310 Zweiter Abschnitt. Die Artes
11. SUMMA DIGTAMINIS AURELIANENSIS
Der Monac. 6911 enthält eine Anleitung zum Briefschreiben, die nachden Forschungen von L. Rockinger 1 aus zwei Teilen besteht, die ineinandergearbeitet sind. In Orleans oder in dem Kloster Magdunum (St.Lifard) ent-stand bald nach 1180 eine Ars dictandi, wie sich aus den Namen der Haupt-personen deutlich ergibt, nämlich Ludwigs VII. und Philipps IL von Frank-reich, Kaiser Friedrichs L, Papst Alexanders III. und vor allem des BischofsManasses IL von Orleans, dann der Kardinäle Johannes und Hyacinthusund der Äbte Guilelmus von Micy und Macarius von Fleury. Diese Anleitungzum Briefschreiben wurde im 13. Jahrhundert durch den Magister Rudolfvon Tours mit einer von ihm angelegten Sammlung von Musterbriefen ver-bunden, in der der Name des Erzbischofs Johann von Tours auf jene Ent-stehungszeit hinweist und die Orte Tours und Poitiers öfter vorkommen.Wie gewöhnlich beschränkt der Verfasser der ursprünglichen Summa imAnfange sein Gebiet auf die Prosa und dann wieder auf den Brief. Er bringtdann die Salutationes des Papstes an Geistliche und Laien und umgekehrt,sowie zwischen Papst und Kardinälen, von Bischöfen an Kardinäle und vonGeistlichen unter sich. Dann definiert er das Exordium nach Cicero mitAnfügung zweier Horazverse, handelt kurz über die anderen Teile des Briefessowie über deren Verstellung und kommt auf die Privilegien des Papstes, desKaisers und der Bischöfe zu sprechen. Den Beschluß macht er mit den Vor-schriften über ein weltliches Privileg. Hieran knüpft sich die Briefsammlung.
Titel Summa dictaminis magistri Rudolfi Turonensis, vgl. Rockinger S. 99. EingangQuia nobis est propositum tractare de arte dictaminum primum videndum est quid sit die-tarnen (Rockinger p. 103). Zum Exordium p. 108 Exordium ut ait Tullius est communislocus vel sententia cuius modi sunt apud auetores, es folgt Hör. Ep. 1,10, 41 und später A. P.152. Ueberlieferung im Monac. 6911 s. XIII f.41—55. Ausgabe (der Ars dictandi) vonL. Rockinger, Quellen u. Erörterungen 9, 1, 102—114.
In gleiche Umgebung d. h. nach Magdunum (Meung-sur-Loire) gehören die Diverseforme litterarum, 2 ein vollständiger Briefsteller aus dem Ende des 12. Jahrhunderts imVindob. 521 s.XIII. Daß das Entstehungsland Frankreich ist, zeigen die Briefe und dieBemerkung f. 92 ministri sathanae qui vulgari vocabulo coterelli dieuntur. Vielleicht ist dieseSumma dictaminis gleich der des Bernhard von Meung, die sich im Monac. 22294 s. XIVf. 25—51 unter dem Titel Flores dictaminum findet. Auszüge aus Bernhard enthält Paris.14193 s. 20—31. Ueber eine Handschrift derDictamina zu Agen vgl. L. Auvray, Mem. dela soc. arch. et hist. de l'Orleanais 23, 391 ff. Vgl. auch Vindob. 246 s.XIII f.51—57 ßecompetenti dictaminum et grata scientia'.
12. DONAUESCHINGER BRIEFSTELLER
Auch diese Sammlung bietet so wenig wie die schon besprochenen wirk-liche Briefe und Urkunden, sondern Stilübungen, die sich an Ereignisseanknüpfen, welche zwischen 1178 und 1187 geschehen sind. Da König Philippvon Frankreich, der Herzog von Burgund und mehrmals Orleans und dasbenachbarte Magdunum (Meung) genannt werden, 3 wo sich eine wirklicheSchule befand, in der die Kunst des Briefschreibens für Kanzlei- und Ver-waltungsdienst geübt wurde, so ist der Briefsteller natürlich französischer 4Abkunft und stammt aus Magdunum. Aber eine Kopie des Werkes wurde in
1 Quellen und Erörterungen 9,1,98—102. lianensis electus (Jahr 1186), 135 S. 29
2 Vgl. hierzu Wattenbach, Archiv d. Ges. Magdunum, 172 S. 41 Magdunensis populusf. alt. deutsche Geschichtskunde 10, 557. und ecclesia.
3 In N.157 Aurelia (Cartellieri S. 37), 4 Beziehungen zu Frankreich bei Car-302 Aurelie in scolis S. 65, 171 S. 41 Aure- tellieri S. XI.