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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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388 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

20, 347; ed. Waitz, Hannov. 1884; cur. B. de Simson, Hannov. et Lips. 1912. Vgl WWattenbach 2, 277ff.

9. RAHEWIN VON FREISING

a) Der Fortsetzer von Ottos Gesta Friderici Rahewin 1 ist wahr-scheinlich seit jungen Jahren in Ottos Nähe gewesen, derihn zu seinem Kaplanmachte. Seit dem Jahre 1144 ist er als Urkundenschreiber im Freisinger Stifttätig und er erscheint in den Urkunden Ottos als Cartularius, Gapellanus undNotarius bis zum Tode des Bischofs. Im Jahre 1160 nennt er sich selbstKanonikus und Diakon, später wurde er Propst der Kollegiatkirche vonSt. Veit in Freising und er scheint vor 1177 gestorben zu sein. Rahewin hatteschon bei Ottos Chronik insofern geholfen, als ihm dieser das Werk in dieHand diktiert hatte, und vielleicht war er auch sonst dabei tätig gewesen.Höchstwahrscheinlich aber hatte er den literarischen Nachlaß Ottos an-getreten und die Aufzeichnungen erhalten, die sich Otto für das dritteBuch der Gesta Friderici gemacht hatte, denn im Prolog zum dritten Bucheberichtet er, daß er das Werk auf Befehl des Toten fortsetze. Auch eineVerständigung zwischen ihm und Kaiser Friedrich muß darüber stattge-funden haben, denn an derselben Stelle sagt er, daß er die Arbeit mit Ge-nehmigung des Kaisers fortgesetzt habe, und am Schlüsse spricht er aufsneue von seinem Gehorsam in betreff des aufgetragenen Werkes. Jedenfallswar Rahewin ganz in die Ideen und die Auffassung Ottos bei der früherengemeinsamen Arbeit eingeweiht worden, so daß dieser keinen tüchtigerenMann zur Weiterarbeit finden konnte. Ohne Zweifel hat Rahewin auch Zu-tritt in der kaiserlichen Kanzlei gehabt, oder es sind ihm von dort Mittei-lungen gemachtworden, denn dieAktenstücke, die er in außerordentlich großerZahl in sein Werk eingelegt hat, lassen das durch ihre hohe Bedeutung klarerkennen. So war Rahewin für die Fortsetzung des Werkes hinsichtlichdes Stoffes, der Auffassungsweise und der Art der Bearbeitung auf das bestevorgebildet und ausgerüstet und er stattet selbst im Prolog des dritten Buchesdem kaiserlichen Kanzler Ulrich und dem kaiserlichen Notar Heinrich,an die er das Werk richtet, Dank für ihre Mühe und ihren Eifer ab, daß sieihn so reichlich unterstützt hätten, und bittet sie, seine Wegweiser, Zeugenund Richter zu sein. Am Schlüsse aber (4, 86) 2 wendet er sich erst an denKaiser selbst und bittet ihn, seine schwache Leistung mit dem Gehorsamentschuldigen zu wollen, den er ihm schulde, und dann wiederholt er ineiner Anrede an Ulrich und Heinrich seine frühere Bitte, dem Werke gegen-über Beurteiler und Richter zu sein. Es scheint fast nach diesem Schlüsse,daß Rahewin gewünscht hat, daß Kanzler und Notar das fertiggestellteBuch dem Kaiser überreichen sollten, an den sich der Verfasser am Endein bescheidener Weise 3 wendet, um ihm hier selbst unter die Augen zutreten, und die Kühnheit, daß er ein solches Unternehmen gewagt habe,mit dem Gehorsam gegenüber dem kaiserlichen Befehl zu entschuldigen.Schon im Jahre 1160 hat er die Feder niedergelegt und seine Darstellungmit den Ereignissen der ersten Monate dieses Jahres geschlossen. Warum

1 Auch Ragewin und Radewin sind für 2 p. 346, 8 ff. und 15 ff.ihn beglaubigte Namensformen. 3 Vgl. p. 346,11 ff.