B. Reichs-, Länder-, Zeitgeschichten 395
vrout hec in textu clare habes. Nach diesem Unsinn ist es doch fast ausge-schlossen, daß Gotfrid selbst als Verfasser jener Erklärung gelten könnte,indes glaubt E. Schulz an seine Autorschaft.
Ueberschrift Speculum regum compositum a magistro Gotifredo Viterbiensi imperialisaule capellano ad dominum Henricum VI regem Romanorum 1 et Theutonicorum . . . de ge-r\ealo°ia omnium regum et imperatorum Troianorum et Romanorum et Theutonicorum a tem-pore "diluvii usque in hodiernum diem secundum cronicam venerabilis Rede presbyteri etFiisebii et Ambrosii et de omnibus gestis Frederici. Ueberlieferung im Edinburg. libr.advoc 18.4.10 s. XIII—XIV; Caroliruh. 133 s.XV; Mus. Brit. Addit. 11670 s. XV; Monac.5895 s XV- Vindob. 3730 s.XV, hist. eccl. 217 s.XV, theol. 130 s.XV. Einzige Ausgabevon Waitz', MG. SS. 22, 21—93; vgl. Waitz, Gott. gel. Anz. 1867, Nachr. S. 4—17. Er-gänzung von Delisle, Litterature latine et hist. du moy. age in Instructions adr. parlecomite des travaux hist. p. 41—50 aus Paris, nouv. acq. 299 ,Dinumeratio regnorum im-perio subiectorum'. Vgl. Wattenbach 2, 294f. E. Schulz , Neues Archiv 46, 90 f. 129.
b) Memoria seculorum oder Liber memorialis. Das Werk istebenfalls König Heinrich gewidmet, richtet sich aber zugleich an alle deut-schen Fürsten. Es besteht aus zwei Teilen, einem prosaischen und einempoetischen. Die Prosa behandelt in den neun ersten Abschnitten die alteGeschichte bis auf die Könige von Antiochia; die späteren setzen sich auchaus historischen Bestandteilen zusammen, aber die Geschichte wird hierwillkürlich zerrissen und eigentlich nur in Fetzen vorgeführt. Die Poesiegibt in fünfzehn Teilen eine Weltgeschichte in Versen, wobei freilich viel-fach das wiederholt wird, was schon im Spec. regum ausgeführt war. AlsQuellen nennt Gotrid für die Zeit des alten Bundes Moses, Josua, Esra,Josephus, Isidor, Strabo, 2 Hegesipp, Orosius, Sueton, Solin. 3 Über seineQuellen aber ist er namentlich in chronologischer Beziehung arg in Un-kenntnis, 4 und es möchte niemand zu raten sein, aus diesem Merkbucheetwa Geschichte lernen zu wollen. Das Werk ist im Jahre 1185 verfaßt.Die zu der Schrift gehörenden Introductiones sollen nach E. Schulz(S. 92 f.) für das Werk Reklame machen.
Beginn (p. 94, 1) Memoria seculorum ad honorem aecclesie dei et imperii Romani anno.. .1185. Incipiuntysagoie super librum memorialem compositum a magistro Gotifredo Viter-biense ad domnum Henricum imperatorem . . . et ad omnes principes regni Teutonicorum.Zu den Quellen vgl. p. 95, 5ff. Ein Zitat aus Horaz (AP. 352—354) steht p. 105, 20ff.Ueberlieferung im Paris. 4896 s.XIV; Montepess. 222 s. XIV. Ausgabe (in Exzerpten) vonWaitz, MG. SS. 22, 94—106. Vgl. Waitz in Schmidts Ztschr. f. Geschichtswissenschaft4,103. Wattenbach 2, 296.
c) Pantheon. Auch die Memoria seculorum genügte Gotfrid schließlichnicht, er nahm sie daher in ein noch viel weiter reichendes Werk auf, dasseinen Namen weithin berühmt machen sollte. Es gehört zu den umfassend-sten Kompendien der ganzen Zeit, denn es geht von der Schöpfung aus,handelt über die Seele und über deren Erklärungen durch die Philosophenund begibt sich erst später von diesen transzendentalen Stoffen zur Ge-schichte; und in den geschichtlichen Teil hat Gotfrid die Memoria seculorumeingelegt, wobei er aber in deren zweiten poetischen Teil eine große Mengeumfänglicher Stücke Prosa hineinstellte, Exzerpte aus Otto von FreisingsChronik, ohne aber seine Quelle zu nennen. Wahrscheinlich hat ihn die
Ein in jener Zeit noch ganz ungewöhn- 3 Von diesem benutzte er entweder ein
licher Titel, der nur aus der Unklarheit Got- Exemplar mit Zusätzen oder ein mit Un-
lrias hervorgeht. recht so benanntes Buch, vgl. p. 100, 22
Vgl luerzu Joseph, ant. Jud. 8, 5, 3 und und n. 8.
14 > *> 3 - 4 Vgl. z. B. p. 103, 40—47.