A. Chronologie. Annalen. Weltchroniken 383
Barbaren wie Griechen vor der Macht des Reiches erzittern. Und er kommtdann auf eine Weissagung zu sprechen, die sich auf künftige große TatenLudmgs VII. bezog. Er wolle aber nicht, nachdem er die Taten andrer dar-gestellt, die großen Ereignisse der Regierung von Kaiser Friedrich 1 mitStillschweigen übergehen, und er meint, daß es der Prärogative des römi-schen Reiches entspreche, wenn er zuweilen philosophische Betrachtungenin dessen Geschichte einmische, denn auch Lucan und Vergil und die übrigenrömischen Autoren seien so verfahren. Daß dies schon bei Gelegenheit desBerichtes über das Verhältnis Heinrichs IV. zu den Sachsen erfolgt, wissenwir bereits. In diesen Beginn seiner Darstellung verflicht Otto kurz dieGeschichte der Normannenmacht in Unteritalien und Sizilien seit der ZeitRobert Guiscards und außerdem die Anfänge des hohenstaufischen Hauses,so daß er, nach dem Tode Heinrich V. zu Lothars Zeit kurz übergehendund die Anfänge der Weifen berührend, gut den Übergang zur staufischenZeit gewinnt. Dem schließt sich ein ausführlicher Bericht über die Ostmarkund Ungarn und eine kurze Erzählung des Kreuzzuges an, worauf es Ottodrängt, die große Entwicklung der französischen Philosophie und Theologiein ihren damaligen Hauptvertretern Gilbertus Porretanus und Petrus Abae-lardus, und zwar mit Einlegung von Dokumenten näher zu erörtern. Hierbewegt er sich auf seinem eigensten Felde und es wird ihm schwer genug,mit den Worten Sed haec hactenus 2 wieder zum geschichtlichen Faden zu-rückzukehren, der auch bald genug mit der Darstellung der Synode vonReims eigentlich wieder verlassen wird, um dann mit neuer Fortsetzungder Kreuzzugsgeschichte wieder aufgenommen zu werden, woran sich aberwieder eine philosophische Begründung von dem elenden Ausgange desZuges anschließt. Mit dem Tode Konrads III. endet das erste Buch.
In einem sehr kurzen Prolog zum zweiten Buch werden die ruhmreichenTaten Friedrichs erhoben und Otto erzählt nun die Wahl des neuen Königs 3und bereitet durch Bericht über die Verschwägerung der Hohenstaufenund Weifen das Verständnis für die künftige Zeit vor. Denn wenn er nunim zweiten Buche die große Politik Friedrichs fast ausschließlich be-handelt, weiß er doch, daß die Geschicke des Reiches wesentlich durch denGegensatz der beiden mächtigen Geschlechter bestimmt werden. 4 Der ersteRömerzug Friedrichs, wobei die für die Rast auf den roncalischen Feldernbestehenden Rechtsgewohnheiten bezüglich der Lehen erörtert werden,gibt Otto Gelegenheit, einen geographisch-historischen Abriß über Italieneinzuschieben, an den verfassungsgeschichtliche Erläuterungen angeschlos-sen werden, um das nötige Verständnis beim Leser zu erwecken. Nun erstbeginnt die äußerst ausführliche und sachlich eingehend gehaltene Darstel-lung von Friedrichs kräftigem Auftreten gegen die lombardischen Städteim Jahre 1155. Es folgt dann der eigentliche Römerzug mit wichtigen undgehaltreichen Erläuterungen über Arnold von Brescia und seine politischeTätigkeit — schon 1, 28f. p. 44ff. ist davon die Rede gewesen — und unter
1 Er redet hier p. 11, 25 ff. seinen Neffen an daß das Recht zur Krone nicht auf Ver-
und an diesen ist daher das Werk gerichtet, wandtschaft, sondern auf der Wahl durch
vgl. hierzu p. 12, 2. die Fürsten beruhe.
1, 55 p. 80, 32. i Vgl. 2, 2 p. 103, 15 ff.Und zwar mit dem offenbaren Versehen,