E. Briefe und Brieflehren 289
versuch zwischen Heinrich V. und Galixt II. im Jahre 1119. — Die Samm-lung hat später einen Anhang (N. 226—265) von Stücken aus den Jahren
^25__1137 erhalten, denen Jaffe noch einige weitere angeschlossen hat.
TJeberlieferung im Vindob. 398 s. XII und Zwetl. 283 s. XII; unvollständig sindVindob. 611 s. XII, Monac. 4594 s. XII und Guelferb. 1024 s. XII. Ausgaben von Ec-card Corpus hist. med. aevi 2,1—374, besonders von Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5,17—469 Dort folgen noch weitere Epistolae Bambergenses, 40 Briefe und Aktenstücke, p. 471—536. Vgl. Dümmler, Neues Archiv 19, 222; Wattenbach 2,184 f.; K. Beyer, Forsch,z deutschen Geschichte 21, 407ff. Ein Teil der Briefe des Corpus ist nach B. Schmeid-ler (Festschr. f. Kehr, Papsttum und Kaisertum, München 1925, S. 233—249) von demVerfasser der Vita HeinricilV. geschrieben. Vgl. denselben Z. f. bayer. Landesgeschichte II,207 ff. (1929).
3. DIE BRIEFSAMMLUNG WIBALDS VON KORVEI
Zu den bedeutendsten Staatsmännern des 12. Jahrhunderts in Deutsch-land gehörte der Abt Wibald, der unter vier Königen von Heinrich V. anbis auf Friedrich I. dem Reiche und der Kirche seine Dienste widmete.Am Ende des 11. Jahrhunderts geboren, 1 trat er ins Kloster Waulsort ein,nachdem er in Lüttich in die berühmte Stiftsschule gegangen war. Mit Ge-nehmigung des Abtes von Waulsort aber begab er sich nach Stablo und wurdehiernach dem Tode des Abtes Johannes 1130 zum Abte erhoben. Doch warer vorher schon an den Hof gezogen und zu Gesandtschaftsreisen verwen-det worden. Und mit der regsten Sorge für das ihm anvertraute Klostervertrug es sich, daß ihn Kaiser Lothar zum Admiral der Flotte in den ita-lienischen Meeren ernannte und ihm in einem Briefe die Titel Kanzler desRömischen Reiches, Magister Capellanus und Princeps pacis beilegte. Bei derAnwesenheit Lothars in Italien wurde Wibald sogar nach Ausbruch einesinneren Streites in Monte Cassino von den Mönchen dieses Mutterklosters1137 zum Abt gewählt und als solcher vom Kaiser bestätigt. Aber daLothar kurz darauf starb, so verließ Wibald sein neues Kloster ohne Ab-schied für immer und empfahl den Mönchen eine neue Abtswahl vorzunehmen.Und Wibald, der die Reichsgeschäfte auf das genaueste kannte, wurde nunKönigKonrads III. unzertrennlicher Begleiter und erster Minister. Zum Dankefür seine Dienste bestimmte König Konrad die Mönche von Korvei, Wibaldam 22. Oktober 1146 zu ihrem Abte zu wählen. Bald darauf nahm KönigKonrad das Kreuz und vertraute bei seiner Abwesenheit die Fürsorgefür seinen jungen Sohn Heinrich und für das Reich Wibald an, der dadurchzum Reichsregenten emporstieg und diese Stellung mit großem Geschickverwaltete. Als es sich dann nach Konrads Rückkehr um einen Bund mitdem griechischen Reiche gegen den Normannenkönig Roger handelte, warWibald mit ganzer Seele dafür, aber der Krieg, in dem Roger von Ludwig VII.Hilfe erhalten sollte und der sich daher zu einem Weltkrieg auswachsenmußte, wurde durch Bernhard von Clairvaux und Petrus von Cluni hinter-trieben, und Konrad starb schon im Jahre 1152. Und in gleiche Gunsttrat nun Wibald bei Friedrich L, der ihm 1155 schrieb, daß er in der Füh-rung der Reichsgeschäfte die vornehmste und tätigste Stelle einnehmensolle. So bestimmte ihn Friedrich nicht nur zur Teilnahme an einem neuenFeldzug gegen Oberitalien, sondern trug ihm auch eine Gesandtschafts-
1 Joh. Janssen, Wibald v. Stablo (Münsterl854) S. 5f. bestimmt 1098 als Geburtsjahr.
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