Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
298
Einzelbild herunterladen
 

298 Zweiter Abschnitt. DieArtes

Hiergegen richtet nun Petrus seine Responsio: 1 ,Ich schreibe, aber un-gern. Warum hast du den Wein verworfen, den die Bibel, der nützlicheGebrauch, ja Gott selbst empfiehlt? Wird doch der Wein im Abendmahlzu Christi Blut und Christus hat einst das Wasser zu Wein verwandelt 2aber nicht zu Bier. Wie kann also das Bier, der Affe des Weins, diesem vor-gezogen werden ? Nur das borgt sich das Bier vom Wein, daß es berauschtund sauer wird. Bei Loth trägt nicht der Wein die Schuld, sondern der Trin-ker, der zuviel davon genoß, wie bei Adam nicht der Apfel, sondern die Ge-fräßigkeit die Ursache des Falles war. Es ist eine Verirrung des Gehirns, dasBier zu loben, das in seiner ekelhaften Unsauberkeit 3 kein Trank für Menschensondern nur für die Schweine ist; wird es doch aus Stroh bereitet undmit Hefe gemischt.' 4 Das Gedicht besteht aus fünfzehn Distichen ohne Reim.

Ueberlieferung im Cantabr. Gg. 6. 42 f. 222 und im Einsidl. 200 f. 71 (unbenutzt).Ausgabe der zwei Gedichte des Petrus bei Giles, Petri Blesensis opera 4, 372 ff. = Migne207,1155 ff. Aus neuer Vergleichung des Cant. mit Roberts Gedicht herausgegeben vonE. Braunholtz, Zeitschr. f. rom. Philologie 47,32ff. Vgl. H. Walther, Das Streitgedichtin d. lat. Lit. des MA. S. 52 f.

Von den rhythmischen Gedichten haben sich die beiden erhalten, die Petrus

mit Epist. 57 zusammen an seinen Freund G. de AlneLo mit dem Wunsche

schickte, er möge sich an ihnen erbauen; sie stammten aus seinen reiferen

Jahren, die Jugendgedichte sende er absichtlich nicht mit.

f) De lucta carnis et spiritus. Lange Zeit 5 habe er, sagt Petrus, in denFesseln der Welt gelebt und erst im Alter habe er sich davon befreien können,denn das Fleisch lasse sich nur schwer unter den Geist beugen, so daß es ihmdienstbar wird. Und Welt und Teufel seien einen Bund gegen die Seele ein-gegangen, ganz im geheimen suchten sie ihrer Herr zu werden. Der Rauhder Dina durch Sichern erschrecke ihn, daß sie keinen fand, der ihre Schandegerächt hätte. Möge ihn das Fleisch nicht mehr reizen und der Betrug desTeufels ihn nicht mehr umgarnen. Und er bitte den Freund, die alten Kno-ten zu zerreißen, die ihn bänden, auf daß der alte Feind den Tempel Gottesnicht mehr schänden könne. Von den neun Strophen des Gedichts be-stehen die ersten acht aus acht Versen, die neunte hat deren sechs, die Versesind Sechs-, Sieben- und Achtsilber, auch sind Viersilber zugelassen; die Stro-phen aber sind recht verschieden gebaut und auch die Reime erscheinenetwas willkürlich. Vielleicht ändert eine kritische Ausgabe manches.

g) Contra clericos voluptati deditos sive de vita clericorumin plurimis reprobata. 6 In diesem Gedicht ist die Form noch wenigerstreng als im vorigen gehandhabt. Es besteht aus 31 Strophen von fünfbis dreizehn Versen, und zwar bestehen in den sechs ersten Strophen dieVerse fast ausschließlich aus jambischen Achtsilbern mit häufigem Takt-wechsel, dann erscheinen Siebensilber, von Str. 10 an auch mit Viersilberngemischt; in den späteren Partien scheint völlige Unregelmäßigkeit zuherrschen. Freilich dürfte der Abdruck kaum richtig sein, es scheint, alshätten sich zuweilen Glossen eingeschlichen; die späteren rhythmischen Ge-

1 Beginn Scribo, sed invitus, invitat enim tur Non hominis potus sed cibus esse suis.grave vitis. 4 30 factum Stramine, fece litum.

2 Vs. 9 In vinum convertit aquas aus Sedul. 5 Beginn Olim militaveram.

P. C. 3, 4. 6 Beginn Qui habet aures audiat.

3 Vs. 25 Cognata urine, fecis germana vide-