E. Briefe und Brieflehren 305
Petrus (vgl. oben) hervor, doch scheinen alle außer den oben behandeltenSchriften verloren zu sein, wenn sich nicht noch in den Schätzen von MonteCassino dies oder jenes seiner Gedichte finden sollte.
7. ADALBERTUS SAMARITANUS
Mit dem allmählichen Aufblühen des Studiums in Bologna, das sich hierbesonders auf das Recht bezog, wurde auch die Lehre von den Briefformenweiter ausgebildet. An der Spitze der Bologneser Entwicklung steht Adal-bertus Samaritanus, der in seiner Schrift Precepta dictaminis den Alberichnennt. 1 Den eigentümlichen Beinamen Samaritanus sucht Haskins alsgleichbedeutend mit arm oder unglücklich zu deuten und außerdem glaubter daß das Wort monachus in der Dedikation der Precepta ein spätererIrrtum ist. 2 Dieser Adalbert wurde zuerst dadurch bekannt, daß gegen ihnund einen gewissen Aginolf Hugo von Bologna in seinen Rationes dictandi(zwischen 1119 und 1124) polemisiert. 3 Jedenfalls war er Lehrer der Rhetorik,der längere Zeit in Bologna lebte. Es scheint, daß er während dieser Zeit voneinem Kollegen aufgefordert wurde, nach Cremona zu kommen und vorfünfzig und mehr Schülern auf mindestens ein Jahr Vorträge zu halten.Adalbert hatte sich aber jetzt auf ein Jahr Unterricht in Bologna verpflichtetund mußte daher den Antrag zurückweisen. Später hatte er bei einem Brandein der Stadt seine ganze Habe verloren und mußte die Hilfe seines Ver-wandten Hugo, Erzpriesters in Bondena, in Anspruch nehmen.
Einer seiner Schüler Ti. hatte ihn gebeten, ihm die Vorschriften über dieErlernung des Briefstils schriftlich mitzuteilen. Er kam dem Wunsche nach,indem er ihm ein Werkchen Precepta dictaminis widmete, durch daser ihm, wie er sagt, die Abfassung von Prosabriefen beibringen wolle. Zuerstmüsse der Diktator die Künste des Triviums gründlich kennen, deren De-finition dann erfolgt. Hieran reihen sich nun die Anreden, die von den ver-schiedensten Personen bei den verschiedensten Gelegenheiten gebrauchtwerden könnten, sowie einige ganze Briefe. Sodann werden die BegriffeCola, Commata und Periodi klargestellt und dem Briefschreiber unter Be-rufung auf Hör. Sat. 1, 2, 24 Kürze empfohlen. Am Schlüsse steht ein Brief,dessen Inhalt sich deutlich auf die Zeit des Kirchenstreites bezieht. DieMehrzahl der in den Briefsalutationen vorkommenden Namen weist aufOberitalien und die Zeit bestimmt sich auf 1111 bis 1118. 4 Doch sind einigevon den Salutationen deutliche Erfindungen Adalberts.
Adalbert hat aber auch ein größeres Werk De dictamine verfaßt, daseine Theorie über den Gegenstand darstellt und sich auch nur auf die An-fertigung von Prosabriefen bezieht; doch verspricht der Verfasser, späterauch den poetischen Brief behandeln zu wollen. Die Schrift ist bald nachFrankreich gekommen und die angehängten Briefe sind durch französischeSchriftstücke stark vermehrt worden, die bis in die Zeit des Abtes PetrusVenerabilis von Cluni gehen. Die ältesten Bestandteile dieser Briefe aber sind
1 Hrsg. von Krabbo, Neues Archiv 32, bayer. und deutsch. Gesch. 9,1, 53 et ob hoc
2 Attericus frater et omnes amici. Aginulfi vel Alberti Samaritani temeritatemMelanges d'histoire offerts ä Henri . . . preponere . . . satagunt.
Pirenne p. 202. « Vgl. Krabbo, Neues Archiv 32,71.
Rockinger, Quellen und Erörter. zur
U-d.A.IX2, 3 20