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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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378 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

in diesem ersten Werke allerdings noch ganz der Theologie und der Kircheentnommen werden, bewirkte es, daß aus der Zusammenfassung der Welt-geschichte ein wirkliches Kunstwerk entsprang. Otto gab dem Werke denTitelGeschichte 1 von den zwei Staaten" (Aufschrift und p. 390, 2) ob-wohl er es später als Chronik 2 bezeichnet und Friedrich I., dem er es 1157 aufseinen Wunsch übersandte, es ebenso nennt; im Widmungsbrief an Friedrichbezeichnet er es als dasBuch von der Veränderung der Dinge". 3

Ohne Zweifel war Otto zu seiner Darstellung aufs beste vorbereitet, keinandrer im Alter von noch nicht dreißig Jahren hätte so schreiben können.Im Prolog zum ersten Buche die ersten Worte nach Cic. de inv. 1,1,1nennt er selbst seine Hauptquellen für den älteren Teil der Darstellung, 4und da ist es bezeichnend genug für seine außerordentliche WertschätzungAugustins, 5 daß er diesen zuerst erwähnt, obwohl er dem an zweiter Stellegenannten Orosius bis zur Mitte des vierten Buches stofflich am meistenfolgt. Seine anderen Quellen nennt er nur selten und mehr zufällig, und sogardas Werk, dem er einen sehr großen Teil seiner Geschichtserzählung bis7,1 entnimmt, nämlich Frutolfs Chronik, nennt er überhaupt nicht; war jadem mittelalterlichen Autor der Begriff des literarischen Eigentums vielfremder als uns. Für die alten Zeiten aber verwendete er außerdem RufinsÜbersetzung der Kirchengeschichte des Eusebius, Josephus, Hegesippusund die Summa des Jordanis, ganz vereinzelt auch die Gesta Treverorumund die Annalen von Hildesheim sowie Dares Phrygius. Auch Regino er-scheint schon einmal im dritten Buche, aber erst im fünften und sechstenwird er neben Frutolf Ottos Hauptquelle. Im vierten Buche wird manchesaus der Historia tripartita und aus den beiden Werken des Jordanis ge-nommen, im fünften gelegentlich die Vita Columbani und die Vita Corbinianiretractata, früher schon (3, 43) die Vita Gereonis benutzt, auch wird 5,32auf Einharts Leben Karls angespielt. Im sechsten Buche werden nach demAufhören Reginos und seiner Fortsetzung Wipo und Hermann von Reichen-aus Chronik neben Frutolf die Hauptquelle, neben der vereinzelt auchGebehards Leben des hl. Ulrich und Liudprand erscheinen und Orosiusfür einen geographischen Abschnitt eintritt. Auf die Benutzung Frutolfs{bis 1088) folgt die Ekkehards und beim Regierungsantritt Heinrichs V.(7, 11) erklärt Otto, daß er von nun an das berichte, was er von glaubwür-digen Männern gehört und was er selbst gesehen habe; bis hierher habe ersich dem angeschlossen, was Orosius, Eusebius und deren Nachfolger inBüchern aufgezeichnet hätten.

Der ernste Ton seiner ganzen Darstellung wird zuweilen durch Abschwei-fungen auf das philosophische Gebiet noch erhöht und er bedient sich dabeizur Stützung seiner Gedanken mehrfach der Ideen eines Plato 6 und Aristo-

1 in priore hystoria heißt es Gesta Frid. 1, im Prolog zum 5. Buche unter den hervor-21.23.61 (ed. Simsonp. 34,30.37,7.88,13). ragendsten Gelehrten der jüngsten Vergan-

2 Gesta Frid. 1,31 (p. 48, 27). genheit sogar den Häretiker Berengar von

3 Chron. ed. Hofmeister p. 1, 6 Über de Tours aufführt, vgl. p. 227, 22f.mutatione rerum. 6 Aus dem Timäus; daß Otto kein Grie-

4 p. 9, 8ff. (Hofm.). . chisch konnte, erweist Hofmeister, Neues

5 Aber doch so, daß er daneben die weit- Archiv 37, 684696, vgl. 726; zum Hebra-liehe Weisheit durchaus gelten läßt, wie er isch vgl. S. 683 f.