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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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A. Chronologie. Annalen. Weltchroniken 333

eine ausgebreitete literarische Wirksamkeit entfaltete. Zunächst dichteteer ein umfängliches Epos über die Passion der thebäischen Märtyrerlegion.Darauf beschrieb er das Leben Wieberts, des Begründers von Gembloux,und wandte sich dann zur Darstellung der Geschichte seines Klosters,von der bisher nur das Leben des ersten Abtes Erluin, anscheinend in Di-stichen geschrieben, vorlag. Ferner dichtete und komponierte er Antipho-nen und Responsorien auf Wiebert und den keltischen Heiligen Maclovius, 1dessen Sagenreiches Leben er auch darstellte, wie er das des Utrechter(Lütticher) Bischofs Theodard beschrieb; bei diesen beiden letzten Schrif-ten handelte es sich allerdings nur um stilistische Überarbeitung. In derselbenWeise bearbeitete er das Leben des alten Bischofs Lambert von Utrecht, dochauf den Wunsch des Archidiakonus und Dekans Heinrich von Lüttich fügteer zu diesem einfach gehaltenen Werke allerhand Zusätze und Erweiterun-gen hinzu. Auf Bitten desselben Lütticher Klerikers verfaßte er eine Wider-legung des Briefes Gregors VII. an Hermann von Metz; Sigebert gründetediese Schrift, wie er selbst sagt, auf beweiskräftige Stellen aus den Vätern,sie ist aber nicht erhalten. An jenen Heinrich selbst aber richtete er eineAbhandlung gegen die römische Anmaßung, daß die Messen verheirateterPriester ungültig seien. Des weiteren bat ihn Heinrich um eine Schrift gegenden von Paschalis IL an Graf Robert von Flandern gegebenen Befehl, dieBistümer Lüttich und Gambrai wegen ihrer Treue zu Heinrich IV. zu ver-heeren.

Aus diesen letzten Werken ergibt sich nun deutlich die Denkweise unse-res Mönches. Schon in Metz war er, wie sein Schüler Godescalc berichtet, dieoffene Quelle der Weisheit für die Mönche und weltlichen Kleriker gewesen;noch in vielen Metzern sei heute die süße Erinnerung an ihn lebendig undbei ihnen fänden sich noch die Spuren seines Wissens. Aber er sei auch beiden Juden in Metz ungemein beliebt gewesen, da er es nämlich verstand,die Wahrheit der jüdischen Überlieferung von den anderen Ausgaben derBibel zu trennen, und den Meinungen der Juden darin beitrat, was sie überalte Überlieferung aussagten. Als er dann nur mit Mühe die Erlaubniserhielt, nach Gembloux zurückzukehren, trug er vieles zum Gebrauch undzum Schmuck seines heimischen Klosters bei. Der bedeutendste Mann aber,der ihm nahe trat, war der Archidiakon und Dekan Heinrich von St. Lam-bert in Lüttich, auf dessen Bitte er außer den schon erwähnten Schriftenauch eine Abhandlung über die Quatemberfasten verfaßte. Nämlich inder Kirche zu Trier hielt man sich an die von Bern einst gegebene Regelüber diese Fasten, die man dort für eine gute allegorische Erklärung hielt,während sie vom Gebrauche in der Lütticher Kirche abwich. Aus diesemGrunde forderte Heinrich den Sigebert auf, an die Trierer eine solche Schriftzu richten.

Während nun diese sich auf innere kirchliche Dinge bezog, trat Sigebertdurch seine andern durch Heinrich beeinflußten Abhandlungen aus dermönchischen Sphäre in die Welt hinaus und beteiligte sich an den großenrragen, die die Gegenwart damals intensiv beschäftigten. Und er scheinthierzu die rechte Persönlichkeit gewesen zu sein. Sein Schüler Godescalc

1 Sie scheinen verloren zu sein.