302 Zweiter Abschnitt. Die Artes
captatio benevolentiae, die proverbia sive auctorum scripta, die veneratiosententiarum, das augmentum und die diminutio dictaminum, die vitia. Ergibt hier weitere Ausführungen zu dem früher behandelten Stoffe. In derVorrede zu den Rhetorici flores sagt er, daß er bisher mit der Milch derGelehrsamkeit den kindlichen Geist genährt habe; nun gelte es, dem männ-lichen Geiste das feste Brot zu reichen. In diesem Buche werden mit An-lehnung an die alte Rhetorik Vorschriften gegeben, die mit Beispielen ausTerenz, Vergil, Horaz, Persius und Lucan, Cicero und Sallust belegt werden. 1In der Vorrede zu diesem Teile nennt Alberich seinen Namen ,hic Albericusevolat, hie palmam sperat', und da hier Desider und Monte Cassino erwähntwerden und der Verfasser sich mehrmals auf Stellen des ersten Buches be-zieht, so ist der Teil, obwohl er in der Handschrift seinen Namen nicht über-liefert, ihm vielleicht zuzusprechen. 2 Der dritte Teil, das Breviarium dedietamine, wendet sich in längerem Vorwort an zwei Schüler Alberichs, dieMönche Gundfrid und Guido: Er habe ihren Wunsch trotz aller entgegen-stehenden Hindernisse erfüllen wollen. Die Vorschriften, die er hier gibt,sind zuerst meist grammatischer Natur, so über das Partizip, das unper-sönliche Verbum, die Variationen des Nomen. Es folgen Muster für die laudeswie für die vituperatio (darunter Petrus Damiani in meretrices, Cyprian,Paulus und Sallust), sodann die Erklärung griechischer Buchstaben für denBriefstil, woran sich einige Formeln anschließen. Dann wird der Begriff derpäpstlichen Privilegien erklärt sowie der des Mundiburdiums und für beideskonkrete Beispiele gegeben, die aus Monte Cassino stammen. Hierauf folgenAnweisungen über die Eingänge von Briefen, über Fragestellungen undsonstige Stilmittel, wobei mehrfach Aussprüche des Pythagoras, ferner eininterpolierter Horazvers 3 und ein Vers des Alberich angeführt werden. Mitden vitia orationis und einem Abschnitt über Rhythmik schließt dieser dritteTeil, der den Leser mehr in die praktische Seite des dietamen einführt, wieman wenigstens aus Rockingers Inhaltsangabe schließen muß.
Zeugnisse. Die Angaben des Petrus im Chron. monast. 3, 35 (MG. SS. 7, 728,15) sindfolgende: Per idetn tempus (nämlich zur Zeit des Abtes Desider) Albericus diaconus ad hunclocum habitaturus advenit. Hie in monasterio positus composuit librum de virginitate s.Mariae, librum dictaminum et salutationum. In musica dialogum. Contra Heinricum im-peratorem de electione Romani pontificis. Vitarn s. virginis Christi Scolasticae. Omeliameius. Vitarn s. Dominici. Passiones s. Modesti et s. Caesarii. Librum de dialectica. Tempori-bus vero eius facta est sinodus in urbe Roma adversus Berengarium diaconem . .. qui...dicebat sacrificium corporis et sanguinis domini figuram esse. Cumque nullus ei resisterevaleret. . . Albericus ebdomadae unius aeeepta licentia librum adversus eundem diaconemde corpore domini edidit. . . in quo omnes asserliones eius destruxit. . . Fecit et versus invitarn s. Scolasticae, rithmos in pascha, de die iudicii, de penis inferni. Epistolas quoquequamplurimas ad Petrum Hostiensem episcopum. Rithmos de gaudio paradisi, de die mortis,de monacko penitente. Composuit et alia nonnulla, quae in nostram notiliam non venerum.Hierzu tritt als Ergänzung, was Petrus in den Viri ill. Casin. 21 (Migne 173,1032) be-richtet: Albericus diaconus scripsit librum dictaminum et salutationum, hymnos in sanctiNicolai. . . de astronomia, hymnos in sanetae crucis, in ascensionis, in s. Pauli, in s. Apolh-naris, Vitarn s. Scholasticae, homiliam eius et hymnos; in assumptionis s. Mariae hymnos
1 Vgl. Rockinger a. ä. O. S. 5. Erzbischöfe von Ravenna und Pisa, S.16
2 Vgl. hierüber Rockinger a. a. 0. S. 7. der Bischof von Faenza, und danach würdeVgl. auch die oben erwähnte Vorrede zu Wattenbachs Ansicht (2, 240 Anm.) wohlden Rhetorici flores. Dagegen spricht aller- aufrechtzuerhalten sein, daß dieser erste Teildings der S. 11 und 13 vorkommende Papst- jünger und lombardischen Ursprungs ist.name Innocenz, S. 11 der Markgraf von 3 S. 45 In silvam ne ligna feras nee inTuscien, der Doge von Venedig, S. 13 die equora pisces Sat. 1,10, 34.