B. Reichs-, Länder-, Zeitgeschichten 401
Meinung nicht genug half. Denn, auch das Walten des Papstes betrachteteer nur von dieser Seite, und er schreibt unwillig genug über ihn, als Gregorim Mai 1077 1 seinen Legaten brieflich anbefahl, auf einer Synode das Rechtder beiden Könige zu untersuchen, und er meint (c. 107 p.77), daß man inSachsen eher geglaubt habe, der Himmel werde feststehen und die Erdesich bewegen, als daß der hl. Stuhl die Standhaftigkeit Petri aufgebenwerde. Schärfer noch spricht er sich in Kap. 116 aus, wo er berichtet, dasganze Jahr 1079 sei damit vergangen, daß die päpstlichen Legaten häufigzu beiden Parteien kamen und von beiden Seiten nach gewohnter Weiseso viel Geld nahmen, als sie nur erlangen konnten.
Die Darstellung selbst ist meist rhetorisch gehalten und gefällt sich oftin sichtbaren Übertreibungen. 2 Sie beleben den Stil ebenso wie die einge-legten Reden, die der mittelalterliche Historiker nach dem alten VorgangSallusts für unbedingt nötig hält und so gern erfindet. So werden in dergroßen Rede Ottos von Northeim an die Sachsen (c. 25 p. 15f.) mehreresallustische Antithesen aus ganz verschiedener Umgebung aneinander ge-reiht; 3 ein anderes ähnliches Machwerk ist die lange Rede des ErzbischofsGebhard von Salzburg (c. 127 p. 98f.). Besonderen Nutzen für die Dar-stellung versprach sich Bruno aber wohl durch die Einlegung zahlreicherBriefe, um den Wert seines Berichts und dessen Treue möglichst zu erhöhen.Zuweilen wird nur ihr Inhalt kurz angeführt wie 18 p. 11, aber sonst gibtBruno den ganzen Wortlaut. So erscheinen Briefe Werinhers von Magde-burg (c. 42. 48. 51), des gesamten Klerus von Magdeburg (59), Heinrichs IV.(66.67), der sächsischen Großen (108f. 111. U4f.) und endlich Gregors VII.(69. 72f. 105f. 113. 118ff.). Diese Einlagen, die räumlich einen nicht ge-ringen Teil des Buches in Anspruch nehmen, sind aber für die Darstellungan sich meist von untergeordnetem Werte, da sie nur äußerlich mit ihr zu-sammenhängen und ihr Inhalt unverarbeitet geblieben ist; auch werdeneinige dieser Stücke nicht einmal in den richtigen chronologischen Zusam-menhang gebracht. K. Heidrich stellte fest, daß die Briefe aus den Jahren1075 und 1076/77 im wesentlichen richtig eingeordnet sind, 4 dagegen falschdie aus den Jahren 1077 bis 1079 stammenden; doch entspricht deren Reihen-folge bis auf zwei Ausnahmen dem Sachverhalte. Die Schreibweise Brunosist im ganzen klar und deutlich und hält sich von zu großer Kürze wie auchvon Wortüberladung frei. 5 So läßt sich sein Buch leicht lesen, und da derInhalt vielfach auf allerhand Geschichten, volkstümliche Überlieferung,Kurzweil und Anekdoten ausgeht, ist die Lektüre sogar unterhaltsam undentbehrt nicht der Abwechslung. Als Geschichtswerk betrachtet ist es frei-lich eine höchst leichtsinnige Arbeit und der Geschichtschreiber jener Zeitenwird sich sehr hüten müssen, ihm zu folgen.
1 Nach Bruno gelangte das Schreiben erst wird es mit der Wahrheit nicht eben genau
im Februar 1079 nach Sachsen (c. 104 p.74). genommen, vgl. die Worte p. 16 nos qui
Auch der c. 113 p. 85 f. eingelegte Brief ab injantia ■ — fideles magis extitimus.
Gregors hat keine richtige Datierung durch 4 Neues Archiv 30,117—140; vgl. dort
Bruno erhalten. S. 138 die wirkliche Datierung aller Stücke.
Vgl. 26 p. 17 ad quas commemorandas 6 Ueber seine-Sprache vgl. W. Stranjek,
Mcpagma sufficü nee memoria. Die Latinität in Brunos Liber de bello Sa-
Auch das folgende Igitur expergiseimini xonico, Greifswald 1907.stammt aus Sallust (Cat. 20,14). Dabei
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