B. Reichs-, Länder-, Zeitgeschichten 393
men können. Mit Stolz berichtet er, daß er vierzig Jahre lang überall,wohin er kam, die vorhandenen Bücher durchgesehen und daraus den Stofffür seine Schriften gesammelt habe; auch Gesandte der Griechen, Sarazenen,Perser und Armenier, die an den Hof kamen, hätten ihn mit ihren Büchernunterstützt. So unmöglich ist das ja nicht, wenn er auch den Mund hieretwas vollzunehmen scheint. Im Jahr 1169 erbaute er mit seinem BruderWarner und seinem Neffen Reimbert auf dem Allod seiner Familie zu Viterbodem Kaiser eine Pfalz, die ihnen Friedrich zu Lehen gab, und 1186 unter-schrieb er eine von König Heinrich erlassene Urkunde. Vielleicht ist er auchLehrer dieses jungen Königs gewesen, dem er mehrere Schriften widmete.Die letzten Jahre seines Lebens brachte er wohl zu Viterbo zu, wo er z. B.eine Inschrift auf ein Tor verfertigte. Vielleicht hat er Heinrich VI. über-lebt was natürlich der Fall sein müßte, wenn er die Gesta Heinrici VI ver-faßt hätte; das ist allerdings nur wenig wahrscheinlich, das Jahr seinesTodes ist ungewiß.
Zeugnisse. Ursprung aus Sachsen vielleicht nach Gesta Frederici 1171—1221 (MG.SS. 22, 333f.). Zu Bamberg vgl. Pantheon 23, 46 p. 259, 9 Eo tempore ego per Lothariumposilus sum in seolis aput Babenberc; 23, 32 p. 240, 8 Cetera de ipso Henrico imperatore 1 etde antäte et ecclesia Babenbergense ego, qui ibi prima documenta gramatice artis didici,tamquam eorum alumnus versibus explicavi, vgl. 33 p. 241, 20f. und H. Ulmann, Gottfriedvon Viterbo (Göttingen 1863) S. 8. Zur Stellung am Hofe Panth. 23, 41 p. 255, 45 NotameGotfridum huius libri authorem capellanum et notarium fuisse regis Conradi tertii et Fri-dericiimperatorisetfiliieiusHenricisexti; 23, 51 p. 264,18 Cuifsc. Conrado) famulus fueramtunc Gotijredus ego; 29 p. 281, 16 et ego ab imperatore Lothario secundo . . . in seolis tenereducatus et a . . . Conrado III in capellanum receptus atque a domino Frederico imperatoreprimo per annos 40 sub nomine capellani et notarii honoratus et a domino rege Henrico . . .valde dilectus et veneratus. Zur Lage, in der er schrieb, vgl. Memor. secul. praef. p. 105,25—39, dort 31 in maximis legationibus peragendis bis inSiciliam, ter in Provinciam, semelin Yspaniam, sepe in Franciam, 40 vicibus Romam de Alemania; dort auch p. 105, 45ff.über die Bücher, die er von fremden Gesandten erhielt. Zur Pfalz in Viterbo vgl. MG. SS.22,1 n. 3, über eine von ihm unterschriebene Urkunde (1186) p. 2 n. 26; zu den Versenauf einem Tor p. 2 n. 29.
Die literarischen Kenntnisse, die Gotfrid besessen haben will, gehenins Außerordentliche, verflüchtigen sich aber bei näherer Betrachtung sehrrasch. Gerade die Autoren, die er nennt, hat er gewöhnlich nicht gekannt,wie alle die prunkvollen griechischen Namen, 2 dagegen verschweigt er seinewirklichen Quellen fast regelmäßig, besonders wenn er ganz von ihnen ab-hängig ist, wie z. B. Otto von Freising. Auch seine Kenntnisse in den Schul-autoren sind keineswegs groß. 3 Daß er in Italien lebte, erkennt man nament-lich an seiner Orthographie, 4 aber das Deutsche hat er nicht vergessen,denn in der Vorrede zum Pantheon (p. 133, 8) übersetzt er die Bestandteileseines Namens lateinisch got dicitur deus 5 et pax dicitur frida und in denGesta Frederici 1085 heißt es Wilicom, bene vos venialis! Auch der Bedeu-tung Theoderichs des Großen ist er sich wohl bewußt (Panth. 22, 18 p. 188,38). Gotfrid hat nun eine ganze Reihe historischer Werke verfaßt, von denener die früheren meist wieder in die späteren aufgenommen hat. Sie dienenzunächst zur Belehrung des jungen Königs Heinrich, aber Gotfrid hofft,
1 Heinrich II., der Gründer des Bamber- i Vgl. SS. 22, 3 n. 39 und Ulmann S. 5.
Sf f'stums. s p an th. 23, 4 p. 212, 28 usque hodie got
Waturlich auch Plato und Aristoteles. in Teutonico latine dicitur deus; 22,42
ür zitiert Vergil, Horaz, Ovid und Juve- p. 203, 35 über den deutschen Namen für
nai, aber selten. Francia ausführlich.