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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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312 Zweiter Abschnitt. Die Artes

wörtlich aus. Er teilt mit, daß man seine Kunst in sechzig Tagen erlernenkönne, während zu der alten Schrift 1 zwei Jahre nötig seien. Der Schreiberdieses Briefes ist nach seinen eignen Angaben Gelehrter und Geistlicherkränklicher Natur und mit einem Augenleiden behaftet. Nun findet sich imGatal. eruditorum Thomae des Herbert von Boseham ein Johannes vonTilbury erwähnt, der als Gelehrter und als ,scriba doctus et velox i gepriesenwird, und es ist sehr leicht möglich, daß unser Autor mit diesem Johannesidentisch ist. Denn auf ihn deuten nicht nur jene Worte, sondern unserAutor ist ein großer Verehrer des hl. Thomas gewesen, da die ganze Schluß-rede des Briefes der Verherrlichung dieses Märtyrers gewidmet ist. UndRose hat mit Recht erklärt, daß die Abfassung des Briefes nicht vor 1174,aber auch nicht viel später fallen kann. Pits aber-er vermengt ihn wohlmit Gervasius von Tilburygibt dem Johannes nicht nur ein Buch Predigten,sondern auch eine Geschichte Englands und verlegt die Zeit seines Ruhmesin das Jahr 1190. Nach den Mitteilungen des Briefschreibers aber hat diesereine Art Stenographie erfunden, indem er kleine Bildzeichen für die Kür-zungen einführen wollte. Die Kürzungen bestehen aus der Figura, demGrundzeichen für die Stammnoten, und aus der Titella, dem Endsilben-zeichen, und der Erfinder stellt in seiner Auseinandersetzung das Programmfür die spätere Entwicklung der modernen Stenographie dar (Johnen).Doch hat sich seine Erfindung nicht bewährt, sein Hauptwerk ist verlorengegangen und der Brief hat sich nur in wenigen Handschriften erhalten.

Zeugnisse. Titel der Schrift im Laurent, plut. XXX, 29 s.XIII Incipit ars notariaAristotilis, sonst Incipit epistola ad dominum Henricum regem Anglorum. Herberts vonBoseham Catal. erud. Thomae (Herbertide Boseham opera ed. Giles,Oxon. 1845, Bd. 1,365) sagt Johannes cognomento de Tilleberia natione Anglus, vir multum pectoris habens etmultum oris, qui tamquam scriba doctus et velox mox quum necesse de cordis sui thesaumnova et vetera proferebat, verum ipse corpore iam gravis et annosus quod patrem peregre pro-ficiscentem non est sequutus excusatur. Die Angaben von Pits sind Jo. Pitsei AngliRela-tionum histor. de rebus Angiitis, Paris 1619, Bd. 1, 258 Joannes Tilberius seu Tilberiensis,sacerdos Anglus, s. theologiae doctor Oxoniensis, concionator Londinensis, tandem etiam utquibusdam placet factus est episcopus, sed cuius loci non invenio. Inter doctos sui tempomviros merito numeratur, quamvis admodum rara inveniantur eius scripta. Tarnen saltem edi-disse perhibetur Concionum librum unum, Historiam gentis Anglorum librum unum. De aliisnihil habeo explorati. Claruit anno a partu virginis 1190, dum rerum in Anglia potireturRichardus primus.

Ueberlieferung. Hss. des Briefes Mus. Brit. reg. 12. C. VI s. XIV; Oxon. Corp. Christicoli. 233 s.XIII (davon Abschrift Arundel 165 s.XIV); Laurent. Med. plut. XXX, 29s. XIII. Teilweise Ausgabe des Briefes von Val. Rose, Hermes 8, 310326 (vgl. Rosep. 308ff.), und von Chr. Johnen, Gesch. d. Stenogr. 1, 260f. sowie von E. Rostagno,Riv. delle biblioteche e degli Archivi 11, lOff. Vgl. W. Schmitz, Rhein. Mus. 30, 124.Wattenbach, Schriftwesen im MA. 3 231. 294. 420. Mentz, Arch. f. Stenogr. 1907, 23und besonders Chr. Johnen, Geschichte d. Stenographie 1, 248ff.

FLITERATURGESCHICHTEN

1. ANONYMUS MELLICENSISDie christliche Literaturgeschichte, von Hieronymus begründet und vonGennadius und später von Isidor, Braulio und Ildefons fortgesetzt, wurdefür das Mittelalter in gewissem Sinne durch Notker den Stammler von

1 Gemeint ist die tironische Notenschrift, gegen die sich der Verfasser scharf wendet.