B. Reichs-, Länder-, Zeitgeschichten 399
die Untersuchung hat ergeben, daß Bruno von Lampert nicht abhängig ist. 1Hätte sich überhaupt Bruno, der geschworene Feind des Königs, 2 die vieleneinzelnen Züge entgehen lassen, die sich bei Lampert gegen das Ansehenund die Ehre des Königs richten ? Er erzählt aber die Vorgänge zwischenHeinrich und Gregor in einer für den König bei weitem nicht so erniedrigen-den Weise wie Lampert. Außerdem aber möchte ich betonen, daß BrunosWerk doch noch weiter gereicht haben kann, als es uns in der einzigen Hand-schrift erhalten ist; denn erstens war der Krieg der Sachsen mit HermannsWahl ja noch gar nicht zu Ende und zweitens deutet Bruno mit keinemWorteauf das Ende seiner Erzählung hin, die in der Handschrift mit den Wortenschließt: „Am Stephanstage aber wurde er von Sigfrid von Mainz feierlichzum König gesalbt, als schon das Jahr 1082 seit Christi Geburt begonnenhatte", also keinen wirklichen Abschluß findet. Außerdem fehlt das ge-wöhnliche Explicit in der Handshrift und statt dessen finden sich die WorteEttantumdebelloilloSaxonico etHeinrico quarto ex cronica ethistoria ista. Ausdiesen Worten aber liest man ohne jeden Zwang heraus, daß der Abschreibernur bis dahin seine Vorlage wiedergegeben hat. Und hält man damit denMangel des Explicit zusammen, so ergibt sich, daß uns von Brunos Werkder wirkliche Schluß nicht erhalten blieb.
Bruno beginnt also die Schrift mit der Widmung an Werinher. Er ver-breitet sich hier ganz allgemein über den Wert geistiger Erzeugnisse gegen-über weltlichen Schätzen, was wohl auf eine Erinnerung an Sallust (Cat. 1)hindeutet, und er erklärt, daß er über den Krieg Heinrichs mit den Sachsenwahrheitsgetreu schreiben wolle, so wie er es von denen gehört habe, diedabei gewesen seien; hierbei lehnt er sich an die Vorrede der Vita Karoli an. 3Bevor er aber dem eigentlichen Stoffe nähertrete, müsse er einiges über dieKindheit und Jugend des Königs vorausschicken, damit der Leser sich nichtwundere, daß Heinrich den Bürgerkrieg begonnen habe, nachdem er zumManne gereift sei. Die Widmung an den hohen Herrn aber möge das Werkvor Anfeindungen schützen. Diese Worte sind sehr wohl berechnet. Er weiß,daß er auf starken Widerspruch stoßen wird, denn das ganze Buch ist einegroße Anklage gegen den Übeltäter Heinrich, der schon als Knabe undJüngling die bösesten Anlagen zeigte. So bereitet er auf die schwarzen Farbenvor, in denen er dann das Bild des Königs durch sein ganzes Werk malte.Den Königsraub von Kaiserswerth rechtfertigt er mit der Unbotmäßigkeitdes Knaben gegen seine Mutter Agnes und er beklagt aufs tiefste, daß derjunge Heinrich von dem strengen Anno zu Adalbert von Bremen gelangtsei, dessen Stolz, Selbstüberhebung und Heuchelei er in mehreren, wohlstark karikierten Zügen schildert. 4 So mußte aus dem jungen König einvöllig lasterhafter Mensch werden, der seine eigne Gemahlin auf das ge-meinste behandelte und seiner Schwester gegenüber alle Scham vergaß
1 Vgl. hierzu J. May, Forsch, z. deutsch. (Kritik Lamperts) vorbringt, ist durchaus
beschichte 24, 343—367, der, wie Watten- verfehlt.
Dach 2, 86 n. 5 richtig sagt, nur Aehnlich- 3 Nämlich an die Worte nulluni ea veracius
keiten gewinnt, aber durchaus nicht die Ab- — fide cognovi (ed. Holder-Eggerp.1,19).
2 an J gkeit konstati eren kann. 4 Vgl. hierzu c. 2—5 (p. 3 ff. ed. Watten-
Wa . s R-Dewitz, Würdigung von Bru- bach, Hannover 1880; nach dieser Aus-
?»Lr de bell ° Saxonico (Offenburg gäbe führe ich das Werk an). Vgl. außer-
1881) zu seinen Gunsten S. 3—8 und 15 ff. dem 12 p. 7 und 16 p. 10.