392 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Freising) beklagt, die ihn vom Dichten abhielten und aus denen ihn zu be-freien er Hartmann bittet. In einem längeren Gedicht stellt dann Rahewindar, wie er über Heilmittel für geistige Schäden nachgedacht und wie sichihm da die tröstende Philosophie und die Dichtung dargestellt habe. Dochdie Philosophie überlasse er reifer Gebildeten, 1 und indem er des Pan ge-denkt, geht er zur Darstellung einer Theogonie über. Aus den eben ange-führten Worten ergibt sich aber, daß Rahewin diese Gedichte in jüngerenJahren verfaßt hat.
Zeugnisse. Ueberschrift des Rhythmus prologus Rahew. ad. H. pp.; daß dieser ProbstHartmann von Klosterneuburg war, erweist Wattenbach, Münch. SB. 1873 S. 687. Aut-trag Prol. 1 Instas, urges precibus, pater venerande . . . Questionum pondera versibus notareScripturarum abdita metris innodare. Das zweite Buch beginnt Quae summa divinitas sen-lire donavit, Quod beata trinitas de se revelavit, Sicut tua Caritas, pater, postulavit, Noslra siehumilitas stilo peraravit. Nunc rerum crealio, prout harum sator Nobis loqui dederit, linguaemoderator. Schluß: De statu, de ordine, casu angelorum Diximus quod prestitit conditor eo-rum. Superestexpetere nos opem Worum, Ut consortes fieri mereamur horum. Das Gedicht überdie Questiones beginnt Ergo dehinc de corporeis nos dicere rebus Ordo iubet, quae sunt sexcuncta creata diebus. Ima, superna, mare placuit tibi, summe, creare . . . Versibus hec tibiconscribi, pater alme, iubebas. Schluß De sacramentis nostre legis veterisque, Quid, quod, curin quo, distantia quae sit utrisque. Das Apollogeticum vgl. Münchn. SB. 1873 S. 689, zumHofdienst vgl. dort Vs. 7—17. Aus dem Eingänge zum Theogoniegedicht vgl. 1 Forte diequadam solus residens meditabar, 13 Occurrit menti consolans philosophia Et lyra Phebeaseu Panos fislula dia; Beginn des eigentlichen Stoffes Primus cunctorum Jons principium-que deorum Exstat Saturnus; auch der Schluß klingt etwas heidnisch an. 2 Ueberliefe-rung. Alle diese Gedichte stehen im Monac. 19488 s.XII f.95—113 (aus Tegernsee).Fragmente daraus bei Wattenbach, Münchn. SB. 1873 S. 687—691.
BREICHS-, LÄNDER-, ZEITGESCHICHTEN
1. GOTFRID VON VITERBO
Gotfrid stammte jedenfalls aus einer deutschen Familie, die, vielleichtsächsischen Ursprunges, wohl durch Hofdienst nach Viterbo gekommen war.Seine Jugend aber hat er in Deutschland zugebracht, denn als Knabe —er mag um 1120 geboren sein — kam er auf Veranlassung Kaiser Lotharsnach Bamberg zur Schule, die er öfters dankbar erwähnt. Bald trat er unterKonrad III. in die königliche Kapelle ein und blieb in ihr als Kaplan undNotar die ganze Regierungszeit Friedrichs I. hindurch; als solcher hat erzuerst die königliche Bestätigung des mit Papst Eugen geschlossenen Ver-trags am 23. März 1153 unterzeichnet. 3 Fortan hat er im Dienste des Hofesein unruhiges und bewegtes Leben geführt, denn der Kaiser brauchte ihnwegen seiner jedenfalls tüchtigen Geschäftskenntnis vorzugsweise gern zuBotschaften aller Art. So erzählt er, daß er zweimal als Gesandter nachSizilien, dreimal in die Provence, einmal nach Spanien, häufig nach Frank-reich und vierzigmal von Deutschland nach Rom geschickt worden sei, under denkt mit Genugtuung daran, daß er in diesem Dienste nur unter denmerkwürdigsten Situationen zum Schreiben an seinen Werken habe kom-
1 His ad maturos transmissis illa canamus, 2 Proque suis factis bene ceptis rite peraclis,
?mae teneris kumeris et viribus equa putamus Cum superis vere regnum si dignus habere.Münch. SB. 1873 S. 690). 3 Vgl. MG. Leges 2, 94.