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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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334 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

rühmt an ihm die Klugheit und das große Gewicht seiner Meinung und sagtdaß in ihm keine unterschiedslose Strenge, sondern ein richtiges Maßhaltengegenüber allen Personen gewohnt habe. Wir finden also in ihm eine Persön-lichkeit von milder Auffassung der menschlichen Dinge, einen Mann, dessenUrteil durch den Streit der Parteien nicht leicht beeinflußt wurde. Daherstand er zu Lüttich in großer Beliebtheit, und Godescalc berichtet, daß ervielfach von älteren und im Range über ihm stehenden Klerikern aufge-sucht wurde, die ihm wichtige Fragen vorlegten, um sie mit ihm zu be-sprechen. So war er wie dazu geschaffen, die zwischen Staat und Kirchestreitigen Fragen in Ruhe und ohne Voreingenommenheit zu beantwortenund es dürfte sehr für die in Lüttich herrschende richtige Auffassung dieserFragen sprechen, daß sich Sigeberts Urteil in klarer und objektiver Ruhedabei stets für die Rechte des Königs ausspricht. Schon in höherem Alterschritt er zur Abfassung einer Weltchronik, um die vielfachen chronologi-schen Schwierigkeiten, die sich in solchen bisher erschienenen Werken wegender ungenügenden Hilfsmittel in großer Zahl fanden, zu beseitigen. Wennihm das nun auch nicht geglückt ist und gar nicht glücken konnte, so erfreutesich doch diese Arbeit des höchsten Ansehens für lange Zeiten. Und erstgegen Ende seines Lebens machte er sich an ein Werk, zu dem nur wenigefähig gewesen wären. Er verfaßte nämlich im Anschluß an Hieronymusund Gennadius, deren Werke er ergänzte, einen Liber De illustribus viris,den er bis auf seine Zeit fortführte und mit seiner eigenen Person schloß.Hierin legte er die Summe seiner literarischen Kenntnisse nieder. Daßdiese sehr bedeutend war, ergibt sich deutlich aus der Schrift und läßt sichauch heute noch nicht nur aus seinen zahlreichen andern Werken, sondernauch aus den handschriftlichen Schätzen beurteilen, die sich aus frühererwie aus seiner Zeit aus dem Kloster Gembloux in die Brüsseler Bibliothekgerettet haben. Am 5. Oktober 1112 ist er in seinem Kloster gestorben, nach-dem er die Chronik bis kurz vor seinen Tod fortgesetzt hatte.

Zeugnisse. Im allgemeinen vgl. S. Hirsch, De vita et scriptis Sigeberti, Berlin 1841.Zur Abstammung vgl. Chron. praef. (MG. SS. 6, 300, 26) Originem gentis nostrae regniscilicet Francorum und Vir. ill. 84 (Migne 160, 567) Gallicanum psalterium quo nos Gaüiutimur; er nennt sich also Franke wie Gallier und gebraucht Vir. ill. 156 (584A) von denDeutschen die Bezeichnung Teutones; da er nun in Gembloux jung ins Kloster trat, sostammte er wohl aus dem romanischen Belgien. Die Worte Godescalcs in Gesta abb.Gemblac. 64 (Migne 1 160, 637B) heißen Domnus Sigebertus, descriptor vitae domni abbatisOlberti, de vita et actibus eius vera dixit et absque dubio dicere potuit, quia diu ei convixit.Zum Aufenthalt in Metz vgl. Vir. ill. 171 (588A) multa scripsi opuscula Metis positus inprima aetate in ecclesia s. Vincentii ad instruendos pueros und Gesta abb. Gembl. 72 (641B)Cum enim esset iuvenilis aetatis tempore Mascelini abbatis Mettensibus notificatus et incenobio s. Vincentii martyris cum Fulcuino 2 abbate diu conversatus. Die von ihm in Metzverfaßten Schriften nennt er Vir. ill. 171 (587 AB). Zur Rückkehr Vir. ill. 171 (587 B) undGodescalc 72 (641C) Post multum temporis vix impetrata licentia rediens ad cenobiumGem-blacense; Stellung als Lehrer daselbst In cenobio Gemblacensi me qui haec descripsi et multomeliores erudivit. Aufzählung der in Gembloux verfaßten Werke Vir. ill. 171 (587 B588D),wo auch, wie in Gesta 72 (641C) die von Heinrich von St. Lambert gegebene Anregungerwähnt wird. Zur Stellung in Metz vgl. Godescalc 72 (641B) sapientiae Jons patens eratnon solum monachis set et clericis ad se undique confluentibus. Multis Mettensium hodieque

dulcis est eius memoria ___ Nee solummodo Christianis sed et Iudaeis in eadem urbe commanen-

tibus erat carissimus, pro eo quod Hebraicam veritatem a ceteris editionibus secernere erat

1 Da diese Ausgabe einen Neudruck der keit.Werke Sigeberts aus MGH. darstellt, so be- 2 Zu Folcvin vgl. Gesta abb. Gemblac. 47nutze ich sie wegen ihrer größeren Handlich- (628 BC).