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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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308 Zweiter Abschnitt. Die Artes

sich daher viele Dictamina oder Briefformelsammlungen erhalten, die vonhier ihren Ursprung nahmen und ganz oder teilweise auf Bernhard zurück-gehen. Dieser verfaßte nämlich ein Lehrbuch oder Summa mit einemVorwort in Distichen, wo er angibt, daß er die Kunst gut zu schreiben lehrenwolle. Nach der Definition des Wortes dictamen zählt er dessen vier Artenauf, doch werde er nur über die Prosa handeln und zwar über deren besondereArt, den Briefstil. Er setzt dann die fünf Teile des Briefes auseinander, han-delt über den Cursus und bespricht dann jene fünf Teile ausführlicher,indem er für jeden eine Reihe Formeln bringt. Seinen Namen hat übrigensder Autor in einigen wider seine Gegner gerichteten Versen und auch inSalutationsformeln genannt, und da in den Briefen Friedrich L, PapstEugen III. und Reinald von Köln eine Rolle spielen- in einem in Wienbefindlichen Exemplar 1 sind jedoch mehrfach andre Namen eingesetztso ist die Entstehungszeit der Briefe im dritten Viertel des 12. Jahrhundertszu suchen.

Zeugnisse. Die Zeit ergibt sich aus der Regierungszeit Friedrichs I. und Eugens IIIStellung und Teilnahme an den Mirac. s. Lifardi vgl. diese bei Mabillon, Acta SS. ord. s.Bened. 1,1G4 Aliud miraculum a fratre Bernardo Magdunensi canonico dictatum und Lang-lois Bibl. de l'ec. des chartes 54, 236 und die Verse im Prolog (Langlois p. 228) Aucloremlaudato deum, quem ledit aperte, Si quis in hoc operis insidiosus erit. Bernardus siquidemtantummodo verba notavit Cuncta, sowie 2 die Salutationsformeln der Summa ,Bernhardusdictaminum professionis minister', ,magister B., tocius litteralis seiende fulgore preclarus 1und die Mitteilung Nobilitatem vestram non cupio ignorare me. . . sospitem morari in dic-taminum studiis sub magistri Bernhardi doctrina iugiter conversari, woraus hervorgeht, daßdie Erlernung des Briefstils eine eigene Abteilung im klösterlichen Unterricht bildete. ZuMeung selbst vgl. Wattenbach, Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 14, 56 undArchiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschkunde 10, 557 f. 559f., sowie die Briefstellen im Vindob.521 s.XIII Fontem istum (seil, dietandi) Magduni reperi und Fontem vivum Magduni rep-peri. . . De hoc fönte dictaminum exundat copia? Zum Inhalt der Summa vgl. Langloisa. a. O. p. 227, daselbst p. 229f. über die Wandelbarkeit der in den Salutationen erwähntenPersonen. Kritik übt Petrus Blesensis (Cantabr. Dd. IX. 38f. 115) Licet magistri Bernardide dietaminibus liber prudenter sit pertraetatus, delicatis tarnen et minus districtis lectoribusperplexe prolixitatis dicitur arguendus, vgl. Langlois p. 233 n.2 und auch Konrad vonMure in seiner Summa (Rockinger, Quell, u. Forsch, z. bayer. u. deutsch. Gesch. 9,1,482)licet magistri in arte prosandi videlicet Boncunbancus Bernhardus Guido Iohannes de Gar-landia et alii quam plures in suis summis plurima proverbia, plures formas epistolarumposuerint. .. ego tarnen . . . vel nullas vel paucas pono. Erwähnung bei Eberhardus Alemannusim Labor. Vs. 597 f. bei Faral p. 358 Hos via dietandi reeipit, flores dabit illa Bernhardimaior summa minorque tibi.

Ueberlieferung imBruxell. 2070 s. XII aus Stablo; 4 Vindob. 246 s.XII f.51 ; 5 Brug. 549s.XII f.25. Einzelne Fragmente daraus bei Langlois a. a. O. p. 226. Uebrigens sprichtsich Langlois p. 236f. dahin aus, daß die Summa von Bernhardus Silvester stammt.

Ars dietaminis. Von der Summa wurde, wohl durch den Verfasser selbst, ein Auszughergestellt, der eine große Verbreitung fand und auch in dem oben mitgeteilten DistichonEberhards als die Summa minor erwähnt wird. Es steht fest, daß diese Ars dietaminisim Sprengel von Orleans in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hergestellt wurde undzwar von Bernhard von Meung, dessen Name in einer ganzen Anzahl von Handschriftenerscheint; 6 und wenn der Monac. 22294 das Werk flores dictaminum nennt, so stimmt dasgut zu den Versen Eberhards (flores dabit illa, nämlich die Summa minor).

Ueberlieferung im Paris. 994 s.XIII. 15170 s.XIII. 1093 s.XIII. 14193 s.XIII. 8653s.XIII;. dAgen 4 s.XIII; Trecensis 893 s.XIII (Fragment). Monac. 14708. 22294. 96.Vindob. 521 s.XIII. Mus. Br. Addit. 18382 s. XIV. 8167 s.XIII. Cotton. Vitell. G.VIU.Oxon. Bodl. Douce 52 s.XIII. 7 Savignano 45 s. XIV (Fragment). Vgl. Langlois p. 230H.

1 Vindob. 246 s. XII f. 51. 6 Haureau, Journ. desSavants 1883,213.

2 Vgl. Langlois a. a. O. p. 228. 6 In d f h i j n o der von Langlois p.231

3 Aus der Ars dietaminis Bernhards. aufgezählten Hss.

4 Wattenbach, Anz. f. Kunde d. dtsch. 7 Ist in England zusammengestellt undVorzeit 16, 189 ff. berührt englische Dinge.