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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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307
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E. Briefe und Brieflehren 307

8. HENRICUS FRANCIGENA

In den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts lebte wahrscheinlichim Kloster St. Salvator zu Pavia der Lehrer (?) Heinrich. Fitting 1 versetztseine Heimat ohne sicheren Grund nach Isle de France und nicht, wie früherangenommen wurde, nach der Provence. 2 Vielleicht ist er ein Deutscher undhat in Pavia die Aurea gemma verfaßt, und möglicher Weise auch dasSummarium Heinrici,dem, nämlich im Erlang. 396, die Aurea gemma (mitBriefen des 13. Jahrhunderts) eingefügt ist; der Francigena wäre dann =Franke. Innerhalb der Jahre 1119 und 1124, also sehr bald nach denPrecepta des Adalbertus Samaritanus, hat er eine Brieflehre, die Aureagemma, herausgegeben, die sich großenteils auf das Werk Adalberts stütztund außerdem das Breviarium Alberichs von Monte Cassino benutzt. Dieoriginale Form der Aurea gemma besitzen wir allerdings nicht, da die sieüberliefernden Handschriften sehr voneinander abweichen und die eine, dieLeipziger, trotzdem sie das Werk in Verkürzung bietet, in drei Prologen einbeträchtliches Mehr besitzt. Bütow hat den Inhalt dieser Leipziger Über-lieferung kurz skizziert. 3 Auf den ersten Prolog, der auf die beiden andernan den Schluß gestellten verweist, folgen Abschnitte De epistola und Desalutationibus, De positionibus, De stili varietate, dann die wichtigen Dediversitate personarum und über die Anredeformeln sowie über die Captatiobenevolentiae. Darauf folgt eine Menge ausgeführter Briefe, beginnend mitPapst und Kaiser und endigend mit Lehrer und Schülern. Am Ende stehennoch die erwähnten Prologe, deren einer den Titel des Werkes erklärt undals die besten Stilisten Cicero und die vier großen Kirchenväter hinstellt,während der zweite besonders über das Trivium nach Adalbert handelt.

Zeugnisse. Zu Heinrich vgl. Ad. Bütow, Die Entwicklung d. mittelalt. Briefstelleretc. S. 30ff. Zum Namen des Werks vgl. Lips. 350 (Bütow S. 32) Vocatur itaque aureagemma, eo quod ex fontibus doctorum quasi ex auro et gemmis sit compositum. Zweck (nachGuelferbyt. 3614, Bütow S. 32) ad utilitatem desiderantium dictare. Daß Heinrich nachPavia gehört, ergibt sich daraus, daß in vielen Salutationen als Absender oder Empfängerder Bischof von Pavia oder die Mönche von St. Salvator genannt werden, s. Bütow S. 31.Auf seine Abstammung spielt der "Verfasser im Guelf. 3614 f. 73 an, wo er als Antwort aufdie Frage fiivis vel cuius gentis' gibt ,Romanus sum vel Francigena', vgl. Bütow S. 32.

Überlieferung im Erlang. 396 s. XIII ex. (s. Fischer, Katalog der Hs. etc. S.472f.),Guelferbyt. 3614 4 s. XIII f. 6680 und Lips. 350 5 s. XIII f.142146. Veröffentlicht sindnur kleine Stücke, ein Brief von Fitting, Zeitschr. d. Savignvstiftung F. N. 7, 66f., Frag-mente von Rockinger, Quell. u.Erörter. 9,1,41 ff. 68 ff. 90 f. 93 f.; aus Lips. 350 die Kapitel-überschriften von B. Stehle, Über ein Hildesheimer Formelbuch (Straßburg 1878), einigesWeitere zur Disposition gehörige von Ad. Bütow a. a. O. S. 39ff.

9. BERNHARD VON MEUNG

Bernhard lebte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Kanonikuszu Meung-sur-Loire im Kloster St. Lifard und hat bei der Redaktion derMiracula s. Lifardi mitgearbeitet, da das eine Wunder als von ihm verfaßtgemeldet wird. Er leitete das Briefwesen im Kloster und ward hierfürauch als Lehrer in der Schule angestellt. Orleans mit dem benachbartenMeung war damals die Zentrale für Briefsteller in Frankreich und es haben

! n a ' ? Rom - Aht 7 > 66 n - ! 4 Vgl. Leibniz, SS. rer. Brunsvic. 2,34ff.

Rockinger a. a. 0. 9, XXVII. 6 Vgl. Waitz, Archiv d. Ges. f. alt. d. Ge-

a. a. 0. S. 3943. schichtskunde 11, 351 ff.

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