404 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
hand Ulivollkommenheiten in der Sprache und Verstöße gegen die Gram-matik 1 lassen Bernolds Charakteristik von Berthold als doctor egregius etwasgewagt erscheinen, wenigstens wenn man diesem jenen letzten Teil des Ge-schichtswerkes zukommen lassen will.
Zeugnisse. Anon. Mellic. 92 p. 85 (Ettl.) Berhtaldus, qui eiusdem (seil. Herimannilauditor et diseipulus extitit, vitam magistri et cronicam scribit. Berthold 1054 (MG. SS 5268, 20) cum . . . ego quem quidem familiärem prae ceteris habebat ad lectum aegrotanti'saccessissem, ut an se aliquantulum melius habuerit, inquisissem etc. (als Schluß der VitaHerimanni). Die Weltchronik von Muri hat zu 741 (MG. 5, 264 n. 3) Abhinc ... domniHermanni contracti et diseipuli eius Berhtoldi und zu 1054 (SS. 5,133, 48) Hucusquechro-nica Hermanni. Abhinc Berchtoldus. Schwäbische Abkunft vgl. die Bezeichnungen nostra-tibus 1069 p. 274, 21 und 1075 p. 279,1, und Konstanz als nostra cathedra 1069 p. 274 28Sein Tod vgl. Bernoldi Chron. 1088 (MG. SS. 5, 447, 18) Berthaldus doctor egregius insacris literis adprime eruditus . . . migravit ad dominum 4. Id. Martii.
Ueberlieferung. Die Chronik wurde benutzt von Bernold und nicht, wie man früherglaubte, umgekehrt, 2 vgl. Waitz, Gott. Nachr. 1857, 62; Giesebrecht, Kaiserzeit 5 31037—1042; H. E. Schulzen, De Bertoldi et Bernoldi chronicis, Bonn 1867. Das Stückbis 1066 gedruckt bei Joh. Sichard, En damus chronicorum divinum plane opus erudautorum, Basil. 1529, besonders von Waitz, MG. SS. 13, 730—732. Die Kompilationenvon Muri und von St.Blasien befinden sich im Vindob. (3399) s. XVI und 7245 s.XVI—XVIII und hist. prof. 672 s. XIII, zum Teil abgedruckt bei Ussermann, Germaniaesacraeprodr. 1, 251—258. Ausgabe von Pertz.MG. SS. 5, 267—326. Jul. Richter, DieChroniken Bertholds und Bernolds, Köln 1883. P. Meyer, Die Fortsetzer Hermannsvon Reichenau, Leipzig 1881. Wattenbach 2, 53—-55. Dieterich in Kultur d. AbteiReichenau (1925) 798 f.
4. BERNOLD VON ST. BLASIEN
Bernold (auch Bernald genannt), der uns aus seinen zahlreichen Streit-schriften schon bekannt ist, stammte wohl aus Schwaben und erhielt seinenUnterricht bei dem Lehrer Bernhard in Konstanz. Dieser, einer der schärfstenVerteidiger der päpstlichen Ansprüche und Sachse von Geburt, hat nachseiner Tätigkeit in Konstanz zu Hildesheim gewirkt; er ist, wie wir schonwissen, Verfasser eines Werkes, das von Bernold 3 selbst wie von Sigebert vonGembloux 4 für zu scharf gehalten wurde. Freilich neigte Bernold der Grund-anschauung seines Lehrers durchaus zu, vermied aber dessen extremeRichtung. In jungen Jahren machte er eine Reise nach Rom und war aufder Fastensynode von 1079 hier anwesend, wobei er gegen Berengar auftrat(De damnatione Berengarii 9). Die Priesterweihe erhielt er 1084 durch denKardinallegaten Otto von Ostia. Ob er damals schon Mönch in St. Blasienwar, ist fraglich, aber in der Zeit von etwa 1086 bis etwa 1091 gehörte erdiesem Kloster an. Nämlich um 1091 vertauschte er St. Blasien mit Schaff-hausen, und hier ist er am 16. September 1100 gestorben. Doch mag er sichauch sonst mehrfach an andre Orte begeben haben, denn die Synodalbe-schlüsse von Piacenza 1095 kennt er so genau, daß man seine hiesige An-wesenheit vermuten möchte.
Bernolds wichtigstes Werk neben seinen Streitschriften ist seine Chronik.Er wird sie 1073 oder 1074 begonnen haben, denn von diesem Jahre fängt siean selbständig zu werden, nachdem sie bis dahin sich auf ältere Werke stützt.
1 Vgl. einiges bei Pertz p. 266. annahm.
2 So hat Pertz in seiner Ausgabe SS. 5, 3 Chron. 1091 (MG. SS. 5, 451, 36ff.).267—326 die Stücke klein drucken lassen, 4 De Script, eccl.l65 (ed.Miraeusp.157).wo er Benutzung Bernolds durch Berthold