavit ad se capellanum comitis Raimundum nomine. Zur Priesterweihe 15 p.276A quiaquum promotus ad sacerdotium in itinere dei sim. Zur hl. Lanze c.12 p.257D Et ego quiS y.f. si ^ aec <; um s °lus mucro adhuc appareret, super terram osculatus sum eam und 261AVidi ego, qui haec loquor, et dominicam lanceam ibi ferebam. Zu Pontius vgl. die Widmungp.23o Episcopo Vivariensi domino meo et omnibus orthodoxis Pontius de Baladuno et Rai-mundus canonicus Podiensis salutem et laboris nostri participationem und die Todesnach-richt c.15 p.275E Interfectus est ibi Pontius de Baladuno cum lapide petrariae, cuius ago
A D f Werk heißt nier fälschlich Tu- daß das Gegenteil richtig ist, hat Sybbelaebodus abbreviatus, da man früher die a.a.O. S. 22 ff. erwiesen.Darstellung Tudebods für die Vorlage hielt; 2 Vgl. Wilhelmus Tyrius.