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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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326 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

späteren Inhalt vorlegen zu können. Und zwar benutzte er für die älterenZeiten ein früheres Exemplar der kurzen Hersfelder Annalen und setzteeiniges aus verlorenen Altaicher Annalen hinzu. Von 1040 bis 1068, wofürer noch eine kurze Fortsetzung der Annalen von Hersfeld verwendetewächst allmählich der Stoff seiner Erzählung, und es werden viele längereBerichte eingeschoben, wobei stets die Handlungsweise Annos von Kölnentschuldigt und die Adalberts von Bremen in ein ungünstiges Licht ge-stellt wird. Mit dem Jahre 1069 wird die Darstellung ausführlich, doch erstvon 1073 an erfolgt sie auf breitester Grundlage. Sie hat durch ihren prag-matischen Charakter, ihren glänzenden Stil und durch die vorgetäuschteObjektivität den Leser früher stets angezogen und den Geschichtsforscherhinters Licht geführt. Zuerst wich Floto bei der Beurteilung Heinrichs IV.öfters davon ab und L. Ranke zeigte dann, daß Lampert weder so kundignoch so gerecht ist, wie er erscheinen wollte. Die Ehrenrettung durchJ. A. Lefarth hat nicht viel genutzt, denn H. Delbrück hat an einer gro-ßen Zahl wichtiger Stellen klar bewiesen, daß Lampert aus Haß gegen denKönig nicht nur die Wahrheit umgangen, sondern einfach gefälscht hat.Und die Aufstellung von E. Meyer, daß Lampert wohl fälsche, aber solcheUnwahrheiten schon von der königsfeindlichen Seite gehört habe, wirddadurch widerlegt, daß dieser Mönch in einem königstreuen Kloster lebte.Mit Recht machte W. Ausfeld geltend, daß Lampert wegen der Einbuße,die sein Kloster infolge des Thüringer Zehntstreites erlitten habe, über dieseAngelegenheit Unrichtiges erzählt habe. Auch machte R. Kubo darauf auf-merksam, daß Lamperts Berichte von Verschwörungen und Fürstenzusam-menkünften nach dem gleichen Schema gearbeitet sind, also der innerenWahrheit entbehren, wie überhaupt stilistische Wiederholungen in demWerke unzählig sind. Und Holder-Egger wies auf den Widerspruch hin,daß unser Mönch in die geheimsten Verabredungen aller Parteien vollständigeingeweiht zu sein vorgibt, während er doch an anderer Stelle sagt, daß erin seinen Klostermauern nur wenig habe hören können und daß er auch keinInteresse an der hohen Politik habe. So sind denn seine Berichte aus Italiennur mit größter Vorsicht aufzunehmen, aber auch über die sächsischen Dingehat er vieles gefälscht. Über Thüringen weiß er besser Bescheid, da seinKloster an der Grenze dieser Landschaft lag. Seine ganze Erzählung läuftdarauf hinaus, schon von Anfang an im Leser das Gefühl entstehen zu las-sen, daß König Heinrich nichts tauge und daß das Reich gar nicht andersgekonnt habe, als Rudolf zum Gegenkönig zu erwählen. Wie einDichter",sagt er zum Schlüsse mit den Worten des Sulpicius Severus,der ermüdetist am Ende seines Werkes und überwältigt ist von der Größe seines Stoffes,lege ich die Feder hin; sollte jemand nach mir meine Arbeit fortsetzen,wird er in der Wahl des Königs Rudolf einen passenden Anfang finden."Um nun seiner Arbeit die, wie es ihm schien, nötige historische Färbung zugeben, hat er vor allem Livius und Sallust benutzt, deren Werke er auf dasgenaueste studierte, um ihnen fortgesetzt Redewendungen und Sentenzenzu entnehmen; sie geben seiner Darstellung ein oft geradezu antikes Ge-wand. Dazu erborgte er viel von Sulpicius Severus und entnahm den Schul-dichtern Terenz, Vergil, Horaz, Ovid und Lucan nicht wenig poetische Aus-