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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Chronologie. Annalen. Weltchroniken 379

teles 1 und des Boethius. 2 Aber auch die Schriften Ciceros nötigten ihm In-teresse ab und er führt manches aus den Offizien und den viel weniger ge-kannten Paradoxen an (2, 34) und gebraucht auch Stellen aus den beidenRhetoriken sowie eine aus der Rede für Marcellus (2, 50). Natürlich sind ihmdie Briefe Senecas bekannt (2, 40) und er teilt die allgemeine Ansicht vomBriefwechsel dieses Philosophen mit Paulus (3, 15). Ebenso stehen ihm diehauptsächlichsten antiken Dichter zu Gebote, die ihm von der Schuleher geläufig waren. 3

Es ist nun von Interesse zu sehen, wie Otto mit seinem Stoffe umspringt.Daß er zur Kritik seiner Quellen befähigt war, ist selbstverständlich, under hat es auch daran nicht fehlen lassen, wenn er Widersprüche entdeckte.*Und nicht selten ergreift er persönlich das Wort, wie 5, 18, wo er in der anden Kaiser übersandten Redaktion von seiner Anwesenheit auf dem zweitenKreuzzuge spricht, oder 6, 15, wo er einen Verrat mit scharfer Rüge bedenkt,oder 6, 35, wo er seinen Unwillen über Heinrichs IV. Bannung durch GregorVII. äußert. Persönlich tritt er auch hervor in der höchst interessantenStelle 7, 7, wo er, an das Martyrium des Erzbischofs Thiemo von Salzburganknüpfend, die Fabeleien bekämpft, die sich im Abendlande über denIslam gebildet hatten, und in sehr ruhiger und sachlicher Weise die vielenBerührungspunkte des Islam mit dem Christentum sowie die hauptsäch-lichen Abweichungen beider erörtert; diese Stelle bezeugt aufs deutlichste,daß Otto ein großdenkender Mann von weitem Umblick gewesen ist, derzum Geschichtschreiber geradezu geboren war. Denselben Eindruck ge-winnt man, wenn man die in 7, 912 enthaltene, ergreifende persönlicheKlage über die schrecklichen Zustände im Reiche liest, die durch den Auf-stand Heinrichs V. gegen seinen Vater hervorgerufen worden waren; eineoffene Beschuldigung wagt Otto hier nicht auszusprechen, er stellt sichüber die Parteien. Während er dann über die Kämpfe Heinrich V. mit derKurie ziemlich eingehend berichtet, stellt er die Regierung Lothars alskräftig und besonders gegen Italien als sehr erfolgreich dar und nimmt 7, 20mit einer gewissen Bewunderung von dem Kaiser Abschied. Seit LotharsTode wächst sich seine Darstellung immer mehr zu einer wirklichen Weltge-schichte aus, indem sie neben der Reichsgeschichte 5 auch die Verhältnissein Böhmen, Polen, Ungarn, Italien, im griechischen Reiche und in Palästinaberücksichtigt. Seine Anwesenheit beim Zusammentreffen einer Gesandt-schaft der armenischen Kirche mit dem Papste in Viterbo (1145; 7, 32 f.)führt den Verfasser auf die Verhältnisse im Orient und auf die sagenhaftePersönlichkeit des Priesters Johannes. Gegen Ende des 7. Buches sprichter von der Zeit der damaligen Niederschrift (1146) und im Schlußkapiteldes Buches behandelt er das Leben der Einsiedler, Klausner und Mönche.In einem Anhang zählt er die Könige Italiens vor Erbauung der Stadt, dieKönige Roms, die römischen Päpste und Kaiser 6 auf, wo mit Karl die Über-

1 Zu Aristoteles bei Otto und in dessen Zeit 6 Hier fehlt allerdings ganz die Entwick-y f- Hofmeister daselbst S. 654681. lung der östlichen Marken Sachsens und

3 vi , Hofmeister daselbst S. 722 ff. Thüringens.

Vgl die Zusammenstellung bei Hof mei- 6 Bei diesen sind die Christenverfolgungenst« S. 727f. untergebracht.

4 Vgl. 2,15 p. 84, 4ff. 6,13 p.273, 28ff.