F. Literaturgeschichten 313
neuem erweckt, aber zu wirklicher Blüte erst durch Sigehert und HonoriusAugustodunensis gebracht (vgl. beide). Einige Jahrzehnte nach Sigebert aberverfaßte ein Mönch des Klosters Prüfening, und zwar vielleicht Boto, einenvon Sigebert unabhängigen Katalog, der nach 1130 vollendet wurde, da er imletzten Kapitel den in jenem Jahre gestorbenen Rupert von Deutz behandelt.Boto 1 hat eine ganze Reihe von Schriften verfaßt, von denen noch einigeerhalten sind, und er hat bis um 1170 in seinem Kloster Prüfening ge-wirkt. Ein Abschreiber dieses Schriftstellerkatalogs aber hat an Rupertziemlich reichliche Angaben über Boto als Schlußkapitel angehängt. Undin solcher Gestalt hat das Werk der Passauer Domherr Johann Staindelnicht nur abgeschrieben, 2 sondern auch für sein Chronicon generale be-nutzt, 3 wie P. Lehmann darlegte. Es blieb sowohl dem Petrus Diakonusvon Monte Cassino wie dem Heinrich von Brüssel 4 und auch Trithemiusunbekannt.
Der Verfasser will durch sein Werk De scriptoribus ecclesiasticis den Hiero-nymus und Gennadius fortsetzen, muß aber dabei den von ihm in der Vor-rede genannten Cassiodor und Isidor ignorieren, da er ihr Werk nicht kennt.Er macht zu den von ihm benutzten Quellen Zusätze und Nachträge, ahmtden Hieronymus-Gennadius auch im Stile nach und führt das Werk bisauf seine Zeit. In der Berichterstattung ist er gewissenhaft, aber nicht in derChronologie. Diese ist für die Kap. 11 bis 31 leidlich (die Autoren des 4. bis8. Jahrhunderts), dann aber entrollt sich bei ihm chronologisch eine völligeVerwirrung bis Kap. 83. 5 Erst von hier ab, wo er sich der eignen Zeit nähert,wird die Reihenfolge der Autoren etwas richtiger. Daß der Verfasser einemHirschauer Kloster angehörte, ist nach Kap. 108 f f. sicher, und Ettlingerhatmit großer Sorgfalt nachgewiesen, daß er in die Nähe von Regensburg undzwar nach Prüfening gehört; weisen doch die beiden großen Kataloge derBibliothek dieses Klosters aus dem 12. und 14. Jahrhundert die engsteÜbereinstimmung mit den vom Verfasser genannten Schriftstellern auf.
Nämlich der größte Teil des Werkes beruht auf eigner Kenntnis der Au-toren, nur gegen 50 von den 118 Kapiteln lassen sich auf Quellen zurück-führen. Ausdrücklich nennt der Verfasser Frutolf und Gregors Dialoge(Kap. 20), eine Stelle aus Aribo de musica 6 über Wilhelm von Hirschau(106), Stellen aus einem Briefe Udalrichs von Zell an Wilhelm von Hirschau(110) und einen Brief Ruperts von Deutz an Bischof Kuno von Regensburg.In viel stärkerem Maße aber benutzt er Chroniken und allerhand biographi-sches Material. Er sucht in den Chroniken nach Stellen über kirchlicheSchriftsteller, exzerpiert sie, macht sie stilistisch zurecht und nimmt sienun als selbständige Abschnitte in sein Werk auf. In Betracht kommen hier-bei Beda für Kap. 27. 29—31, Hermann von Reichenau in ursprünglicher
1 Ueber ihn handelt J. A. Endres, Neues Gent, vgl. F. Pelster, Hist. Jahrbuch 39,
Arcluv30, 603—646 und P. Lehmann, da- 253 ff. Vgl. auch Haureau, Not. et extr.
selbst 39, 550-558. 6, 162—172.
a Passauer Inkunabel 36 s. XV. 5 Hinter Beda stehen z. B. Petrus Damiani,
. ed - Oefele, Rerum Boicarum scriptores Radbert, SeduliusundTheodul, hinterAlch-
«\r--v t 2- v * ne J us tus von Urgel.
JNamhch dieser hat den von Aub. Mi- 6 Herausgegeben bei Gerbert, SS.demus.
raeus, Bibl. eccl. p. 163—174 gedruckten 2,199.Katalog verfaßt und nicht Heinrich von