A. Chronologie. Annalen. Weltchroniken 381
an Friedrichs Erzkanzler Reinald von Dassel, späteren Erzbischof von Köln.Er bittet ihn, einige Stellen, die das Werk enthalte, dem Kaiser nicht inungünstiger, sondern in wohlwollender Weise zu erklären. Und er gibt ihmauf philosophische Weise zu bedenken, daß der Geschichtschreiber die Lügefliehen und die Wahrheit suchen müsse. Zugleich gibt er ihm einen kurzenÜberblick über den Inhalt des Werkes, das sich nach den vier HauptreichenDaniels (Dan. 7) richte. Otto hatte sich natürlich bei der Übersendung anIsingrim eine Abschrift zurückbehalten und an dieser hat er in den nächstenelf Jahren manches gebessert und Nachträge hinzugefügt, 1 die ihm besondersdurch seinen Aufenthalt im Orient auf dem Kreuzzuge zugeflossen waren.Auf dieser Überarbeitung und auf der an Friedrich I. gesandten zweitenAusgabe, die aber einen gegen das Wittelsbachische Haus gerichteten Ab-schnitt (6, 20) ausläßt, beruht unsere heutige Überlieferung.
Im Jahre 1145 unternahm Otto eine Reise nach Italien, wobei er am 18. No-vember mit dem Papst und jener schon erwähnten armenischen Gesandt-schaft zusammentraf. Im Februar 1147 aber nahm er mit anderen Großenzusammen das Kreuz und schloß sich im Mai dem Zuge König Konrads an.Im Oktober gelangte man nach Nikomedia, wo sich Otto mit einem Teiledes Heeres von seinem Stiefbruder trennte, um entlang der Küste Klein-asiens weiterzuziehen. Doch wurde sein Heer durch die Griechen verratenund von den Türken aufgerieben, er selbst entkam mit wenigen Begleiternim März 1148 zu Schiffe nach Syrien, reiste dann zu Lande nach Jerusalemund kehrte über Accon in die Heimat zurück. Er scheint dann in Frankreichgewesen und mit dem von ihm allerdings nicht übermäßig geschätzten AbtBernhard von Glairvaux in Beziehungen getreten zu sein. Aber erst seit demTode König Konrads hob sich Ottos Ansehen bei dem Herrscherhause. Daserkennt man namentlich aus einer wohl mündlich 2 getroffenen Abmachungin betreff der Geschichtschreibung Ottos. Denn der Kaiser forderte ihn nichtnur auf, ihm seine Chronik zu übergeben, sondern traf auch wohl mit ihmdie Verabredung, daß Otto in einem weiteren Werke die Taten Friedrichsbehandeln sollte. 3 Und so ersucht Otto den Kaiser, ihm, wenn es ihm gefalle,seine Taten durch ihn in einem geschichtlichen Werke aufgezeichnet zusehen, einen von seinen Schreibern verfaßten und in Abschnitte gegliedertenBericht davon zuzusenden. Zugleich spricht er dem Kaiser seine Befriedigungüber den (am 24. März 1157) beschlossenen Feldzug gegen das stolze Mailandaus. Der Kaiser könne mit den beiden zu ihm geschickten Boten — Rabotound Ragewin ■— weiter verhandeln, da diese die genügenden Instruktionenerhalten hätten.
Hier liegt also die Urwurzel zu Ottos zweitem Werke, den Taten Fried-richs. Es beruht auf andern Grundlagen als das erste, denn es ist aus we-sentlich andrer Gemütsstimmung entstanden. Die Zeiten hatten sich ge-ändert, der Kampf zwischen Staat und Kirche erschien fast beendet, wennauch der Streit um die Erbschaft der Großgräfin Mathilde noch nicht erlo-
Vgl. Hofmeister in der Ausgabe der 3 Daß das vorher verabredet war, ergibt
2A°^ k P- XIIIf - der Be S inn des Satzes chron - P- 3 - 6 ( /to ?«e
Andernfalls hätte wohl Otto einen an ihn si vestrae placuerit maiestati). Die Worte sind
gerichteten Brief Friedrichs der Chronik zu einfach gehalten, als daß sie eine für den
vorangestellt. Kaiser neue Bitte einleiten könnten.