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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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389
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A. Chronologie. Annalen. Weltchroniken 389

er hier endete, wird nicht ersichtlich, denn die Beschränkung der Bücherdes Werkes auf die Vierzahl der Evangelien 1 dürfte bei einem solchen Mannenur einen Scheingrund bedeuten.

Rahewin hat nun sein Werk ganz in dem Sinne weitergeführt, in dem esOtto begonnen hatte. Im Mittelpunkte steht Kaiser Friedrich, doch ver-fällt er diesem gegenüber noch weniger in Schönrednerei als Otto, und wenner im Prolog sagt, daß er sowohl auf jeden Klatsch verzichte, als auch demKaiser zuliebe und seinem Volke zugunsten in der geschichtlichen Wahrheitnichts verfälscht habe, so hat er durchaus wahr gesprochen. Und wie Ottobegreift er voll die universale Stellung des römischen Reiches, so daß seineDarstellung den gleichen weltgeschichtlichen Umfang erfaßt. Freilich brachtees die Politik des römischen Reiches mit sich, daß in diesem Umfang wenigerdie Reiche des Westens als die des Ostens und vor allem Italien einbezogenwerden und das Verhältnis des Kaisers zum Papste vornehmlich erörtertwird, wie überhaupt kirchliche Dinge einen breiten Raum einnehmen. Da-her finden sich viele Briefe von Päpsten und Bischöfen in die Darstellungeingeflochten. Doch schildert Rahewin nicht nur Ereignisse, er wendet auchZuständlichem sein Interesse zu, namentlich auf dem Gebiete des Rechts; 2und so erscheint auch in seinem Werke als hervorstechender Zug Fried-richs I. dessen Streben, Recht und Gerechtigkeit walten zu lassen.

In dem Prolog zu seinem Werke, der sich an Ulrich und Heinrich richtet,spricht sich Rahewin, wie wir sahen, allgemein darüber aus, daß er die Fort-setzung übernommen und den beiden Beamten der Kanzlei Dank schulde.Er lehnt sich hierbei an Josephus, Einhart, Jordanis und Florus an und be-weist sich schon hier als einen Kenner der älteren Literatur. Mit einem reiz-vollen Bilde von der Einkehr des Friedens beginnt er dann die eigentlicheDarstellung, die ebenso wie die Ottos die großen Momente der ferneren Re-gierung Friedrichs herausgreift und unter Zugrundelegung vieler Akten-stücke die hohe Politik des Kaisers eingehend erörtert. Und Rahewinwürzt seine geschichtliche Erzählung nicht selten mit allgemeinen Ge-danken, die er der alten Literatur, ganz besonders dem Sallust entlehnt;aber auch größere Stellen, namentlich aus Josephus und Florus, legt er zu-weilen ein, so daß die Form der Erzählung öfters ein musivisches Geprägeerhält. Für den Inhalt beruft er sich nur selten auf andere, wie z. B. aufLiudprands Antapodosis, der er den Namen Gesta Longobardorum gibt. 3Von den vielfältigen Entlehnungen aus der alten Literatur möchte hier nochauf den ausgiebigen Gebrauch von einigen Briefen des Sidonius 4 aufmerk-sam gemacht werden, da dessen Schriften nur ganz vereinzelt in deutschenBibliotheken des Mittelalters zu finden waren 5 und sich auch keine Hand-schrift aus Freising erhalten hat. Endlich aber ist das schöne Denkmal zuerwähnen, das Rahewin 4, 14 seinem fürstlichen Gönner und Freund Otto

1 4, 85 p. 342,13 f. Vielleicht war aber eine Pavia 4, 76 p. 320,1. 77 p. 324. 80 p. 331.

f! ortsetzung beabsichtigt und es ist mög- Auch die antike Rechtsliteratur wird nicht

lieh, daß die kurzen Aufzeichnungen, welche selten zu Rate gezogen,sich im Guelf. 206 und Monac. 19411 finden 3 3, 37 p. 210, 25. 3, 43 p. 217,1.

2^1 ft- '' auf Rahe win zurückgehen. 4 In 4, 86 p. 242 ff.

Vgl. 3, 20 p. 191,12. 3, 28 p. 199, 21. 4, 5 Vgl. Neues Archiv 32, 655. 36, 758.10 P- 241, 9. Dazu die Synodalakten von