E. Briefe und Brieflehren 309
und Wattenbach, Archiv f. Kde öst. GQ. 14, 56. L. Auvray, Mem. de la soc. hist. del'Orleanais 23, 393 f. Das Werk bietet einen systematisch geordneten Briefsteller mit kur-zen Stücken, die sich über französische Verhältnisse aussprechen.
10. HUGO VON BOLOGNA
Hugo, Priester und Kanonikus in Bologna, von dessen Leben nichts weiterbekannt ist, verfaßte imAnschluß an frühere Arbeiten, nämlich Alberichs vonMontecassino und der von ihm genannten Aginulf 1 und Albertus Samari-tanus nicht vor 1119 eine Anleitung zum Brief schreiben unter dem TitelRationes dictandi prosaice, die von ihm erst nach 1124 endgiltig abgeschlos-sen ist, denn der von ihm genannte Papst ist Calixtus IL, und erst in XV, 9f.erscheint Honorius IL (1124—1130), während Bischof Victor von Bologna(H04—1130) durchgehend genannt wird. Gewidmet ist das Werk einemkaiserlichen Pfalzrichter D. in Ferrara, der Hugo um die Abfassung gebetenhatte.
Nach der Einteilung der Dictamina in Poesie und Prosa — die ersteredreigeteilt in Metrum Bella per Emathios, 2 Rhythmus (Riddimus) HostisHerodes impie 3 und Prosimetrum — handelt Hugo von den Briefen. DieSalutatio, das Exordium, die Narratio und Conclusio werden kurz berührtund die drei letzteren nach Cicero definiert, die Captatio benevolentiae unddie Commata und Cola besprochen, wobei je eine Anführung aus CicerosLaelius und aus der Vita s. Caeciliae gemacht wird (p. 59 f.). Dann kehrtHugo zur Salutatio zurück und ordnet die Beispiele nach den verschiedenenStänden an; einiges über die drei andern Teile wird angeschlossen. Einweiterer Abschnitt beschäftigt sich mit den verschiedenen Arten von Briefen— naturalis, moralis et artificialis, officialis, condicionalis, coortatoria mitBeispiel aus Gregors I. Registrum, decretalis usw.; der nächste mit verschie-denen Formen, die der Schreiber dem Adressaten gegenüber gebrauchenkann, der letzte gibt eine Reihe Briefe an mannigfache Personen und dieAntworten. Im allgemeinen ist dieser Briefsteller sehr kurz gehalten undbeschränkt sich häufig auf Definitionen, gibt aber doch in mancherBeziehungausreichendes Material.
Widmung etc. (Rockinger, Quell, u. Erörter. 9, 1, 53) Ugo Bononiensis ecclesie cano-nici^ etsacerdos . . . D. Ferrarensium civi sacri palacii imperatoris equissimo iudici salutem . .Mapiis et crebris tue dilectionis fatigatus precibus honeste peticioni denegare non audeo . . .Feci itaque non invitus ut. . . rationes dictandi prosaice ex multorum gestis in unum corpuscolligerem.., Si vero quos livor edax mordet. . . et ob hoc Aginulf, vel Alberti Samaritanitementalem et indisciplinate doctrine novitatem huic introductioni preponere . . . satagunt. ZuAlberich vgl. p. 54 Sic enim Alberici monachi viri eloquentissimi viciant qui etsi plene persmgula dictaminis documenta non scriberet, in epistolis tarnen scribendis et dictandis privi-legiis non iniuria ceteris creditur excellere,
Ueberlieferung im Salisb. s. Pet. V, 13 f. 1—12. Pommersfeld. 4 2750 s. XII f. 56b—68b,und Guelf. Aug. 56,20 s. XIII f. 1—4. Ausgabe von L. R o c ki n ge r, Quell, u. Erörter. 9,1,53—94. Der Guelf. hat im Anfang statt Ugo Bononiensis die Worte Ego Benno Misnensis, &weshalb die Schrift früher dem Benno von Meißen beigelegt wurde, bis Rockinger undWattenbach (Arch. f. Kde österr. Geschquellen 14,36, wo S. 35ff. über Hugos Werk) denIrrtum darlegten. — Ad. Bütow, Die Entwicklung der mittelalt. Briefsteller bis zur Mittedesl2. Jahrhunderts (Greifswald 1908) S.44ff.P.Lehmann, Ztsch.f Kirchgesch.32,461f.
* Wattenbach (Archiv f. Kunde österr. * Vgl. hierzu Archiv d. Ges. f. alt. deutsche
besctochtsquellen 14, 36f.) weist ihm ein Geschichtskunde 9, 545 f.; Archiv f. Kunde
Muck aus Monac. 19411 zu. österr. Geschichtsquellen (1850) 2, 16—18.
Uican, B. C. 1, l. s Auf Rasur von späterer Hand.
Sedul. Hymn. 2, 29.