406 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
kaum berichtet werden, wie über den Selbstmordversuch Heinrichs IV iDafür enthält das Jahr 1095 eigentlich nur Erzählung über geistliche Dingenämlich über den Papst und seine Anhänger und über die Synoden vonPiacenza und Clermont. Der Beginn des Kreuzzugs von 1096 wird, so wieer war, getadelt und als falsch verurteilt, dagegen kommt der eigentliche Zugvon 1098 sehr kurz weg und die Eroberung Jerusalems 1099 bleibt überhauptunerwähnt. Das Ende ist wie der Anfang, in den Berichten zu 1099 und 1100stehen nur kirchliche Nachrichten. Und so gewinnt man beim Lesen vonBernolds Chronik vielfach den Eindruck, als ob die Welt eigentlich nur mitGeistlichen bevölkert sei.
De divinis officiis. Vielleicht im Jahre 1089 verfaßte Bernold einliturgisches Werk unter dem Titel De divinis officiis, auch Ordo Romanusgenannt, weil darin die von Rom eingeführte Liturgie besprochen wird'dem eigentlichen Titel, der auch in De ecclesiasticis observationibus um-geändert wird, ist in der Überlieferung nicht selten das Wort Micrologusvorgesetzt, 2 um damit anzudeuten, daß es sich um einen Auszug oder einekurze Übersicht handelt. Die Schrift zeichnet sich, wie B ä u m e r hervorhebt,der sie ihrem wirklichen Verfasser zurückgegeben hat, „durch ihre histori-sche und kritische Methode aus, denn Bernold handelt hier in nüchterner,positiver Weise und mit sachlich überzeugender Beweisführung von denRegeln, die bei der Meßliturgie und den verschiedenen Zweigen des kirch-lichen Gottesdienstes sowie in den Fastentagen und je nach der Festord-nung zu beobachten sind". Von den 62 Kapiteln des Werkes besprechendie ersten 23 die Messe, und zwar meist iuxta Romanum ordinem, 3 nurKap. 11 läßt den Gallicanus ordo* zu. Die nächsten sechs handeln von derLiturgie der Quatemberfeiern und 30—62 betreffen das ganze Kirchen-jahr mit Berücksichtigung der zugehörigen Offizien. Bernold betont hierdurchaus die Autorität des päpstlichen Stuhles rücksichtlich der liturgischenAnordnungen und sucht für jede Einzelheit die gesetzliche Begründung zugeben. Er läßt örtliche Abweichungen von Rom gelten, wenn sie altherge-bracht sind. Die Schrift wurde bislang dem Ivo von Ghartres beigelegt,nachdem aber schon G. Morin 5 von dieser Ansicht zurückgetreten war, hatS. Bäumer den Beweis angetreten, daß sie dem Bernold gehört; 6 Ivo kannsie nicht geschrieben haben, da der Verfasser der Panormia bezüglich derSynoden von Mainz und Seligenstadt auf ganz anderem Boden steht alsder Verfasser des Micrologus. 7 Auch hat Bäum er eine nicht geringe Anzahlvon Ähnlichkeiten mit andern Bernoldschriften entdeckt (S. 443 ff.), undschließlich wird die Sicherheit durch einen alten Bibliothekskatalog ver-bürgt, der Bernolds Namen erwähnt. 8
Zeugnisse. Zum Lehrer Bernhard vgl. diesen unter „Streitschriften". Zur Priester-weihe vgl. Chron. 1084 (MG. SS. 5, 441, 44) cum aliis clericis presbiterum fecit; inter quoset horum cronicorutn scriptorem in eadem solemnitate ad presbiterium promovit. Zum Treuen
1 Vgl. 1093 p. 456, 28ff. 12. 17—19. 23.
2 So in der ältesten Ueberlieferung im 4 Vgl. Migne 151, 984A.Katalog von Muri (B. 122, 15) Romanus 5 Rev. Benedictine 1891 S. 385ff.ordo qui vocatur Micrologus. S. Bäumer 6 Neues Archiv 18, 431 ff.
hält diese Hs. für das Autograph oder eine 7 Vgl. Bäumer a.a.O. S. 437ff.der ersten Abschriften. 8 Vgl. Neues Archiv 32, 693.
3 So oder ähnlich z. B. Kap. 1. 4. 7. 8.