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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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400 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

(c. 7 p. 5 und 9 p. 6), vor dem kein Weib sicher war (c. 6 p. 5 und 8 p. 6)der gegen seine engsten Freunde die größte Grausamkeit zeigte (c. 10 p. ß)'der aller kirchlichen Ordnung und Heiligkeit Hohn sprach (c. 15 p. 9f\'gegen die sächsischen Großen schandbare Untaten beging (19 p.12 und 38p. 25) und eine geradezu vaterlandslose Gesinnung hegte (20 p. 12f. undbesonders 36 p. 23 f.) und die Sachsen ein unkriegerisches Volk von Bauernnannte (31 p. 20). Wollte man die ganze Gehässigkeit Brunos gegen denKönig aufdecken, so müßte man eigentlich das ganze Buch vorbringenin dem außer den vielen eingelegten Schreiben kaum ein Kapitel steht indem der Verfasser nicht offen oder verdeckt gegen Heinrich hetzt. 1 Mitnicht geringer Schadenfreude weiß er zu melden, daß die Großen, die seineAnhänger waren, dafür die gebührenden Strafen des Himmels erleidenmußten, wobei natürlich der Aberglaube 2 der Zeit keine geringe Rolle spielt(c. 7581 p. 60f.), und der Verfasser bezeugt, daß er nicht etwa hiermitvom Wege abgeirrt sei, sondern daß er diese Angaben absichtlich gemachthabe. 3 Und dabei versichert er, daß er nur der Wahrheit die Ehre gebenwolle (c. 12 p.7f.). Man ersieht hieraus, daß man heute Heinrich IV. für denlasterhaftesten aller Menschen halten müßte, wenn wir nicht neben Brunonoch andre Geschichtsdarstellungen aus dieser Zeit hätten. Daher nimmtsich auch das einzige Loh, das er dem Könige spendet, seltsam genug aus; ernennt ihn nämlich vor der Schlacht an der, Elster (c. 121 p. 93) militiae labori-bus infatigabilis, wie etwa Sallust, sein beliebtes Vorbild, dem greulichenCatilina bei Erzählung der Schlacht von Pistoja einiges Lob zollt.

Zuweilen redet Bruno als Augenzeuge, worauf er sich dann nicht wenig zu-gute tut; besonders hebt er das bei der Schlacht an der Elster hervor, wo ersich jedenfalls im Gefolge seines Bischofs befand. Im allgemeinen berichtet erdas, was man ihm zutrug, und zwar mit der größten Leichtgläubigkeit. Undda er ganz auf sächsischer Seite stand, so verdrehte* er sogar solche Ver-hältnisse, bei denen sich der König durchaus im Recht befand, zu seinenUngunsten. Jedenfalls war es ihm aber möglich, über manche Dinge mehrzu erfahren, als uns die andern Geschichtsquellen der Zeit bieten, und sokommt es, daß seine Darstellung mehrfach eingehend und ausführlich ge-halten ist. 5 Allerdings gerät seine Erzählung dann gern ins Anekdotenhafte,für das er eine große Vorliebe besitzt (c. 15 p. 10; 92 p. 68; 97f. p. 71;101 p. 72), wie er auch mitunter einen Witz erzählt (125 p. 97). Bedenklicherscheinen natürlich solche Stellen, wo er dem Berichte selbst ein fama juitoder fertur voranstellt (12 p. 7; 34 p. 22). Mit Recht hätte er seinem ganzenWerke ein fertur 1 vorangestellt, denn er hat es fertiggebracht, die meistenTatsachen mit Volksgerede oder Klatsch zu verbrämen. Es fehlt ihm zumHistoriker durchaus an der nötigen Kritik. Die Schärfe seines Urteils kehrter eigentlich nur gegen Heinrich, Erzbischof Adalbert und gegen PapstGregor VII. hervor, und zwar gegen diesen, weil er den Sachsen nach Brunos

1 Er nennt ihn tyrannus c. 84 p. 63 und quod non aberrando sed sponte deviando de-seit 1076 beehrt er ihn mit dem Prädikat serui.

exrex (86 p. 63 u. a.). 4 So c. 33 p. 21 bei dem Bericht über die

2 Er tritt auch sonst hervor, wie 40 Zerstörung der Harzburg.

p. 25 f., 74 p. 59. 5 Vgl. c. 26 p. 16 f. 117 p. 89 f. 1221

3 c. 81 p. 61 ad iter inceptum volo reverti, p. 94 ff. (über die Schlacht an der Elster).