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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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414 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

gemeinen Kirche begründete einheitliche Weltauffassung das Abendlandbeherrschte. Anfänglich sind sie allerdings nur von Romanen und Nor-mannen ausgegangen und fast nur zögernd haben sich die Deutschen unddie Engländer angeschlossen, fortgerissen durch die religiöse Begeisterungund durch die Ausbildung des Rittertums bei den romanischen NationenDie älteste uns bekannte Darstellung des ersten Kreuzzugs aber ist anonymüberliefert, und auch die späteren zahlreichen Bearbeiter der Gesta Franco-rum haben schon keinen Verfassernamen an der Spitze dieses Werkes ge-funden. Auch aus sprachlichen Dingen läßt sich kaum beurteilen, woherder Verfasser stammte, und wir wissen nur, daß er 1096 mit Boemund vonAmalfi auszog und bei dessen Schar bis zur Besiegung Kerbogas blieb.Er diente hier unter den Rittern und nahm an allen wichtigen Unternehmun-gen teil. Wahrscheinlich war er ritterlicher Abkunft, da er aber eine MengeBibelsprüche in seinem Werke anführt und da die Sprache der Gesta über-haupt von der Bibel aufs stärkste beeinflußt ist, so muß er eine geistlicheBildung erhalten haben. Und da er sich später zu den Scharen Roberts vonNormandie und Raimunds von Toulouse begab, wo er zuletzt persönlichhervortritt, so mag er wohl ein italienischer Normanne gewesen sein.

Seine Einleitung ist kurz und treffend: Als die Zeit herankam, von derChristus zu den Jüngern Luc. 9, 23 redete, da nahm in Gallien alles dasKreuz. Der Papst kam und predigte für einen Kreuzzug und die Franzosenströmten in Scharen herbei und zogen in drei Abteilungen nach dem hei-ligen Lande; die erste schlug den Weg ein, den schon Karl der Großenach Konstantinopel gezogen war. 1 Nachdem der Verfasser bis 1,9 2 in derdritten Person erzählt hat, springt er plötzlich auf die erste Person um.Er berichtet dann im ersten Buche vom Zuge des Eremiten Peter, von derAnkunft der Fürsten in Konstantinopel, vom Marsche Boemunds durchdas griechische Reich. Das zweite Buch reicht bis zur Ankunft Robertsvon Normandie und Stephans von Blois vor Nicaea, das dritte umfaßt dieSchlacht bei Dorylaeum. Das vierte und letzte, sehr ausführliche Buch er-zählt die ganze weitere Geschichte des Kreuzzugs bis zur Schlacht beiAskalon im August 1099.

Die Stimmung, in der der Verfasser schrieb, ist ganz die der Zeitgenossen,er ist von dem unmittelbaren Eingreifen Gottes völlig überzeugt. Danebenzeigt er aber die größte Lust am Kampfe selbst und gibt sich so als echterRitter zu erkennen. Die religiöse Begeisterung, so stark sie ist, ist doch nurder Rahmen für das Bild, das er entrollt. Und in seinem gerecht abwägendenSinne läßt er der Tapferkeit der Türken volle Gerechtigkeit widerfahren.Greuel, wie sie der Krieg reichlich mitbrachte, erwähnt er nebenbei, abernie als gottgefällig, wie es fast alle seine Nachfolger taten. Und wir findenbei ihm den Bericht eines Augenzeugen, der zwischen den Tatsachen wohlzu unterscheiden weiß und nur das Wesentliche ausführlich schildert.Vom Wunderbaren läßt er sich kaum anziehen, doch beschreibt er die Zu-stände in der mohamedanischen Welt meist nach sagenhafter Überlieferung;hier hat er sich also den Blick trüben lassen. Der Gang der Ereignisse geht

1 Also die Sage von einem Kreuzzuge Karls 2 Recueil des hist. des croisades; Hist.des Großen war damals schon verbreitet. occid. 3,124.