412 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Briefen Thomas Beckets und aus dessen Lebensbeschreibungen. Der dritteTeil schöpft hauptsächlich aus den Gesta Henrici II et Ricardi I, 1 die früherdem Abt Benedikt von Peterborough zugeschrieben wurden; doch hatRoger diese Chronik nicht einfach abgeschrieben, sondern sorgfältig durchKürzungen und Ergänzungen bearbeitet; diese Epoche reicht von 1170—1192. 2 Der letzte Teil von 1192—1201 ist sehr ausführlich gehalten und be-sitzt für die Geschichte der Zeit große Wichtigkeit. Und da Roger, als zu denoberen Kreisen gehörend, Geschichte schrieb, so hat er fast keine selb-ständige Meinung den furchtbaren Ereignissen gegenüber, die sich in derenglischen Königsfamilie abspielten, sondern er bleibt bei seiner Erzäh-lung völlig neutral, wie es ja sehr viele Historiker des Mittelalters aus Vor-sicht taten. Seine literarische Bildung bezeugt Roger aber durch vielfacheAnführung von allerhand Dichterstellen.
Chronica. Roger beginnt mit der Geschichte Northumbriens nachSimeon, und zwar mit der Genealogie der Könige des Landes, um zu denZeiten zu gelangen, von denen nach Bedas Tode nichts berichtet wirdund bittet dann mit den Worten Arators Act. ap. 1, 226f. Bis zum Jahre802 erstreckt sich Simeons Benutzung, dann wird Henricus Huntendunensisfür die Geschichte von Wessex ausgeschrieben. Da fast überall nur englischeVerhältnisse berührt und über festländische nur gesprochen wird, wennsie sich auf England beziehen, so wird der Leser von einem französisch ge-schriebenen Stück merkwürdig berührt, nämlich von den Nomina principumqui obsederunt Niceam, das sich nicht in Rogers Quelle findet, sonderndiesem eigentümlich ist. Von 1148 an (1, 210) wird nun die Chronik vonMelrose verwendet, aber für die Genealogie der Könige von Jerusalem bisauf Saladins Zeit treten schon die Gesta Henrici IL ein, 3 die in dem drittenTeil dann als Hauptquelle dienen. Hier wird nun mehr auf außerenglischeVerhältnisse eingegangen, besonders wird Griechisches aus dem Kreuzzugeerwähnt. Kirchliche Dinge von größerer Bedeutung erhalten hier ebenfallsihren Platz, wie das Konzil von Lombers (1176) mit seinen zahlreichen Be-stimmungen (2, 105—117) und die große Anzahl Dekrete Alexanders III.vom Laterankonzil 1179 (2, 172—190). Aber auch spanische Verhältnissewerden berücksichtigt, 4 und englische Gesetze mit englischem Namen vor-geführt, 5 überhaupt eine ganze Menge rechtlicher Verhältnisse erwähnt(2, 243—252). Aber es werden auch astronomische Berechnungen eingelegtund dabei die Namen der betreffenden Astrologen genannt, nämlich WilhelmKleriker des Connetable Johann von Chester und der Mönch Anselm vonWorcester, wozu als Anhang der Brief eines Arabers aus Kordova an denErzbischof von Toledo gegeben wird (2, 292—296). Natürlich ist auch vielvon den Vorbereitungen zum neuen Kreuzzug die Rede, wie auch 2, 330ff.ein rhythmisches Gedicht von sechs Strophen zu je zwölf Versen und Re-frain zu sechs Versen eingelegt wird, das der Magister Berter von Orleans alsAufforderung zum Zuge gedichtet hatte.
1 ed. W. Stubbs, London 1867. richs II. mit Thomas Becket veranlaßt
2 Vgl. W. Stubbs 1, 411 ff. wurden. 4 Vgl. 2, 120—131.
3 Außerdem werden in großer Zahl 5 Die Namen werden allerdings lateinischBriefe eingelegt, die durch den Streit Hein- und französisch wiedergegeben.