318 Zweiter Abschnitt. Die Artes
In dem kleinen Werke ist nicht weniges zu breit auseinandergezogen undoft mit christlicher Moral durchsetzt; solche Stellen wirken ermüdend undsind schon wegen der dialogischen Form wenig genußreich. Das Ganze bieteteinen Abriß der Literaturgeschichte und in sehr beschränktem Sinne derLiteraturwissenschaft über die hauptsächlichen in der Schule gelesenenDichter aus alter Zeit, aber nur der zum grammatischen Unterricht ge-hörigen, und insofern reicht es in keiner Beziehung an Buch 3 des Labyrin-thus von Eberhardus Alemannus oder an Hugo von Trimbergs Registrumheran. Aber es gibt eine deutliche Vorstellung davon, wie man in einemKloster der scharfen Reformrichtung diese Dinge schulmäßig betrieben hatohne größere wissenschaftliche Tiefe und ohne jeden Schwung, durchausnüchtern und praktisch und nur mit einem gewissen Zögern betreffs derdurch ihren Stoff etwa gefährlich wirkenden Autoren des Altertums. Esfehlt hier an der geistigen Freiheit, die etwa die Literaturgeschichte einesSiegebert auszeichnet.
Zeugnisse. Das Thema ist in der Einleitung enthalten (ed. Schepss) S. 20, 25 Summa-tim et quodam breviario precor explicari a te, quid in singulis auctoribus scolaslicis .., re-quirendum sit, id est quis auctor sit, quid quantum quando vel quomodo id est utrummetrice vel prosaice scripserit, qua etiam materia vel intentione opus cuiusque exordium sump-serit, ad quem finem ipsa scriptionum series relata sit. Quaero etiam de pagina liminari, quiddistet inter titulum et praefacionem, et proemium et prologum, inter poetam et historiographumet sermonarium, inier poesim et poema, inter explanationem et expositionein et lucubratiun-culam et translationem, inter allegoriam, tropologiam et anagogen; quid sit über, quid prosa,quid rihtmus, quid fabula, quae figurae quae dicuntur Schemata et si qua sint alia sive in ec-elesiasticis auctoribus seu gentilibus auctoribus requirenda. Mit viel weniger Fragen begnügensich die eigentlichen Accessus, wie aus dem zu Ovids Briefen hervorgeht, wo es im Druckvon Przychocki p. 16 heißt, ,In principio huius libri VI sunt inquirenda: Vita poetae,titulus operis, intentio scribentis, materia, utilitas, cui parti philosophiae supponitur. 1 DieReihenfolge für den Unterricht dürfte sich nach den ersten Autorenabschnitten Konrads soergeben, daß den Donatregeln die Disticha Catonis, diesen Aesop und dann Avian folgte.Hierauf Sedulius, Juvencus 2 und Prosper und dann erst Theodulus kam. Von Prudentiuswerden zwar (ed. Schepss) S. 49, 7ff. die einzelnen Gedichte aufgezählt und hierbei nachGennadius vir. ill. 13 auch das Hexameron — vgl. hierüber Manitius, Gesch. d. christl.lat. Poesie (1891) S. 63 und n. 3 — erwähnt, aber gesprochen wird nur über die Psycho-machie, da nur diese in den Primärunterricht gehörte. Das Ansehen des Boethius erhelltaus sehr ausführlichen, allerdings wenig geschickten und recht diffusen Angaben über ihnbei Schepss S. 57—61, wo S. 61, 9f. ein Sprichwort angebracht wird illud vulgare pro-verbium ,ubi agnus ambulat et elephans natat'.
Ueberlieferung. Wircib. theol. f.53 s.XII fol. 85—113, Oenopont. 360 (P. Lehmann,Germ.-Rom. Monatsschr. 4, 572 n. 7), Ausgabe von G. Schepss, Conradi HirsaugiensisDialogus super auctores sive Didascalon, Würzburg 1889 S. 19—84. Vgl. Schepss, Blätterf. d.bayer. Gymnasialschulwesen 1888, 461—468, und Stölzle, Der Katholik, Jahrg. 1888S. 401—417 und Blätter f. d. bayer. Gymn. 1888, 525—527. Vgl. Manitius, Wochenschr.f. klass. Phil. 1889 Sp. 1428ff.
b) Epithalamium virginum. Das Speculumvirginum(ungedruckt)be-sitzt an seinem Ende ein von den Nonnen gesungenes Epithalamium, dasin zwei Chöre zerfällt, von denen jeder 129 zweizeilige Strophen zu singenhat, die aus jambischen Achtsilbern bestehen. Die Chöre sind parallel ge-dacht und so zu singen, daß auf Strophe I, 1 die Strophe II, 1 folgt, außerdemsind sie akrostichisch gedichtet und die Strophen sind so eingerichtet, daßmit jeder des ersten Chores der Gedanke anhebt und mit der parallelen deszweiten Chores seine Fortsetzung findet; doch ist der gleiche Reim nur in
1 So ähnlich bei Konrad (ed. Schepss) S. 27, 2 Juvencus wird übrigens selten für den17ff. und besonders p.27, 20—26, 2. Unterricht bezeugt.