398 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
des Pantheons verschieden. 1 Erlaubte sich nämlich der Dichter in diesemeinige Freiheiten, so sind sie hier in reichstem Maße zugelassen, und dasGedicht macht daher den Eindruck völliger Verwilderung. Es beginnt mitdem Jahre 1189 und endet mit dem frühen Tode des Kaisers.
Die Gesta Heinrici (48 Vagantenstrophen) haben den Hiat an siebzehn Stellen (9 15 2021. 23. 36. 39. 104. 107. 108. 110.117. 132. 172. 181. 185. 188), eine Silbe fehlt in 12'21'23. 26. 68.114.127.131.144.154.159.175.182, eine Silbe zuviel in 26. 58. 70. 97.155 W179, Verschleifung in 106. 142, Taktwechsel in 7. 13. 43. 49. 66. 86 f. 137. 149. 156.'173^191. In den Versen 158 Cloto colum baiulat, incipit filare, Lachesis est presens, vitariicupit dare, Atropos occurrit et facit detruncare zeigt sich Benutzung des Gedichts Anthol. lat792, das aber sicher erst karolingischen Ursprungs ist (zu Anth. lat. 2 p. 270 ist hinzuzu-fügen 2 die Ueberlieferung im Monac. 19411.19490, bei Papias; vgl. Notices et extraits 222, 428 und O admirabile Veneris idolum bei Traube, Münch. Abh. 19, 301). Zur Verfasser-schaft Ernst Schulz, Neues Archiv 46,119—128, wo aber an Gotfrid festgehalten wird.
Ueberlieferung im Paris.4894 s.XII (Autograph), unvollständig, Abschrift davonMonac. 43 s. XIII. Ausgabe von Waitz, MG. SS. 22, 307—334 und Separatausgabe Han-nover 1872. Vgl. Fl. Tourtual, Böhmens Anteil a. d. Kämpfen Friedrichs I. in ItalienS. 113ff. Wattenbach 2, 295f. Kürzlich hat E. Schulz, Neues Archiv 46, 86—131 dieAufeinanderfolge der Schriften eingehend dargelegt und die Grundlagen für die Datierunggegeben. Nach ihm ist Gotfrid stets unmittelbar nach Abschluß des einen Werkes an dieUmarbeitung und an die Vorbereitung des nächsten gegangen. —• Vgl. F. J. E. Raby,A history of the Christian-latin poetry p. 291 f.
2. BRUNO DE BELLO SAXONICO
Nach der Salbung des Gegenkönigs Hermann zu Goslar 1082 widmeteein sächsischer Kleriker namens Bruno dem Bischof Werinher von Merse-burg ein größeres Werk über den Krieg, den die Sachsen seit einer Reihevon Jahren gegen Heinrich IV. führten. Wir wissen von Bischof Werinher,daß er sich um literarische Dinge gekümmert hat, es sind nämlich noch einigeHandschriften aus Merseburg vorhanden, die ihm zum Geschenk gemachtwurden. Und da er zu den königsfeindlichen Bischöfen Sachsens gehörte,so kam die Widmung jenes Werkes an den rechten Mann. Von Bruno selbstist nur wenig bekannt. Er gehörte erst zum Magdeburger Klerus und lebtebei Erzbischof Werinher von Magdeburg, bei dem er vielleicht das Amt einesNotars versah. Als dieser 1078 starb, siedelte Bruno nach Merseburg überund gewann in dem Bischof der Stadt einen neuen Gönner. Daß dieser nunvon dem beabsichtigten Werk Brunos gewußt hat, ist wohl anzunehmen,daß der Bischof ihm aber den Auftrag hierzu gegeben hat,wie Giesebrechtvermutete, 3 ist doch aus dem Grunde wenig glaublich, daß sich in der Wid-mung auch nicht der leiseste Anhalt hierfür findet. Da aber Bruno einer derheftigsten Parteigänger der Sachsen und ihres neuen Königs Hermannwar, so würde die Vermutung, daß der in den zwei erhaltenen UrkundenHermanns genannte Kanzler Bruno 4 unser Bruno ist, nicht eben sehr ge-wagt sein; man könnte dann diese neue Stellung des Mannes als Belohnungfür seine treu sächsische Gesinnung auffassen, die sich auf jeder Seite seinesWerkes offenbart.
Fast könnte man denken, daß die Schrift über den Sachsenkrieg in einemgewissen Anschluß an^amperts großes Geschichtswerk verfaßt sei. Doch
1 Drei solche Strophen finden sich auch 4 Vgl. Stumpf-Brentano, Die Kaiser-vor dem Pantheon p. 135,1—12. Urkunden des X., XI. und XII. Jahrhun-
2 Vgl. Philol. 51,163 f. derts S. 251 N. 2999 Brun cancellanus und
3 Geschichte der deutschen Kaiserzeit 3, N. 3000 Bruno cancellarius (3. August 10821046. und 13. April 1083).