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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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382 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

sehen war. Und der schwache König Konrad war gestorben und Friedrichauf den Thron erhoben, ein Herrscher, der überall Recht und Gerechtigkeitherrschen lassen wollte. Und wenn nun Otto im Vorwort zu den GestaFriderici vor allem die Herstellung des Friedens preist und den Erdkreisfür beruhigt hält, 1 so erkennt man gleich anfangs, daß seine Auffassungeine mehr heitere geworden ist: Schon damals, als die Kreuzzugsidee regegeworden, habe der Reiz des augenblicklichen Friedens ihn angetriebenwieder ein neues Werk zu schreiben, aber er habe wohl in Vorahnung bessererZeiten das begonnene bald wieder vernichtet, denn nun erst sei die Zeit dafürgekommen. 2 Und nicht ohne Grund beginnt er seine Darstellung mit einemausführlichen Bericht über Heinrich IV. und Gregor, also über den Nieder-gang des Königtums, um dann schnell zu den besseren Zeiten unter Fried-rich I. überzuleiten. Aber schon im ersten Anfang gibt ihm eine ruhmredigeSelbstüberhebung des jungen Heinrich Veranlassung, eine längere philo-sophische Abhandlung über das Wort Melius est ad summum quam insummo einzuschieben, in der er sich vielfach an Plato und Boethius, viel-leicht auch an Gilbertus Porretanus anlehnt. Solche allgemein gehalteneAbschweifungen aber hat er mehrfach in sein Werk eingelegt, das auch ausdiesem Grunde einen mehr persönlichen Eindruck macht. Und wenn Ottoschon bei der Krönung Friedrichs, die mit der Bischofsweihe Friedrichsvon Münster zusammenfiel, hervorhebt, 3 daß hier König und Priester andemselben Tage als die einzig dazu berechtigten Personen Weihe und Sal-bung erhielten, so ist es nur eine Weiterbildung dieses Gedankens, wenner bei der Zusammenkunft Friedrichs mit Hadrian IV. zu Viterbo (Juni 1155)seiner Genugtuung darüber Ausdruck gibt, 4 daß hier aus den Höfen beiderHerrscher gleichsam ein einziger Staat sich ergeben habe. Jedenfalls war durchdiese äußere Betätigung der Eintracht von Staat und Kirche Ottos Wunschauf die irdisch überhaupt mögliche Herstellung des Gottesstaates erfüllt.An die Spitze des neuen Werkes, der Gesta Friderici, stellt nun Otto dieAntwort Friedrichs auf seinen Widmungsbrief der Chronik und auf diedarin enthaltene Bitte. Der Kaiser sagt darin dem Oheim 5 Dank für dieZusendung, die ihm nach seinen kriegerischen Mühen Erholung bieten undzugleich ein Beispiel für die Übung der Tugenden werden möge. Das kurzeVerzeichnis seiner Taten aber, das auf Ottos Wunsch zusammengestelltsei, würde er wohl mit mehr Freude abgeschickt haben, wenn er nicht wüßte,daß seine Taten nur wie ein Schatten von den großen Ereignissen der Vorzeiterschienen. Aber er sende es ihm im Vertrauen auf sein großes Talent, ausKleinem Großes zu machen. Hierauf folgt ein kurzer Überblick über Fried-richs Wirken im römischen Reiche, der bis ins Jahr 1156 reicht und mit derBitte schließt, daß Otto dies wenige mit seinem erleuchteten Geiste erwei-tern und ergänzen möge. Im Prolog zum ersten Buche spricht sich Ottoüber die jetzigen Zeiten des Friedens aus und preist deren Darsteller glück-lich, weil das Volk im römischen Reiche in demütiger Ruhe verharre und

1 Ottonis et Rahewini Gesta Friderici cur. 4 Gesta 2, 28 p. 134, 33 ff.

B. de Simson p. 9, 26ff. 6 Das Verhältnis wird ausdrücklich hervor-

2 Vgl. daselbst p. 9, 3210, 9. gehoben, vgl. p. 1, 4 Fridericus ... dileclo

3 Gesta 2, 3 p. 105, lOff. patruo suo Oltoni Frisingensi episcopo.