B. Briefe und Brieflehren 293
wieder eine gewisse Vorliebe für Sprichwörter und ähnliche Wendungen.Da nun mit den eigenen Briefen Beckets auch eine große Zahl von Stückenüberliefert werden, die an ihn gerichtet sind oder die auf seine Ge-schichte Bezug nehmen, so scheint es, daß eine Sammlung von Briefenin Canterbury selbst vorgenommen wurde, wogegen freilich die geringeZahl sprechen dürfte, da der Druck bei Migne 1 197 Stücke von Thomasund 196 Stücke an ihn und über ihn enthält. Und zwar sind diese in einerAnordnung gegeben, die eigentümlich genug ist, denn es erscheinen zu-erst 28 Briefe an Papst Alexander III., 43 Briefe an die Kardinäle, 105Stücke an andere Kleriker, endlich 31 Briefe an Könige und andere fürst-liche Laien. Es ist aber kaum wohl anzunehmen, daß diese Anordnung ur-sprünglich in einer alten Sammlung befolgt worden ist.
Von Dichterstellen finden sich Ep. 42 (Migne 190, 503 C) Lucan. B. C. 3, 499; 47col 507 D Verg. Aen. 6, 853; 50 col. 512 D Catonis Dist. 1, 27, 2 und Hör. A. P. 437; 61col. 523A Ovid.Am. 1,10, 48; 75 col. 541B Hör. Carm. 1,1,1; 108 col. 584B Hör. C. 1,4,12 f.; 130 col. 605B Juv. 1, 8 und 606D Verg. Aen. 2, 311 in Verbindung mit Hör. Ep.l' 18, 84; 191 col. 666A Hör. Ep. 2, 2, 55. In fremden Briefen Ep. 351 col. 587C Hör.L P. 304 f.; 365 col. 696B Hör. Ep. 1, 4, 13 f.; 391 col. 733B Hör. Ep. 1,1,74; 393col. 734 D Hör. A. P. 180 f.
Ueberlieferung im Paris. 5320. 5372. Ausgaben von Chr. Lupus, Brüssel 1682,bei Bouquet, Recueil des hist. 16, 210—487; von Giles, Oxon. 1845 = Migne 190,435—740. Robertson, Materials for the hist. of Thom. Becket 5,1. 6,1. 7,1; P.AlonzoBrown, Thomas Becket in Literature, Univ. of Pennsylvania 1927.
Dem Thomas gehört außerdem ein Hymnus De VII gaudiis caelestibus b. Mariaevirginis, ein Gedicht von sieben Strophen zu sechs Zeilen von je zweimal zwei trochä-ischen Acht- und einem Siebensilber, das in vielen Hss. überliefert wird, so im Gottwic.444 s. XV, im Vindob. Scotorum 52D 11 und 55g 14 s. XV. Ausgabe bei Dreves, Anal,hymn. 31,198 N. 189.
5. PETRUS VON BLOIS
Petrus ist aus vornehmer Familie 2 um 1135 zu Blois geboren. Einer seinerbeiden Brüder ist Wilhelm von Blois, der sich in der Dichtung von Komödieneinen Namen erwarb und an den sich zwei Briefe seines Bruders erhaltenhaben. 3 Ob Petrus ein Schüler des Johann von Salisbury war, läßt sichnicht feststellen, allerdings zeigt er sich in seinen Schriften von Johannvielfach abhängig, indem er aus dessen reichem Material an Stellen aus derantiken Literatur schöpft. Jedenfalls war er auf der Schule zu Tours under spricht in späteren Jahren davon, daß er seit der Zeit seiner Jugend aufSchulen und an Höfen gewesen sei, sowie daß er während der Jugendbil-dung die Stoffe zu seinen Gedichten nicht der Fabelwelt, sondern derGeschichte zu entnehmen und daß er die Briefe Hildeberts von Le Mansfast auswendig zu lernen gezwungen worden sei. Seine historische Lektüreaber seien Justin, Josephus, Sueton, Hegesipp, Curtius, Tacitus, und Liviusgewesen. Nachdem er die Artes getrieben hatte, ging er nach Bologna, umdie Rechte zu studieren, und dort gefiel es ihm sehr, denn er schreibt später,daß er in Paris sich nach Bologna zurücksehne und, während er das GesetzGottes studiere, er seine freie Zeit der Lektüre des Codex und der Digestenwidme. Vorzeitig mußte er die Rechtsschule verlassen und war im Begriff,
, Ist Abdruck der Ausgabe von Giles. ersten ermahnt er Wilhelm, auf sein sizili-
i"iia\ " Blesensis E P- 34 (Migne 207, sches Kloster (Matina) zu verzichten, und
<i-iT' und 49 col. 147 AB. im zweiten beglückwünscht er ihn, daß er
^p. 90 col. 284 C und 93 col. 291 C. Im das getan habe.