294 Zweiter Abschnitt. Die Artes
an den Hof Alexanders III. nach Rom zu reisen (um 1160), als er von denFeinden dieses Papstes gefangen wurde. Nach seiner Befreiung wandteer sich nach Paris, um Theologie zu studieren. Somit war seine Bildungeine sehr umfassende geworden, und er wurde 1167 dazu ausersehen, nachPalermo zu gehen, um die Erziehung und Bildung des jungen KönigsWilhelm II. zu leiten. Hier befreundete er sich mit Erzbischof Waltervon Palermo, der dem jungen Fürsten die ersten Anfangsgründe der Wissen-schaften beigebracht hatte, und er entwarf ihm später, als er nach einjähri-gem Aufenthalt Sizilien wieder verlassen hatte, in einem Briefe ein sehrinteressantes Bild von der äußern Persönlichkeit König Heinrichs II. vonEngland. 1 Denn er war als Fremder zu hoch gestiegen, um nicht denNeid der einheimischen Großen fühlen zu müssen; er rühmt von sich, daßer der Siegelbewahrer des Königs gewesen sei und daß die Leitung desReiches teilweise von ihm abgehangen hätte. Man suchte ihn vom Hofezu entfernen und bot ihm das Erzbistum Neapel und das Bistum Roffanoan, was er aber ausschlug. Indes mußte er weichen und ähnlich erging esihm dann in Sens, wo der Erzbischof Wilhelm ihn in seinen Klerus auf-nahm, aber vor Verdächtigungen nicht schützen konnte. So entschloß ersich endlich, dem Rufe König Heinrichs II. nach England zu folgen, woer Kanzler des Erzbischofs von Canterbury wurde, dagegen hatte er dasArchidiakonat in Bath wohl schon früher erhalten. Besonders bediente mansich hier seines diplomatischen Talentes; Heinrich II. sandte ihn 1173 anden König von Frankreich und er erzählt, daß er bei seinem Aufenthalt inParis juristische Bücher bei einem Händler gekauft, aber durch Betrugnicht in ihren Besitz gekommen sei. Im Jahr 1175 scheint er eine Gesandt-schaft nach Rom ausgeführt zu haben und zwei Jahre später war er mitGirardus Pucella jedenfalls am Hofe Alexanders III., da der Papst seinenAufenthalt in einem Briefe erwähnt; eine weitere Gesandtschaft führte ihn1187.wieder nach Rom. Der Nachfolger Heinrichs, Richard I., scheint ihmseine Gunst entzogen zu haben, aber er wurde Sekretär von Richards Mut-ter Eleonore. Die letzte sichere Nachricht über ihn findet sich in einer Ur-kunde von 1204. 2
Zeugnisse. Zu,Tours vgl. Ep. 12 col. 39B Mitte mihi versus et ludicra quae feci Turonis.Zu den Schulen Ep. 139 col. 415B Noveritis autem quod ab ineunte aetate semper in scholiset curiis militavi. Zur Bildung Ep. 101 col. 314A Scio mihi plurimum profuisse, quod cumin arte versificatoria parvulus erudirer praecipiente magistro mihi materiam non de fabulissed de historiarum veritate sumebam. Profuit mihi quod epistolas Hildeberti Cenomanensisepiscopi . . . firmare et corde tenus reddere adolescentulus compellebar etc. Zu Bologna Ep. 26col. 91B Vester vobisque devotissimus operam theologiae Parisiis indulgeo, Bononiensiscastra militiae crebro suspirans . . . Lex equidem saecularis . . . me vehementer allexerat ...Adhuc tarnen quia nondum dilatavi gressus meos in lege domini lectioni codicis et digestorumplerumque ad solatium non ad usum tempus vacationis impendo, vgl. Ep. 8 col. 23B. ZumVerlassen Bolognas vgl. Ep. 48 col. 145 AB, zu Paris vgl. oben. Zum Aufenthalt in SizilienEp. 72 col. 224 A Recolo quantas insidias aemulorum in palatio regis Siculi Willelmi secundiquandoque expertus sum, Ep. 66 col. 198 B Scitis quod domnus rex Siciliae per annumaiscipulus meus fuit et qui a vobis versificatoriae atque litteratoriae artis primitias habueralund Ep. 131 col. 390 A quod cum in Sicilia essem sigillarius et doctor regis Guillelmi se-
1 Zur späteren Widmung von einigen 2 Er wird hier Archidiakon von London
Werken an diesen König durch Petrus genannt, vgl. Academy 1893 S. 59, vgl
vgl. Ch. H. Haskins in Essays in Medieval Kingsford, Dictionary of national bio-
History presented to Thom. Fred. Tout graphy 45,49; so auch im Berol. Meerm. 189
(Manchester 1925) p. 75 f. s. XIII, s. V. Rose, Verz. d. Hss. 1, 426.