E. Briefe und Brieflehren 299
bilde weisen einen reicheren Reim auf und erinnern zuweilen an die Sequen-zenform. Zunächst wendet sich der Dichter an die weltlich gesinnten Kleri-ker denen er einen Spiegel vorhält; er erinnert sie daran, sich mitten imLeben den Tod vorzustellen. Das Thema ändert sich mit Str. 14, 1 denn nunwird die Gefangennahme Richards I. durch Leopold von Österreich sehrausführlich in den schwärzesten Farben dargestellt und auf die Habsuchtdes Herzogs zurückgeführt. Hierauf wendet sich Petrus Str. 21—26 zumLeben am Hofe und spricht über die Versuchungen, die es bietet; er rätdem Leser, es unbedingt zu verlassen. 2 Die Schlußstrophen bestehen wie-der aus ernsten Mahnungen: Niemand kehrt aus dem Grabe zurück, dahergib das Sichere nicht vor dem Unsicheren auf; der träumerische Geist ver-achtet freilich die Gegenwart und hängt am Nichtigen, so wie die Britenauf die Rückkehr ihres Königs Artus warten. Und Reichtum bewirkt nur,daß du Sklave der Sklaven wirst. Welche Sicherheit hast du in der Welt ?Der Tod steht vor der Tür und du jagst deinen Wünschen nach; der Reizder Welt wird zu ewigen Verderben.
Die Form dieser Gedichte ist ohne Zweifel regellos, aber ihre Anschau-ung ist bedeutend und die Sprache ist wirklich dichterisch zu nennen;sie entfernt sich nicht wenig von den breit getretenen Gleisen der zeitge-nössischen Poesie und Walter von Chatillon hat den Dichter richtig beurteilt.
Zu den Gedichten vgl. oben und Ep. 76 (Migne 207, 232C; an den Magister Petrusvon Blois) Et quae insania est de Hercule et Jove canere fdbulosa et a deo . . . recedere? . . .(234C) Ego quidem nugis et cantibus venereis quandoque operam dedi sed . . . reieci haec omniaa primo limine iuventutis. Die Worte Walters von Chatillon (Strecker, Moral, satir.Gedichte Walters v. Chatillon 3,7,7 S. 41) Inter quos sunt quatuor rithmice dictantium,Qui super hoc retinent sibi Privilegium. Stephanus flos scilicet Aurelianensium et Petrus quidicitur de Castro Blesensium. Im Briefe an G. de Alneto (Ep. 57 col. 172C) heißt es Omissisergo lascivioribus cantilenis pauca, quae maturiore stilo cecini, tibi mitto, si te forte rele-vent a taedio et aedificent ad salutem. Die Rhythmen stehen im Bruxell. 9608 und inSidney Sussex A. 5.13. Ausgabe Opera ed. Giles 4, 337 = Migne 207,1127.
Von den durch Petrus angeführten antiken Autoren wäre noch zu erwähnen, daß Vale-rius Maximus sehr häufig erscheint, oft auch Cicero, Seneca und Macrobius; allerdingswürde zu untersuchen sein, ob diese Zitate aus erster Hand sind. Die Schuldichter 3 sindbei ihm alle vertreten, darunter auch die Thebais des Statius und Martial, am meistenwerden die Satiriker benutzt, von den späteren Prüdentius (Ep. 31 col. 106C = 59 col.178C, Serm. 65 col. 767D = 768B), Prosper (Ep. 51 col. 152 A Epigr. 38, 5 f.) und Se-dulius (Ep. 234 col. 536 A) und die Anth. lat. 603, 4 (Ep. 77 col. 238B).
Ueberlieferung. Die Schriften des Petrus erscheinen in alten französischen undenglischen Katalogen häufig, und zwar am meisten die Briefe, viel seltener in deutschenund italienischen Bibliotheken. Schon 1195 hinterließ Bischof Hugo von Durham eineSammlung der Briefe (B. 126, 42), saec. XIII hatte man die Briefe in Canterbury, saec.XIV in der Sorbonne (dreimal), in Chartres, Dover (zweimal), in Rom, Avignon (viermal)undSoignies, s. XV in Grünberg (mit denen des Petrus de Vineis), bei Benedikt XIII, beiAmplonius (zweimal), bei Otto von Konstanz, in Pavia, Spital am Pyhrn, Prag, Bordes-holm, Oxford, St. Albans und beim Duc d'Orleans. Super Job besaß man in Glastonburyund in Ramsey (zweimal); De subversione terrae sanctae in Glastonbury; den Libellus adHenricum regem qui dicitur Ludus regis in Canterbury; De perfidia Iudaeorum in derSorbonne 4 und in Peterborough, am ersten Ort auch die Summa de dictamine, am zweiten
1 Der Abschnitt beginnt mit den Worten impie nach Sedul. Hymn. 2, 29).
aus Jerem. 9,1 Quis aquam tuo capiti, Quis 3 Ep. 11 col. 33 C die mittelalterliche Um-
dabit tibi lacrimas, Ut laudes regis inclyti formung von Hör. Ep. 1,2, 4 Dimidium
Fraudesque^ ducis exprimas ? facti qui bene coepit habet.
24,1 Nexus abrumpe curiae; 25,5 Tu 4 Hier genannt De testimoniis scriptura-
verba garriens Davi (aus Terenz) non Oedipi, rum de Christo, aber durch die Anfangs-
8 i\ ec est laus ultima placere principi nach worte erkennbar (Delisle, Le cab. des
Hör 1, 17, 35 (9,1 In nova fert animus mscr. 3,108 R).nach Ovid Met. 1,1. 15, 5 Hostis Herodes