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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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B. Reichs-, Länder-, Zeitgeschichten 405

Er vertritt darin einen ganz einseitig kirchlichen Standpunkt, und man kannsich überhaupt nicht denken, daß er einen Laienstandpunkt gelten läßt: dasWeltliche hat für ihn kein Interesse. So spricht er sich auch fast nirgendsüber wissenschaftliche Dinge aus, gleich als ob sie ihn nichts angingen. Be-zeichnend ist schon der Anfang, denn den Eingang bilden ein Nekrologium,komputistisch-chronologische Abschnitte und ein Papstkatalog. Dann wirdmit dem Einsetzen der Chronik Beda De sex aetatibus mundi und BedasChronik exzerpiert, es folgen Jordanis' De summa temporum, Beda Detemporibus, die Chronik des Eusebius-Hieronymus und nun als Haupt-quelle bis 1054 die Chronik Hermanns. 1 Zusätze zu ihr werden gemacht ausder Chronik des Eusebius und aus dessen Hist. ecclesiastica, aus den Viriillustres des Hieronymus, der Chronik Cassiodors, Landulfs Hist. miscella,dem Liber pontificalis, der Vita Karoli und aus Begino. Das Stück von 1054bis 1074 ist dann in einem Zuge geschrieben, und zwar wie schon früher mitBenutzung Bertholds, und vom Ende dieses Jahres bis 1100 sind die Be-richte nacheinander hingesetzt worden, allerdings mit vielen Änderungen,Erklärungen und Zusätzen, wie die Handschrift deutlich ausweist, denn wirbesitzen heute noch Bernolds Autograph. Als der Verfasser um 1091 nachSchaffhausen ging, ließ er in St. Blasien eine Abschrift seines Werkes zurück,die bis 1091 reicht und die Grundlage für Kopien in Gengenbach und Vil-lingen wurde und in anderen Werken vielfach benutzt ist. 2 Gleich in denersten Jahren seiner Chronik berührt nun Bernold mit Vorliebe kirchlicheDinge. Daneben zugleich Bebellionen, Mordtaten und Todesfälle. Und dieganze folgende Geschichte wird nur unter dem Gesichtswinkel des Streiteszwischen König und Papst aufgefaßt. Wibert ist ein apostata, 3 von dem nurdas Schlechteste 4 gemeldet werden kann. Die Erzählung wird nachgeradesehr ausführlich, aber den größten Teil des Jahresberichts von 1085 nehmendie Synodalverhandlungen von Quedlinburg ein. Um vom GegenkönigHermann nur etwas zu melden, verzeichnet Bernold wenigstens dessenWeihnachtsfeiern. Daß die fideles s. Petri 5 als politische Partei gegen Hein-rich auftreten, findet er durchaus berechtigt und diese geistlichen Legionennennt er ruhig nostri. 6 Und den Bericht über das Treffen von Bleichfelder schreibt als Oberdeutscher Pleichfeld will er den Gläubigen ad laudemet gloriam dei melden. 7 Und wenn zur Kirchlichkeit der Aberglaube 8 hinzu-tritt, so nimmt es nicht wunder, daß er nur dann die Todesfälle im Episkopatmit großer Breite darstellt, wenn die betreffenden Bischöfe auf päpstlicherSeite standen. Über Wilhelm von Hirschau, das gefeierte Haupt der Klu-niazenser in Schwaben, weiß er natürlich viel zu berichten, 9 aber das gehörteigentlich ebensowenig in eine Universalgeschichte wie das, was Bernoldvon seinem Lehrer Bernhard freigebig mitteilt. In den letzten Jahren mehrensich dann die Angaben über Witterungserscheinungen, Erdbeben, Bergstürze,große Sterben u. dgl.; man liest allerdings auch einmal über Dinge, die sonst

1 Mit vielfachen Abweichungen von Her- 6 Vgl. 1086 p. 444, 49. 445, 13. 18. 1099

manns Orthographie der Eigennamen; vgl. p. 450,16.^ertz, MG. SS. 5, 387. 6 1086 p. 445, 10. 12. 19.

; Vgl. Pertz, MG. SS. 5, 388. 7 Vgl. 1086 p. 445, 25ff.

Vgl. 1081 p. 437, 6. 1082 p. 437, 23. 34. 8 Vgl. 1090 p. 450, 23ff.vgl. 1084 p. 440, 1540. 9 Vgl. 1091 p. 451, 1336.